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Thomas-Mann-Preis für eine politisch engagierte Autorin

Lübeck Thomas-Mann-Preis für eine politisch engagierte Autorin

Jenny Erpenbeck, Verfasserin des viel diskutierten Romans „Gehen, ging, gegangen“, wird am 17. September in Lübeck ausgezeichnet.

Lübeck. Als es Jenny Erpenbeck im vergangenen Jahr mit ihrem Roman „Gehen, ging, gegangen“ auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis geschafft hatte, ging man allgemein davon aus, dass die Berlinerin die renommierten Auszeichnung auch bekommen werde. Hat sie nicht, Frank Witzel bekam ihn für seinen RAF-Roman.

Nun aber wird Erpenbeck (49) entschädigt. Sie bekommt in diesem Jahr den Thomas-Mann-Preis. Er ist mit 25000 Euro dotiert — so viel erhält auch der Autor des Siegertitels beim Deutschen Buchpreis —, der ein Unikum darstellt: Vergeben wird die Auszeichnung gemeinsam von Thomas Manns Geburtsstadt Lübeck und von der Bayerischen Akademie der Schönen Künste aus München, wo der Schriftsteller von 1894 bis zur Vertreibung aus Deutschland 1933 lebte. Seit 2010 wird der Thomas- Mann-Preis im Wechsel in Lübeck und in München verliehen.

Erpenbecks jüngster Roman handelt von afrikanischen Flüchtlingen in Berlin. „Dabei ist ,Gehen, ging, gegangen‘ kein Aufruf zur Weltverbesserung, sondern reflektierte Unterhaltung“, schrieb die „FAZ“.

Erzählt wird von Richard, einem kürzlich pensionierten Professor für alte Sprachen, der mit seiner Zeit nicht mehr viel anfangen kann — bis er beim Einkaufen an einer Demonstration auf dem Berliner Oranienplatz vorbeikommt, mit der afrikanische Flüchtlinge, die sich weigern, ihre Identität preiszugeben, bei ihrem Hungerstreik unterstützt werden sollen.

Richards Interesse erwacht. Er möchte erforschen, was die Migranten denken, zugleich aber auch, was ihn selbst beschäftigt, was Zeit für sie bedeutet, die er als Pensionär im Überfluss hat.

Jenny Erpenbeck hat nach einer Buchbinderlehre Theaterwissenschaft und Musiktheater-Regie studiert, danach arbeitete sie als Regisseurin in Österreich und Deutschland.

Gleichzeitig verfasste sie Theaterstücke und Erzählungen. 1999 erschien ihr Romandebüt „Geschichte vom alten Kind“, das von der Literaturkritik gefeiert wurde. Weitere Romane, Erzählungen, Essays und Dramen folgten, die dezidiert aktuelle politische Geschichte als Hintergrund hatten.

Die Verleihung des Thomas- Mann-Preises durch Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe und den Präsidenten der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, Michael Krüger, findet am 17. September in den Kammerspielen des Theaters Lübeck statt. Die Laudatio hält der Berliner Film- und Literaturkritiker Knut Elstermann.

Am Abend vor der Preisverleihung wird es eine Lesung mit der Preisträgerin im Bürgerschaftssaal des Rathauses geben.

Von mib

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