Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Todeslied – ein neuer Gerritsen

Todeslied – ein neuer Gerritsen

München. Als Julia Ansdell die ersten Töne des Walzers auf ihrer Geige spielt, ist sie von dessen Schönheit bezaubert.

München. Als Julia Ansdell die ersten Töne des Walzers auf ihrer Geige spielt, ist sie von dessen Schönheit bezaubert. Auf der Suche nach einem Mitbringsel von ihrer Italienreise hatte die Musikerin in einem Antiquitätenladen das alte handgeschriebene Notenbüchlein entdeckt, aus dem ein Blatt mit dem Walzer gefallen war. Zurück in Boston aber geschehen plötzlich unerklärliche Dinge. Und sie haben mit der Musik zu tun.

 

LN-Bild

„Totenlied“ heißt denn auch der neue Roman der US-Bestsellerautorin Tess Gerritsen (63), der gewohnte Bahnen verlässt und Verbrechen ans Tageslicht bringt, die lange zurückliegen und bis in die Gegenwart neue hervorbringen.

Julia bemerkt verstört, dass der Walzer offenbar jedes Mal ihre dreijährige Tochter beeinflusst, wenn sie ihn spielt. Und zwar auf sehr böse Art und Weise. Außerdem gewinnt das Musikstück zunehmend an Rasanz, die für die Geigerin kaum mehr zu beherrschen ist. Für sie steht fest: Von dem Walzer geht etwas Gefährliches aus.

Doch niemand will ihr glauben. Dass sich vor allem ihre kleine Tochter unter dem Einfluss der Musik so zu verändern scheint, wird für Julia zum Albtraum. Und auch, dass eine immer größer werdende Distanz zu dem Mädchen entsteht, das noch bis vor kurzem ihr Ein und Alles war.

Weil es ihr nicht gelingt, das Notenblatt mit dem Titel „Incendio“ (Feuer) eines unbekannten Komponisten zu vernichten, will die Geigerin seinen Ursprung ergründen. Sie kehrt deshalb nach Italien zurück, wo ihre Suche sie schließlich nach Venedig führt – genau in jene Stadt, in der sie vier Jahre zuvor ihrem Mann sagte, dass sie schwanger ist. Hier überschlagen sich die Ereignisse, Julia wird in einen lebensbedrohlichen Strudel gezogen. Und wie es aussieht, droht den wenigen, die ihr helfen wollen, das gleiche Schicksal.

Es ist ein fesselnder und zugleich mahnender Roman, den die Amerikanerin mit viel Feingefühl geschrieben hat. Die Idee zu dem Buch bescherte der mit ihrer Familie in Neuengland lebenden Schriftstellerin übrigens ein Alptraum, als sie ihren 60. Geburtstag in Venedig verbrachte.

Beim Schreiben kam ihr dann das Wissen als früher praktizierende Ärztin zugute. Ebenso wie ihre musikalische Ausbildung, denn Tess Gerritsen spielt selbst Violine und hat den Walzer, der dem Buch zugrunde liegt, selbst komponiert. Inzwischen haben sich die Bücher der vielseitigen Autorin weltweit über 40 Millionen Mal verkauft. Frauke Kaberka

„Totenlied“ von Tess Gerritsen, Limes Verlag München, 320 Seiten, 14,99 Euro

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden