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Theaternacht: Große Gala, Glück und Gassenhauer

Lübeck Theaternacht: Große Gala, Glück und Gassenhauer

Die Theaternacht begann gestern schon nachmittags. Mit Einblicken ins Weihnachtsmärchen und Zauberkünsten.

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Das Weihnachtsmärchen „Die Schneekönigin“ in Rohfassung: Peter Grünig, Katrin Aebischer und Robin Weigel (r.) auf der Probebühne.

Quelle: Foto: Roeßler

Lübeck. Als Operndirektorin Katharina Kost-Tolmein und Publikumsliebling Steffen Kubach die Gala des Theaters Lübeck eröffnen, ist die Theaternacht schon seit drei Stunden im Gange. Mit Kinderprogramm und Kammermusik, Sing- und Puppenspielen in der gesamten Lübecker Altstadt. Im Großen Haus wird nun ein Querschnitt des Musiktheaterprogramms dieser Saison gegeben. Die Gala soll vor allem dazu dienen, neue Ensemblemitgliedern vorzustellen: den Bass Taras Konoshchenko, die Sopranistin Evmorfia Metaxaki, den Tenor Daniel Jenz. Konoshchenko begeistert das Publikum mit der berühmten Arie „Fünftausend Taler“ aus Albert Lortzings Oper „Der Wildschütz“. Evmorfia Metaxaki aber kann nicht singen, sie ist stark erkältet (siehe auch Seite 19).

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Ein alter Bekannter aus dem Theater Lübeck. Schauspieler Jan Becker bot „15 Minuten Glück“ in der Kulturrösterei.

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Zuvor schon wurde auf der Probebühne des Theaters ein erster Einblick in das Weihnachtsmärchen gewährt. „Die Schneekönigin“ von Hans Christian Andersen ist ein trauriges, aber wunderschönes Märchen. Was in der Theaternacht zu erleben ist, scheint sich jedoch eher an Erwachsene zu richten. Die Schauspieler Katrin Aebischer, Peter Grünig und Julius Robin Weigel liefern Sprachwitz und Slapstick, für Kinder viel zu schnell und kompliziert. Das wird sich bis zur Premiere am 29. November noch grundlegend ändern, auch sollten dann die Knöpfe an Katrin Aebischers Kleid besser befestigt sein.

Spaß pur dagegen im kleinen Zaubertheater in der Mengstraße. Meisterzauberer Roland Henning überrascht sein Publikum nicht nur mit verblüffenden Tricks, sondern auch mit skurrilen Sprüchen. In der intimen Atmosphäre des nur 20 Zuschauer Platz bietenden Theaters glaubt man, dem Zauberer genau auf die Finger schauen zu können — von wegen! Dollarmünzen verwandeln sich in Kugelschreiber, ein Seil erhält neue Enden und Verknotungen: Eine zauberhafte Show.

Vorhang auf in der Kulturrösterei für Jan Beckers „Halleluja — 15 Minuten Glück“. Was den Menschen glücklich macht, dieser Frage geht Becker nach, von 2005 bis 2007 Ensemblemitglied am Theater Lübeck. „Wenn Sie mich zum Lachen bringen“, lautete eine Antwort aus dem Publikum. Becker ist sicher, dass „ein Abend zum Thema Glück für die Lübecker nicht ausreicht“. Er kalauert über Politik und seine Kindheit, gemäß der Ankündigung: Was auch passiert, es darf fremdgeschämt werden. Erst als der Schauspieler zum Klavier geht und zu singen beginnt, ist alles gut. Mit tönender Stimme, wortgewaltig und pointiert singt er über das Leben. Nach einer Viertelstunde ist Schluss und jeder muss sein Glück wieder alleine suchen.

Weiter ins Theater Combinale. Die „Grölgruppe“ ist ein regelmäßiges Event in der Hüxstraße. Nachdem die Mitsing-Show vor zwei Jahren in der Theaternacht so gut ankam, entschloss man sich, sie monatlich stattfinden zu lassen — jedes Mal ein Gaudi mit Ausverkaufgarantie. Gestern durfte sie also nicht fehlen. Weit vor Beginn drängeln sich die sangesfreudigen Damen (in der Überzahl) und Herren im Foyer, voller Vorfreude „endlich mal singen zu können, ohne dass mein Mann meckert“, wie eine Dame ihrer ebenfalls Freundin verrät.

Am Anfang ein paar Lockerungsübungen: die Zunge rausstrecken, die Lippen locker hängen lassen, brummen, merkwürdige Geräusche von sich geben und ein paar Töne summen. Schon sind auch die letzten Hemmungen abgefallen. Gesang mit den Top 14 der Grölgruppen-Treffen: Gassenhauer von „1000 mal berührt“ über „Let it be“ bis zu „Auf der Reeperbahn“. Die Texte werden an eine Leinwand geworfen, aber hier kann eh fast jeder alles auswendig.

Das Publikum darf sich was wünschen und mit „Aber bitte mit Sahne“ startet der Grölabend. Die Theaterleute Knut Peters und Sigrid Detloff animieren dazu, sich nicht um falsche Töne zu kümmern. Die Teilnehmer versuchen also vor allem, schön laut zu trällern. Es folgt „Schuld war nur der Bossanova“, und nach jedem Lied klatscht man sich selbst Beifall, man ist schließlich im Theater. „Hat doch was Therapeutisches“, findet Vorsinger Knut Peters. Höhepunkt und Abschluss der Schnupper-Grölgruppe: der Dschinghis- Khan-Heuler „Moskau“, im Stehen und mit Tanzeinlage. Nun fallen alle Skrupel ab, der Theaterraum erzittert. Beim Rausgehen ist der meistgehörte Satz: „Schade, dass es schon vorbei ist.“ Im nächsten Jahr ist man wieder dabei. Und beim nächsten monatlichen Treffen, sofern es noch Karten gibt.

Ein zauberhaftes Stelldichein bietet dann die Gruppe „Funny Bones“ mit Impressario Christian Brandes im Werkhof . Der Einblick in ihr künftiges Programm „Magic Monday“ offenbart witzige Kartentricks, und auch Ballons werden verspeist. Mit Tänzerin Pinu‘u, die sich zu sanfter Musik kunstvoll verbiegt, wird die Varietéshow sogar richtig exotisch.

24 Lübecker Bühnen
Zum 7. Mal luden Lübecker Bühnen zu Beginn der Spielzeit Besucher ein, Kostproben aus aktuellen und für die Theaternacht konzipierte Produktionen zu erleben. Mit dabei waren gestern:

Theater Lübeck, Taschenoper Lübeck, Theater Combinale, Theaterschiff, Volkstheater Geisler, Niederdeutsche Bühne, Theater Partout, Kobald-Figurentheater, Theater Brausepulver, Theater Fabelhaft, Lübecker Sommeroperette, Theater am Tremser Teich, Figurentheater Lübeck, Theater Zaunkönig, Theater 23, Theater stiller Wahnsinn, Theater Brausepulver, Figurentheater „Der Hendrik“, Ostsee Entertainment, Schauspielschule im Theaterhaus, Zaubertheater, Funnybones, KGB — Kunst gegen Bares, TanzortNord, Musiktheater picobello

Fel, MG, NK

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