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„Toni Erdmann“ unterwegs zum Oscar

München „Toni Erdmann“ unterwegs zum Oscar

Der Spielfilm von Maren Ade wurde von German Films als deutscher Kandidat benannt.

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„Mutige wie stilsichere filmische Seelenschau“: Sandra Hüller und Peter Simonischek im Film „Toni Erdmann“.

Quelle: Komplizen Film/dpa

München. Filme über die NS-Zeit gehen im Oscar-Rennen immer. Ist ausnahmsweise mal keiner zur Hand, tut’s auch die DDR – siehe das Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“, das es 2007 als vorerst letzter Beitrag zu Oscar-Ruhm brachte. Nun war wieder eine geballte Ladung NS-Historie unter den acht Titeln auf der deutschen Auswahlliste von German Films zu finden, etwa „Der Staat gegen Fritz Bauer“, „Das Tagebuch der Anne Frank“ oder die Exilantenstory „Vor der Morgenröte“.

Und die Nominierung von deutscher Seite geht an . . . „Toni Erdmann“, diese kluge, komische, traurige, kurz: grandiose Vater-Tochter-Geschichte.

Die Auswahljury hat gestern Maren Ades Überraschungshit der Saison ganz nach oben gesetzt. Selbstverständlich war das keineswegs. Das Gremium soll ja nicht entscheiden, welches der beste Film ist, sondern welcher am meisten Pluspunkte bei der Oscar-Academy sammeln könnte. Es handele sich um „eine ebenso mutige wie stilsichere filmische Seelenschau am Puls der Zeit“, urteilte nun die Jury.

So konkurriert ein 162 Minuten langes, sehr gegenwärtiges Werk über einen Vater mit Zottelperücke und falschem Gebiss (Peter Simonischek) und dessen karrieristische Tochter (Sandra Hüller) um den Auslands-Oscar. Hollywood gibt am 24. Januar bekannt, welche fünf Beiträge es auf die Shortlist geschafft haben – im Vorjahr gelang das mit „Im Labyrinth des Schweigens“ über die Frankfurter Auschwitz-Prozesse nicht. Das lässt sich als positives Zeichen werten: Vielleicht wollen die Academy-Mitglieder auch endlich wissen, wie es im heutigen Deutschland aussieht.

Stefan Stosch

Eine Erfolgsstory

Maren Ade (39) landete mit „Toni Erdmann“ ihren bislang größten Erfolg als Regisseurin. Beim Filmfestival Cannes wurde der Film im Mai von Kritikern und Zuschauern bejubelt, auch wenn er am Ende keinen Preis gewann.

Schon Ades erster Spielfilm „Der Wald vor lauter Bäumen“, 2003 ihr Abschlusswerk an der Hochschule für Fernsehen und Film in München, gewann international mehrere Preise.

  Sechs Jahre ließ sich Ade Zeit, dann folgte „Alle Anderen“ mit Birgit Minichmayr und Lars Eidinger als Paar in der Krise. Bei der Berlinale gewann die Regisseurin dafür den Großen Preis der Jury.

Zusammen mit ihrer Studienkollegin Janine Jackowski gründete Ade 2000 die Produktionsfirma „Komplizen Film“. Ade wurde in Karlsruhe geboren, sie lebt seit Jahren in Berlin.

LN

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