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Tänzerischer Schwung, makelloses Zusammenspiel

Lübeck Tänzerischer Schwung, makelloses Zusammenspiel

Das Amaryllis Quartett und Matthias Kirschnereit erfreuten beim Gastspiel im Kolosseum.

Lübeck. Mozart, Berg, Brahms: Mit einem großen Programm war das Amaryllis Quartett in seiner Reihe „Drei mal drei“, drei Konzerte in drei Städten, ins Lübecker Kolosseum gekommen. Das Programm blieb wie angekündigt. In der zweiten Konzerthälfte mit dem Klavierquintett op. 34 von Johannes Brahms war der Gast am Flügel ausgetauscht worden. Für den erkrankten Kollegen Sebastian Knauer sprang Matthias Kirschnereit ein.

Eingeleitet wurde der Abend mit dem sogenannten Dissonanzenquartett von Wolfgang Amadeus Mozart (KV 465). Die klanglichen Reibungen zu Beginn des ersten Satzes, die dem Werk aus dem Jahre 1785 den Namen gaben, werden heute längst nicht mehr als besonders dissonant empfunden. Zudem ließen die Gäste auf dem Podium nach den einleitenden Adagio-Takten Mozarts Musik mit tänzerischem Schwung und makellosem Zusammenspiel sprühend lebendig werden. Im Wechsel von delikat und derb erfreute das Menuett die Zuhörer. Mit Elan gingen Gustav Frielinghaus (1. Violine), Lena Sandoz (2. Violine), Lena Eckels (Viola) und Yves Sandoz (Violoncello) das Schluss-Allegro an.

Den ganzen Kosmos neuer musikalischer Zeiten bot das Amaryllis Quartett danach mit Alban Bergs opus 3 aus dem Jahre 1910, seinem „Gesellenstück“ nach der Lehre bei Arnold Schönberg. Die spieltechnischen Schwierigkeiten und die rhythmischen Finessen kosteten die Musiker überzeugend aus. Hoch explosiv erklang der letzte der beiden Sätze. Nach der Pause dann Johannes Brahms mit seinem großen Wurf des Klavierquintetts.

Abstimmungsschwierigkeiten zwischen dem eingesprungenen Matthias Kirschnereit und dem Quartett gab es kaum. Zupackend, rhythmisch stilsicher gingen die fünf Musiker mit dem Thema des Kopfsatzes gleich in die Vollen. Gesangliche Innigkeit und aufwühlende Intensität kennzeichneten über weite Strecken das Andante „un poco adagio“. Auftrumpfend nach der kurzen langsamen Einleitung zog das Scherzo das Publikum in den Bann. Ein fulminant ausgespielter Schlusssatz folgte.

Viel Beifall. Nach diesem Schluss wäre eine Zugabe kaum möglich gewesen, was die Zuhörer auch einsahen. Das Amaryllis Quartett wird in der kommenden Saison wieder in Lübeck zu hören sein; dann mit der neuen Kollegin Tomoko Akasaka an der Bratsche. kd

LN

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