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Tango aus Lübeck und Montevideo

Lübeck Tango aus Lübeck und Montevideo

Ganz ruhig stand Raul Jaurena vor seinem Notenpult, das Bandoneon senkrecht aufgestellt wie einen Stapel Bücher, und wartete auf seinen Einsatz.

Lübeck. Ganz ruhig stand Raul Jaurena vor seinem Notenpult, das Bandoneon senkrecht aufgestellt wie einen Stapel Bücher, und wartete auf seinen Einsatz. Das dauerte zuweilen etwas länger, denn Bernd Ruf improvisierte, ließ die Klarinette erst zart, dann immer fordernder Themen und Motive vorstellen. Schließlich ergriff der Bandoneonist mit einer ruhigen Geste sein Instrument und begann den Tango- Rhythmus unter die Melodie der Klarinette zu legen. Jedes Mal war es wieder ein großer Moment, wenn die Instrumente miteinander verschmolzen.

Die Lübecker Jakobi-Kirche war vollbesetzt. Die beiden Interpreten verstanden sich als Geschichtenerzähler: Bernd Ruf, Professor an der Lübecker Musikhochschule, und Bandoneonist Raul Jaurena aus Montevideo gaben „Tango Tales“ — Tangogeschichten — zum Besten. Beide Männer ließen nur ihre Instrumente sprechen, das aber mit einer enormen Ausdruckskraft und Ausstrahlung.

Kaum ein Tanz ist sinnlicher als der Tango. Über einem feurigen Rhythmus entwickeln sich Melodien, die klagen und verlangen und südamerikanisches Feuer in sich tragen. Die Musik hat neben dem Verführerischen aber auch etwas unschuldig Verspieltes.

Der Abend begann mit einem Klassiker: „El Choclo“, einer der Melodien, die seit mehr als 100 Jahren nichts von ihrem Zauber eingebüßt hat. Er endete ebenfalls mit einem weltbekannten Stück: mit Astor Piazzollas „Nightclub 1960“. Der weitaus größte Teil der Kompositionen stammte jedoch aus der Feder von Raul Jaurena — „Tango Nuevo“, mit viel Improvisation, mit Anleihen aus dem Klezmer und der Klassik, aber alles so dezent, dass die eigene Handschrift stets erhalten blieb.

Cornelia Schoof

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