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Tangos als ziselierte Kammermusik

Lübeck Tangos als ziselierte Kammermusik

Das Quartett SolTango spielte im Kolosseum.

Lübeck. „Wer Tango sagt, muss auch Astor Piazzolla sagen“ (warum denn nicht mehr Carlos Gardel?), doch wird damit eigentlich erst der freie und experimentelle „Tango-Nuevo“-Stil des Altmeisters gemeint, der sich recht weit vom Tanzsaal in Buenos Aires entfernt hat und eher auf dem Konzertpodium beheimatet ist. So bildeten Piazzollas Kompositionen den anspruchsvollen Rahmen des Kammerkonzerts des Cuarteto SolTango im Lübecker Kolosseum, das die Musik- und Orchesterfreunde in dieser Woche veranstalteten.

Von den vier jungen Musikern haben drei an der Lübecker Musikhochschule studiert. Hinzu gesellte sich Rocco Heins am Bandoneon. In seinem Moderationspart erinnerte er daran, dass dieses Instrument, in Krefeld erfunden und gebaut, von den Nazis 1939 als „zu links“ verboten wurde. Gemeinsam mit Sophie Heinrich (Violine), Karel Bredenhorst (Violoncello) und Martin Klett (Klavier), der auch für die höchst erfindungsreichen Arrangements zuständig war, geriet die Tanzmusik hier zur kammermusikalischen Kunstform.

Ursprünglich bestanden die Tango-Orchester der 20/30er Jahre in Argentinien aus vier Violinen, vier Bandoneons, Klavier, Kontrabass und einem Sänger. Die vier Musiker sind bestens aufeinander abgestimmt und führten die klassischen Tangos und Milongas sowie einige Walzer mit höchster Präzision, aber auch mit der nötigen Latino-Leidenschaft und Melancholie aus. Dabei ließen es sich einige Zuhörer nicht nehmen, in eine Art „Sitz-Tango“ auf ihren Plätzen zu verfallen. Das in den Bann gezogene Publikum dankte mit kräftigem Applaus und erklatschte sich zwei Zugaben.

Dieter Kroll

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