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Teenager im Pop-Rausch

Braunschweig Teenager im Pop-Rausch

Mit einem exzessiven Stück asiatischer Jugendkultur startet das Festival Theaterformen.

Braunschweig. . Zappelnde asiatische Mädchen, knallige Farben, schrille Musik: Die neueste Produktion der japanischen Regisseurin Toco Nikaido widmet sich der Kunst des Otagei, den hingebungsvollen Tanzperformances, mit denen japanische Popfans ihre I dole feiern. „Miss Revolutionary Idol Berserker“ heißt das Stück, mit dem heute das Festival Theaterformen in Braunschweig eröffnet wird.

Bis hin zum kollektiven Exzess geht diese Fan-Kultur, etwa wenn zwei Frauen in die Reihen des Publikums steigen und sich wild zappelnd in einen Glücksrausch hineinsteigern, der in einem Zungenkuss vor den Augen der Zuschauer endet. Ein Rausch, der eine bunte, wahnhafte Parallelwelt offenbart und der dennoch ganz genau durchchoreografiert ist.

Auf einem Stuhl stehend verfolgt Regisseurin Toco Nikaido in höchster Anspannung die Probe ihres Ensembles. Hochkonzentriert schreibt sie mit, ohne den Blick vom Bühnengeschehen zu lassen, wendet im Sekundentakt die Seiten in ihrem riesigen Notizheft. Wie gebannt scheint die Künstlerin von der von ihr entfachten Welt, die sofort stirbt, wenn Nikaido Stopp sagt.

Dann ziehen sich die Tänzergruppen zu Einzelgesprächen zurück, und die Regisseurin arbeitet ihr Notizheft ab. Alles wird festgelegt, fast sklavisch genau. Wild kreischen die Mädchen, Transparente werden hochgehalten, mit dem Theaterformen-Schriftzug und der Deutschlandfahne. Auch an der Seite des Zuschauerraums stehen jetzt Teenager, sie tanzen, kreischen, lachen. Doch was ist die Message dieser Produktion? Man erfährt es nicht.

Die wahnwitzige Performance ist Auftakt des Festivals, das im jährlichen Wechsel in Hannover und Braunschweig stattfindet. In diesem Jahr hat es einen Ostasien-Schwerpunkt.

Gastspiele aus Bangkok, Kuala Lumpur, Singapur und Tokio werden gezeigt.

Theaterformen, Staatstheater Braunschweig, bis 19. Juni

Alexander Kohlmann

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