Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden „Toni Erdmann“ unterwegs zum Oscar
Nachrichten Kultur Kultur im Norden „Toni Erdmann“ unterwegs zum Oscar
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:23 25.08.2016
„Mutige wie stilsichere filmische Seelenschau“: Sandra Hüller und Peter Simonischek im Film „Toni Erdmann“. Quelle: Komplizen Film/dpa

Filme über die NS-Zeit gehen im Oscar-Rennen immer. Ist ausnahmsweise mal keiner zur Hand, tut’s auch die DDR – siehe das Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“, das es 2007 als vorerst letzter Beitrag zu Oscar-Ruhm brachte. Nun war wieder eine geballte Ladung NS-Historie unter den acht Titeln auf der deutschen Auswahlliste von German Films zu finden, etwa „Der Staat gegen Fritz Bauer“, „Das Tagebuch der Anne Frank“ oder die Exilantenstory „Vor der Morgenröte“.

Und die Nominierung von deutscher Seite geht an . . . „Toni Erdmann“, diese kluge, komische, traurige, kurz: grandiose Vater-Tochter-Geschichte.

Die Auswahljury hat gestern Maren Ades Überraschungshit der Saison ganz nach oben gesetzt. Selbstverständlich war das keineswegs. Das Gremium soll ja nicht entscheiden, welches der beste Film ist, sondern welcher am meisten Pluspunkte bei der Oscar-Academy sammeln könnte. Es handele sich um „eine ebenso mutige wie stilsichere filmische Seelenschau am Puls der Zeit“, urteilte nun die Jury.

So konkurriert ein 162 Minuten langes, sehr gegenwärtiges Werk über einen Vater mit Zottelperücke und falschem Gebiss (Peter Simonischek) und dessen karrieristische Tochter (Sandra Hüller) um den Auslands-Oscar. Hollywood gibt am 24. Januar bekannt, welche fünf Beiträge es auf die Shortlist geschafft haben – im Vorjahr gelang das mit „Im Labyrinth des Schweigens“ über die Frankfurter Auschwitz-Prozesse nicht. Das lässt sich als positives Zeichen werten: Vielleicht wollen die Academy-Mitglieder auch endlich wissen, wie es im heutigen Deutschland aussieht.

Stefan Stosch

Eine Erfolgsstory

Maren Ade (39) landete mit „Toni Erdmann“ ihren bislang größten Erfolg als Regisseurin. Beim Filmfestival Cannes wurde der Film im Mai von Kritikern und Zuschauern bejubelt, auch wenn er am Ende keinen Preis gewann.

Schon Ades erster Spielfilm „Der Wald vor lauter Bäumen“, 2003 ihr Abschlusswerk an der Hochschule für Fernsehen und Film in München, gewann international mehrere Preise.

  Sechs Jahre ließ sich Ade Zeit, dann folgte „Alle Anderen“ mit Birgit Minichmayr und Lars Eidinger als Paar in der Krise. Bei der Berlinale gewann die Regisseurin dafür den Großen Preis der Jury.

Zusammen mit ihrer Studienkollegin Janine Jackowski gründete Ade 2000 die Produktionsfirma „Komplizen Film“. Ade wurde in Karlsruhe geboren, sie lebt seit Jahren in Berlin.

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der niederländische Konzeptkünstler Joep van Liefland zeigt in Lübeck seine Installation „Real Resurrection“ (reale Wiederauferstehung).

25.08.2016

Der Kabarettist Hans Scheibner feiert morgen seinen 80. Geburtstag – mit einem großen Auftritt in der Hamburger Laeiszhalle und seinem neuen Buch „In den Himmel will ich nicht“.

25.08.2016

Für seinen fulminanten Monolog in „Unterwerfung“ nach dem umstrittenen Roman von Michel Houellebecq am Hamburger Schauspielhaus ist Edgar Selge zum „Schauspieler des Jahres“ gewählt worden.

25.08.2016
Anzeige