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Kultur im Norden Theater im Stall zeigt „Draußen vor der Tür“
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Theater im Stall zeigt „Draußen vor der Tür“
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22:13 03.11.2018
"Draußen vor der Tür" im Theater im Stall – eindrucksvoll inszeniert. Quelle: hfr
Neu-Horst

Die Bühne ist dunkel und leer, eine XXL-Tür steht in der Mitte. Die Tür als Übergang vom Leben zum Tod, von Wärme und Geborgenheit zu Kälte und Einsamkeit. Draußen vor der Tür steht der Soldat Beckmann. Nach drei Jahren Haft in Sibirien kommt er mit kaputtem Bein zurück nach Hause, doch dort ist bereits ein anderer Mann eingezogen.

„Draußen vor der Tür“, 1946 von Wolfgang Borchert geschrieben, gehört zu den Theaterklassikern und wird jetzt im Theater im Stall aufgeführt. Das kleine private Theater im wenige Häuser zählenden Ort Neu-Horst im Herzogtum-Lauenburg besteht inzwischen seit 20 Jahren. Der frühere Druckereibesitzer Gösta Harbs hat es im ehemaligen Kälberstall der Gutsanlage gebaut und betreibt es mit seiner Frau, der Schauspielerin Angelika Bertram. Etwa 30 Amateurschauspieler der Cumpaney bringen jährlich mehrere Stücke auf die Bühne, und um sie zu sehen, ist den Besuchern der Weg ins abgelegene Theater nicht zu weit. Sobald das neue Stück im Internet angekündigt ist, sind die Karten flugs weg.

Zweimal Jubiläum

So auch beim aktuellen Stück. Regisseur Jörn Bansemer hat das Anti-Kriegsdrama minimalistisch inszeniert und dadurch die Wirkung noch verstärkt. Beckmann, ein körperlich wie psychisch desolates Kriegsopfer, findet kein Gehör, kein Zuhause, keine Arbeit - die alten Geschichten von Krieg und Gefangenschaft will keiner mehr hören. Jürgen Choinovski spielt ihn überzeugend zwischen tiefer Verzweiflung, Anklage und Galgenhumor. Elf Schauspieler übernehmen im Chor mehrere Rollen, einzelne Personen treten als Oberst, Beerdigungsunternehmer oder Gott daraus hervor. Eine starke Ensembleleistung. Doch Jürgen Choinovski als Beckmann trägt bravourös das Stück, das angesichts traumatisierter Soldaten und Geflüchteter, deren Geschichten heute auch kaum jemand hören will, an Aktualität nichts verloren hat.

Während das Theater im Stall 20. Geburtstag feiert, kann das Ensemble auf sein 40. Jubiläum anstoßen. Die „Cumpaney“ wurde 1978 von theaterbegeisterten Amateurschauspielern in Ratzeburg gegründet. Und es ist immer wieder faszinierend, welch anspruchsvolle Stücke das Laien-Ensemble souverän und überzeugend auf die Bühne bringt. Neben der Schauspielkunst schätzt das Stammpublikum auch die familiäre Atmosphäre.

Für die kommenden Stücke gibt es übrigens noch Karten. „Direkt Konfekt“ heißt ein Theaterstück nach dem tschechischen Märchen „Pit Pikus und die Möwe Leila“ von Friedrich Wolf , hier spielen Kinder für Kinder. Ein vorweihnachtliches Programm mit Texten, Gedichten und Liedern hat am 30. November Premiere.

„Kinderprogramm „Direkt Konfekt“ 10., 11., 17., 18. und 24. November um 16 Uhr. Karten: www.theater-im-stall.de oder Telefon: 04542 - 82 13 66.

Petra Haase

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