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Tanz um Original und Bearbeitung

Lübeck Tanz um Original und Bearbeitung

„Rokoko-Variationen“ und andere Tschaikowski-Preziosen neu eingespielt vom Cellisten Jan Vogler.

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Einer der bedeutendsten Cellisten unserer Tage: Jan Vogler.

Quelle: Fotos: Jim Rakete, Ingo Wagner/dpa, Ullstein, Fotolia, Ard

Lübeck. Wilhelm Fitzenhagen (1848-1890) war der bedeutendste Cellist seiner Zeit. Dass er einige eigene Werke hinterließ, ist längst vergessen. Fitzenhagen ist wegen der Kompositionen eines anderen in Erinnerung geblieben. In Moskau, wo er zur Prominenz des Musiklebens gehörte, freundete er sich mit Peter Tschaikowski an. Der schrieb für ihn die „Rokoko-Variationen“ für Cello und Orchester, eine Pflichtübung für ambitionierte Cellisten bis heute. Als Fitzenhagen unserer Tage kann man vielleicht Jan Vogler (*1964) bezeichnen. Mit einigen Echo-Klassik-Preisen ausgezeichnet, ist er Künstlerischer Leiter des Moritzburg-Festivals, der Dresdner Musikfestspiele und überhaupt an zahlreichen Klassik-Fronten aktiv.

Wir kommen zur Sache: Natürlich musste Jan Vogler irgendwann auch die „Rokoko-Variationen“ einspielen. Gemeinsam mit dem Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks unter Andrés Orozco-Estrada gelingt dem in Dresden und in New York lebenden Solisten eine sehr werkgetreue, entspannte Interpretation, doch in einer eigenen Fassung. Der Urtext Tschaikowskis war von Fitzenhagen eigenmächtig bearbeitet worden, die Originalfassung erschien erst in den 1950er Jahren. Vogler hat die von seinem Vorgänger gestrichene letzte Variation wieder eingefügt, allerdings an vierter Stelle. Bei der Anordnung der anderen kleinen Charakterstücke hält sich Vogler an Fitzenhagens Veröffentlichung des Werks.

Das gravitätische Thema führt er mit einer augenzwinkernden Leichtigkeit ein — es geht dem Hörer so schnell nicht wieder aus dem Ohr. Mit warmem, federndem Ton gleitet der Solist durch die Variationen, mit offensichtlichem Spaß wirft er sich in die Kabinettstückchen, denen der Musikwissenschaftler Attila Csampai attestiert: „Technisch gehört der Solopart zum Diffizilsten, was für Violoncello jemals geschrieben wurde.“ Vogler selbst sagt, er suche bei Tschaikowski „nach der beherrschten Melancholie und dem Klassizisten“. Nun ja: Diese Melancholie findet sich eher auf den beiden Tschaikowski- Werken, die die „Rokoko-Variationen“ auf dem Sony-Album einrahmen: Vogler hat die „Sérénade Mélancholique“ und die Méditation aus den „Souvenir d‘un lieu cher“, ursprünglich für Geige, für sein Instrument umgeschrieben. Vom Ergebnis aus gesehen ein völlig legitimer Eingriff.

Von mib

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