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Terror in der Mozart-Oper

Salzburg Terror in der Mozart-Oper

Auftakt bei den Salzburger Festspielen: Teodor Currentzis und Peter Sellars erfinden „Clemenza di Tito“ neu.

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Gewaltexzess auf der Opernbühne: Tenor Russel Thomas als Titus, Mezzosopranistin Marianne Crebassa als Attentäter Sesto.

Quelle: Foto: Barbara Gindl/dpa

Salzburg. Sie haben großzügig gekürzt und Neues dazugefügt. Am Ende, so notiert es Wolfgang Amadeus Mozart in seinem handschriftlichen Werkverzeichnis, hätten er und sein Librettist Caterino Mazzolà die altmodische, oft gespielte Vorlage doch noch „zu einer richtigen Oper umgearbeitet“. Ganz ähnlich sind der Regisseur Peter Sellars und der Dirigent Teodor Currentzis mit Mozarts Bühnenwerk „La clemenza di Tito“ verfahren, das nun die Salzburger Festspiele eröffnet hat.

Anders als im Schauspiel, wo die originalen Stücke fast immer verändert werden, gilt es in der Oper noch als Sakrileg, von der Vorlage der Partitur abzuweichen. Wenn Sellars und Currentzis genau das jetzt ausgiebig tun, können sie sich bei diesem Stück immerhin auf Mozart selbst berufen. Und auf den Jubel nach der Premiere.

Der US-amerikanische Regisseur Sellars versteht das Stück, das Mozart wenige Wochen vor seinem Tod 1791 für die Krönungsfeierlichkeiten von Kaiser Leopold II. in Prag schrieb, ausgerechnet als vorrevolutionäres Stimmungsbild. Darum macht er ernst mit der Gewalt in der Oper: Bei ihm stirbt der römische Kaiser Titus tatsächlich bei dem Terroranschlag, den dessen Freund Sesto verübt. Bei Mozart ist der Herrscher im zweiten Akt wie durch ein Wunder unversehrt, bei Sellars quält er sich im Intensivpflegebett und erliegt am Ende seinen Verletzungen.

Dass der amerikanische Tenor Russell Thomas in der Titelrolle manchmal geschwächt klingt, gehört zu den sehr wenigen Mängeln einer musikalisch überragenden Produktion. Zu hören, wie die französische Mezzosopranistin Marianne Crebassa die Gefühlsverwirrung von Sesto wunderbar klar zum Klingen bringt, ist ein Ereignis für sich.Vor allem aber hebt der griechische Dirigent Teodor Currentzis, der mit seinen Orchestermusikern und Choristen von Musicaeterna aus dem russischen Perm nach Salzburg gekommen ist, die Aufführung auf höchstes Niveau: So präzise, so lebendig, so energiegeladen, leuchtend und frei dürfte Mozarts Musik derzeit sonst nirgends zu hören sein.

Sensationell ist auch das bis ins letzte Detail ausbalancierte Zusammenspiel mit dem Chor. Der hat im „Titus“ eigentlich wenig zu tun, Teile der Jubelgesänge wurden sogar noch gestrichen. Dafür ist er in den hinzugefügen Passagen umso gefragter: Regisseur und Dirigent haben unter anderem Teile von Mozarts c-Moll-Messe in die Aufführung integriert. Denn bei Sellars spielt die Trauer der Menschen, die auf der Bühne der Opfer des Anschlags mit einem Blumen- und Kerzenmeer gedenken, wie man es inzwischen aus Berlin, Paris, Brüssel und Nizza kennt, eine wichtige Rolle. Sie sorgt dafür, dass Gewalt nicht mit Gewalt beantwortet wird und die Stimmen der Andersdenkenden gehört werden. Wenn der zweite Akt, der den Morgen nach dem Anschlag schildert, statt mit trockenem Rezitativ mit dem flehenden Kyrie aus der Messe beginnt, ist das der ergreifende Höhepunkt der Aufführung.

Internet: www.salzburgerfestspiele.at/oper

Der milde Kaiser

„La clemenza di Tito“ („Die Gnade des Titus“) wurde 1791 zur Krönung von Kaiser Leopold II. zum böhmischen König in Prag uraufgeführt.

Inhalt: Auf den römischen Kaiser Titus wird ein Attentat geplant – nicht von politischen Widersachern, sondern von einer verschmähten Frau. Titus begnadigt den Attentäter Sesto und seine Auftraggeberin.

Fernsehen: Am Sonnabend, 19. August, sendet 3Sat die Salzburger Inszenierung um 20.15 Uhr

Stefan Arndt

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