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Kultur im Norden Tiere, Tango, Tragödien und viel Blut
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20:31 29.10.2013

Wenn heute Abend um 19 Uhr die 55. Nordischen Filmtage vor geladenem Publikum eröffnet werden, ist das Festival eigentlich schon in vollem Gang. Der erste Film, ab 10.45 Uhr zu sehen, heißt „Mutter, ich hab dich lieb“, eine Produktion aus Lettland von Janis Nords für Kinder ab zehn Jahre. Abends dann steht der eigentliche Eröffnungsfilm „Von Pferden und Menschen“ auf dem Programm.

In diesem Jahr werden mehr als 160 Filme gezeigt — Spielfilme, Dokumentationen, Kurzfilme.   Das Festival aber lebt längst nicht mehr vom Film allein. Es bietet Vorträge, Konzerte und eine Filmparty für alle. Dafür geht es raus aus den Festivalkinos — in diesem Jahr neben dem Filmpalast Stadthalle und dem Kolosseum auch das Kommunale Kino —, hinein in die Stadt. In der Musikhochschule gibt morgen der von den Filmtagen ins Leben gerufene Beschwerdechor sein Debüt. Ab 20 Uhr wird er sich von der Seele singen, was den Mitgliedern an Lübeck und an der Welt stinkt.

Ebenfalls morgen gibt es im Kolosseum einen Tango-Abend. Ab 17 beziehungsweise 19 Uhr werden die Filme „Mittsommernachtstango“ und „Finnisches Blut, schwedisches Herz“ gezeigt, anschließend spielen im Foyer des Kolosseums Darya und Manskensorkestern finnischen Tango. Am Freitag wird das Konzertprogramm fortgesetzt mit dem Cellisten Wassily Gerassimez, der Teilnehmer des Musikwettbewerbs „Tonali“ war.

Anlass ist der Film „Ciao Cello“ über den Wettbewerb, der ab 16.30 Uhr im Kolosseum gezeigt wird. Die Filmparty findet am Freitag zu später Stunde in der Hanseaten-Diele in der Königstraße statt. Sie beginnt um 22 Uhr, Studio Braun-Mitglied Rocko Schamoni, im vergangenen Jahr in Lars Jessens Film „Fraktus“ bei den Filmtagen vertreten und auch leibhaftig anwesend, hat dieses Mal eine völlig neue Aufgabe übernommen. Er wird bei der Festival-Party Musik auflegen, „eher obskure Tanzmusik“, wie er den LN sagte.

Man kann das Festival selbstverständlich auch allein wegen der Filme besuchen. Viele von ihnen wollen gar nicht den Massengeschmack treffen oder mit neuen technischen Raffinessen auftrumpfen. In Filmen aus den skandinavischen und den baltischen Ländern wird gemeinhin anders geliebt, gehasst und getötet, werden Geschichten anders erzählt als im Mainstream-Kino.

Im Wettbewerb um die Spielfilm-Preise stehen in diesem Jahr 16 Produktionen. Ein ernster Jahrgang, reine Komödien sind kaum darunter, es gibt viel Seelenleid, soziale Not, Kälte und Blut. Viel Bewegendes ist dabei. „Ich werde dir alles erzählen“, ein Film von Regisseur Simo Halinen, beschreibt, wie schwer es ist für eine Frau, die als Mann zur Welt gekommen ist, sich in ihrem neuen Leben zurechtzufinden. In „Ich bin Dein“ begibt sich eine Frau mit pakistanischen Wurzeln und westlichem Lebensstil auf die Suche nach Liebesglück.

Der Eröffnungsfilm „Von Pferden und Menschen“, laut Filmtage-Information eine Geschichte, „die das innige Verhältnis von Mensch und Pferd auf Island mal heiter, mal komisch“ variiert, kann selbst für Filmtage-Maßstäbe als Besonderheit gelten. Regisseur Benedikt Erlingsson macht hier menschliche Begierden zum Thema seiner kleinen Tragödien. Es wird viel gestorben, viel weite, karge Landschaft wird gezeigt. Nicht alles, was sich hier abspielt, ist schön anzusehen. Der Regisseur kommte heute zur Eröffnung nach Lübeck und bringt die Darsteller Ingvar E. Sigurðsson, Charlotte Bøving, den Kameramann Bergsteinn Björgúlfsson, und auch seine Produzenten Fridrik Thor Fridrikssson und Christoph Thoke mit.

Liliane Jolitz

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