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Teuflischer Pakt in teuflischer Zeit

Lübeck Teuflischer Pakt in teuflischer Zeit

Renate Berger beleuchtet das ebenso komplexe wie fatale Verhältnis von Klaus Mann und Gustaf Gründgens.

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Noch Freunde: Gustaf Gründgens (v. l.), Erika Mann, Pamela Wedekind und Klaus Mann 1925 in ihrem Stück „Anja und Esther“.

Quelle: Ullstein

Lübeck. Lübeck. Im April 1936 zuckt Klaus Mann zusammen. Gustaf Gründgens, dem Freund aus früheren Tagen, droht unter den Nazis Schlimmes: Verhaftung, Konzentrationslager gar. Und das ausgerechnet jetzt, wo sein Roman über ihn bald erscheinen soll. Der „Mephisto“, das, was er ein „hässliches“, ein „richtig gemeines Buch“ nennt. Aber er fürchtet nicht um den Menschen, er fürchtet um die Vermarktung.

 

LN-Bild

„Tanz auf dem Vulkan – Gustaf Gründgens und Klaus Mann“ von Renate Berger,

L. Schneider, 320 Seiten, 24,95 Euro

Das Beziehung von Gründgens zu Klaus Mann ist heikel bis unglaublich, so wie viele Beziehungen des ältesten Sohnes von Thomas Mann. Sie sind Freunde, Kollegen auf der Bühne, Gründgens heiratet wie aus einer Laune heraus Klaus’ Schwester Erika. Dann kommt die Entfremdung und schließlich der „Mephisto“, in dem Mann kaum verhüllt Gründgens’ Karriere unter der schützenden Hand Hermann Görings beschreibt, die Geschichte eines teuflischen Pakts in teuflischer Zeit.

Renate Berger hat diese gefährliche Liebschaft aufgefächert. Sie gibt Einblick in die Welt und das Denken der „amazing family“, die zuletzt Tilmann Lahme in „Die Manns“ sehr hell ausgeleuchtet hat.

Es ist eine Mischung aus Dünkel, Egozentrik und großem Talent, mit der Klaus Mann auf die Welt und gerade auch auf Gründgens schaut. Und er schaut herab. Hier der Sohn aus dem Haus des Goethe-Nachfolgers, dort der Sohn einer im Abstieg befindlichen Kaufmannsfamilie – Klaus Mann achtet auf Unterschiede.

Und Gründgens? Der Staatsschauspieler und gefeierte Regisseur, der zwischen Kniefall und heimlichem Widerstehen ein zerrissenes Leben führt? Es spreche viel dafür, dass er den 1936 in kleiner Auflage erschienenen Roman sofort gelesen und die Brisanz erkannt hat, schreibt Renate Berger. Er sei „tief getroffen“ gewesen und habe versucht, Neuauflagen zu hintertreiben. In der DDR kam der „Mephisto“

in den 50er Jahren neu heraus. Im Westen erwirkte Gründgens’ Sohn ein Verbot, konnte Neudrucke aber nicht verhindern, auch wenn das Bundesverfassungsgericht das Erscheinen 1971 untersagte.

Ein Jahr nach Kriegsende steht Gründgens auf der Bühne des Deutschen Theaters in Berlin, Klaus Mann sitzt in der ersten Reihe. Er habe ihn erkannt, sich auf ihn zubewegt und gleich wieder weggeschaut, schreibt er. Gründgens’ Lächeln über den Beifall des Publikums aber sei gebrochen gewesen „wie aus Angst vor einem plötzlichen Schmerz“. Es war eine späte Begegnung zweier Hochbegabungen, denen das Leben, die Kunst und vieles dazwischen alles abverlangt hatten. Und es wurde nicht mehr gut. int

LN

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