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Kultur im Norden Trauer um den Sänger Henner Leyhe
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18:25 24.11.2017
Lübeck

Zu singen begann der 1947 geborene Henner Leyhe in seiner Heimatstadt Lübeck in der Knabenkantorei an St. Marien. Doch zum Gesangs-Profi wurde er erst nach einem Umweg. In Hamburg schloss er zunächst ein Romanistik- und Geschichtsstudium ab, ehe er eine professionelle Gesangsausbildung an der dortigen Musikhochschule begann. Leyhe war Schüler von Jakob Stämpfli und Naan Pöld. Er absolvierte die Opernklasse sowie die Ausbildung für Konzertgesang und studierte zusätzlich in der Liedklasse von Aribert Reimann. 1980 legte er seine künstlerische Reifeprüfung mit Auszeichnung ab und arbeitete weiter in Meisterkursen bei Dietrich Fischer-Dieskau, Ernst Haefliger und Peter Schreier.

Sänger und Pädagoge: Henner Leyhe. Quelle: Foto: Archiv

Am Theater Lübeck wirkte Henner Leyhe von 1980 bis 1986 als lyrischer Tenor, Gastverträge führten ihn öfters auch an die Hamburgische Staatsoper und an die Oper Kiel. Unvergessen sind seine Mozart-Partien, aber auch in manchen Wagner-Partien konnte Leyhe glänzen. In jener Zeit begann Henner Leyhe auch seine Karriere als Konzert- und Oratoriensänger. Seine Interpretationen der großen Liederzyklen von Franz Schubert sind ebenso im Gedächtnis geblieben wie seine großartigen Auftritte als Evangelist in den Passionen von Johann Sebastian Bach. Mit diesen Partien war Henner Leyhe in der ganzen Welt unterwegs und wurde von den USA bis nach Israel von Publikum und Kritik gefeiert. Oft engagiert wurde Leyhe auch für Benjamin Brittens „War Requiem“ sowie für Ludwig van Beethovens 9.

Sinfonie.

Neben seiner Tätigkeit als Sänger war Henner Leyhe auch schon früh als Pädagoge tätig. An der Musikhochschule Lübeck erhielt er 1984 einen ersten Lehrauftrag, von 1986 bis 1993 arbeitete er als Gesangspädagoge an der Universität Kiel. Den Höhepunkt seiner Zweit-Karriere erreichte er 1994, als er als Professor an die Musikhochschule Köln berufen wurde und dort 15 Jahre lang eine Gesangsklasse leitete.

Wunderschön sein letzter Auftritt in Lübeck, wo Henner Leyhe im März dieses Jahres im Saal der Gemeinnützigen unter dem Motto „Fundstücke“ vertonte deutsche Lyrik aus dem 17. und 18. Jahrhundert zu Gehör brachte. Zusammen mit seinem Kölner Professoren-Kollegen Jürgen Glauß am Klavier sowie Jutta Kähler und Jürgen Schwalm als Rezitatoren lotete er die poetischen Stimmungen zwischen Lust und Schmerz, Freude und Trauer stimmlich facettenreich aus.

Unvergesslich ein Konzert im KulturGut im westmecklenburgischen Dönkendorf, wo er Franz Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ mit beispielloser Intensität gestaltete. Hinreißend die ins Expressive gesteigerte Emotionalität, ergreifend die ins Existenzielle getriebene Spannung von Lebenswillen und Todesangst. Am gestrigen Freitag sollte Leyhe in Dönkendorf Schuberts „Winterreise“

singen. Einen Monat vorher musste er krankheitsbedingt absagen.

LN

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