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Tango in all seinen farbigen Spielarten

Lübeck Tango in all seinen farbigen Spielarten

Bernd Ruf, Raúl Jaurena und Marga Mitchell begeisterten das Publikum in der ausverkauften Jakobikirche.

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Raúl Jaurena (links) mit Marga Mitchell und Bernd Ruf am Montag beim Konzert in der Lübecker Jakobikirche.

Quelle: Olaf Malzahn

Lübeck. Solch einen Ansturm hat die Jakobikirche lange nicht mehr erlebt. Zum Tango-Konzert von Raúl Jaurena (Bandoneon), Marga Mitchell (Gesang) und Bernd Ruf (Klarinette) kamen so viele Besucher, dass lange vor Beginn schon keine Eintrittskarten mehr vorhanden waren. Tango kommt offensichtlich an in Lübeck.

Wer es dann geschafft und einen Platz im vollbesetzten Kirchenschiff ergattert hatte, der erlebte ein sensationelles Konzert. Raúl Jaurena, Freund und Wegbegleiter von Astor Piazzolla, ist einer der besten Bandoneon-Spieler der Welt. Der Musiker, der in der vergangenen Woche seinen 75. Geburtstag feierte, scheint eins zu werden mit seinem Instrument, wenn er seine großen Soli spielt. Besser sollte man sagen: Wenn er seine großen Soli zelebriert. Ob das nun freie Improvisationen sind oder Verzierungen zu einem Tango-Klassiker: Die Spielfreude Raúl Jaurenas reißt das Publikum immer wieder mit.

Jaurena ist aber auch ein ausgezeichneter Arrangeur. Die Klarinette ist kein klassisches Tango-Instrument, ihr Klang passt auch nicht wirklich zu dem des Bandoneons. Wie Jaurena diese Schwierigkeiten in den Arrangements umgeht, die er für Bernd Ruf und sich geschrieben hat! Ruf, Professor für Popularmusik an der Musikhochschule Lübeck, ist ein herausragender Klarinettist, sein Verständnis für Tango ist bemerkenswert. Seit dem jahr 1998 arbeitet er mit Raúl Jaurena zusammen, hier haben sich zwei Musiker gefunden, die auf derselben Wellenlänge ihre Kunst ausüben. Ob es der berümteste Tango aller Zeiten ist („La Cumparsita“) oder ein mittlerweile auch schon klassischer Tango von Astor Piazzolla („Bordel 1900“): Bernd Ruf und Raúl Jaurena harmonieren perfekt miteinander.

Zum Tango gehört aber auch Gesang. Marga Mitchell, geboren in Venezuela, hat sich in den Tango eingearbeitet. Ihr Gesang verzauberte das Publikum in der ausverkauften Kirche. Nicht nur das:

Piazzollas „Balada para un loco“ (Ballade für einen Verrückten) sang sie derart expressiv, wie man es selten erlebt. Eine große Sängerin.

Als Gäste spielten bei dem fast dreistündigen Konzert die drei jungen Musiker des Trios ClariNoir mit. Ivo Ruf (Klarinette) Nikolai Gast (Klarinette) und Ilja Ruf (Klarinette und Klavier) fügten sich nahtlos in das musikalische Geschehen ein, bei einer selbstgeschriebenen Klezmer-Nummer zeigten die drei Jung-Musiker ihr ganzes improvisatorisches Können. Und Raúl Jaurena bewies, dass er den Klezmer auch noch beherrscht, obwohl seine Tournee mit Giora Feidman schon lange her ist. Ein wunderbarer Abend.

Jürgen Feldhoff

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