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Theweleit und das Lachen der Täter

Lübeck Theweleit und das Lachen der Täter

Anders Breivik hat gelacht, als er über die Insel Utøya lief und einen Massenmord an norwegischen Jugendlichen beging. Es war das Lachen eines Täters. Und mag es auch anders geklungen haben als das Lachen der Schlächter im Kongo, in Ruanda oder des Islamischen Staates, so ist es für Klaus Theweleit (74) doch im Kern immer das gleiche.

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Lesung und Debatte am Donnerstag im Theater Lübeck: Klaus Theweleit (74).

Quelle: SWR

Lübeck. Er spricht von einem „Durchbruchslachen“, einem Lachen aus Freude. Am Donnerstag redet der Germanist und Schriftsteller darüber im Theater Lübeck (19 Uhr, Junges Studio).

Er greift dabei auf Überlegungen aus seiner fast vier Jahrzehnte alten Dissertation über „Freikorpsliteratur: Vom deutschen Nachkrieg 1918 — 1923“ zurück. Rudolf Augstein hat sie seinerzeit in einer langen Besprechung im „Spiegel“ als eine „Mehr-als-Doktorarbeit“ gelobt. Heute gehört sie unter dem Titel „Männerphantasien“ längst zum sozialwissenschaftlichen Literaturkanon der Bundesrepublik.

Im „Lachen der Täter“ (so sein aktuelles Buch) findet sich ein „Gefühl der körperlichen Ganzheit“, sagt Theweleit. Warum die vorher gestört war und die Täter aus ihnen unerträglichen Körperwelten kämen, da hätten sie eigene Geschichten. Und die behängten sie auch mit jeweils anderen Mänteln, der Religion etwa oder der Ideologie. Das Gefühl der Erlösung aber scheine ihm ein „universelles“ zu sein.

Im fremdenfeindlichen Grölen der Täter wie jetzt in Sachsen ließen sich „Vorformen“ des mörderischen Lachens erkennen. Dabei wüssten große oder alle Teile von Pegida, dass sie „Unsinn“ erzählten. Das sei ähnlich wie bei den Kreationisten in den USA, denen zufolge Gott die Welt vor ein paar tausend Jahren geschaffen hat. Aber indem sie sich auf diesen „Quatsch“ verständigten, erschlössen sie sich einen großen Freiraum. Darin könne man alles behaupten und müsse nichts beweisen. So formiere sich eine gesellschaftliche Macht, die aber nur solange eine sei, wie man sie nicht isoliere. Das allerdings sei eine „Alltagsaufgabe von jedem und allen in allen Verhältnissen, in denen man sich bewegt“.  int

Der Theweleit-Abend (Eintritt: drei Euro, ermäßigt ein Euro) ist die zweite Ausgabe der Reihe „Spoken Pieces“. Die dritte findet laut Anja Sackarendt, Chefdramaturgin am Theater, am 5. März mit dem Musiker und Autor Peter Licht statt. Die vierte ist am 13. April.

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