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Kultur im Norden In Bendzkos guter Stube
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17:00 24.11.2018
„Für ein Wohnzimmer ist die MuK sehr groß“: Tim Bendzko Quelle: Agentur 54°
Lübeck

Wer kennt das nicht: Die jungen Leute von nebenan feiern eine Party, die Musik wird immer lauter, irgendwann wird mitgesungen, der Alkohol fließt in Strömen und kurz vor Schluss ruft jemand die Polizei. So ähnlich sind die Wohnzimmerkonzerte von Tim Bendzko. Nur ohne Alkohol. Und ohne Polizei.

Der sympathische Sänger machte gerade Station in Lübeck. Im fast ausverkauften Konzertsaal der Musik- und Kongresshalle begeisterte er am Freitag knapp 1500 Fans und bot mit seiner überragenden Band ein musikalisches Feuerwerk mit Höhen und Tiefen.

Die Idee der Wohnzimmerkonzerte ist dabei nicht neu. Schon vor vier Jahren tourte Bendzko mit dieser abgespeckten Konzert-Version durch die Lande. Wobei abgespeckt in diesem Fall nicht die Musik, sondern das Drumherum meint. Füllt der blonde Berliner mit der warmen Stimme sonst große Arenen, will Bendzko mit der Wohnzimmer-Tour einen Gang runter schalten, seinen Fans näherkommen und ihnen so das Gefühl geben, bei ihnen in der heimischen guten Stube zu spielen.

In der MuK verwandelt er mal eben den Konzertsaal in das größte Wohnzimmer der Hansestadt. Schwarze Stellwände, auf denen das typische Mobiliar angedeutet ist, zwei Stehlampen und ein Hocker bilden die Bühnendeko. Ganz in schwarz sind auch die Musiker gekleidet, die, von Trockeneisnebelschwaden umhüllt, ihre Instrumente ergreifen und loslegen, während anfangs nur Bendzkos Stimme durch den Raum wandert. Es dauert bis zur Hälfte des ersten Songs, bis der smarte 33-Jährige endlich seinen Platz hinter dem Mikrofon einnimmt.

Sind die ersten Lieder noch recht verhalten, taut Bendzko irgendwann nach „Hinter dem Meer“ und „Unter die Haut“ langsam auf. Sein Publikum ist da schon angefixt, singt textsicher mit und wippt artig auf den Sitzen. Aber auch Studentenparties fangen ja oft harmlos an.

„Für ein Wohnzimmer ist die MuK sehr groß“, meint Bendzko zur Begrüßung. Doch hier sei er wesentlich dichter dran als in den großen Hallen, die er sonst fülle. So nahe, dass er sich gleich eine Gesangspartnerin unter den willigen Lübeckerinnen aussucht. Dass sich die junge Dame letztlich als Bandmitglied herausstellt, das vorsorglich dort platziert wurde und ab der zweiten Hälfte ganz selbstverständlich mit auf der Bühne steht – geschenkt.

Gut gelaunt plaudert Bendzko über seinen Werdegang. Schon mit elf Jahren wollte er Sänger werden und trällerte zur elterlichen CD-Sammlung. Ein Potpourri seiner musikalischen Früherziehung präsentiert er in einem Medley, in dem er Take That mit Songs von Max Herre, Xavier Naidoo, Roger Cicero bis hin zu Jan Delay verknüpft.

Drei Alben hat Bendzko seit seinem Durchbruch 2011 veröffentlicht, das nächste kommt im nächsten Jahr heraus. Material genug, um beim eigens angefertigten Balladen-Glücksrad eine gute Auswahl zu haben. Nach dem Ausflug in den Balladen-Himmel legt sich auf und vor der Bühne ein Schalter um, und bei „Keine Maschine“ kommt endlich das Partytier in Bendzko zum Vorschein und die Feier in Schwung. Zu zuckenden Lichtern und hämmernden Klängen legen die sieben Musiker auf der Bühne richtig los. Spätestens ab diesem Zeitpunkt hält es die Fans nicht mehr auf den Sitzen. Zweieinhalb Stunden lang entführt Tim Bendzko sein Publikum, danach ist die Party vorbei. Ganz zivilisiert. So klappt das auch mit den Nachbarn.

Majka Gerke

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