Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Regen

Navigation:
Triumph für „Der Staat gegen Fritz Bauer“

Berlin Triumph für „Der Staat gegen Fritz Bauer“

Ein politisches Drama räumte bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises sechs Auszeichnungen ab.

Voriger Artikel
„Was passiert, wenn Kissinger stirbt? Dann wird Nixon Präsident“
Nächster Artikel
Komödien mit Hamburger Lokalkolorit

Regisseur Lars Kraume (links) und Produzent Thomas Kufus wurden für ihren Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“ ausgezeichnet.

Quelle: Fotos: Dpa

Berlin. Die Prognose sei schon jetzt gewagt: Nächstes Jahr tritt beim Deutschen Filmpreis „Toni Erdmann“ als Favorit an – jene bereits beim Festival in Cannes gefeierte Komödie, von der gestern Abend so mancher im Berliner Palais am Funkturm schwärmte. Dabei stand Ades Ausnahme-Film gar nicht zur Wahl bei der mit insgesamt knapp drei Millionen Euro höchstdotierten deutschen Kulturauszeichnung.

LN-Bild

Ein politisches Drama räumte bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises sechs Auszeichnungen ab.

Zur Bildergalerie

Beim 66. Filmpreis im Berliner Palais am Funkturm machten weniger auffällige Lola-Kandidaten die Sache unter sich aus – das Beste, was das komplizierte deutsche Fördersystem in diesem Jahr zu bieten hat. Der deutsche Film brachte es nach Worten von Kulturstaatsministerin Monika Grütters auf einen respektablen Marktanteil von 27,5 Prozent – weshalb an diesem Abend dem Publikumshit „Fack ju Göhte 2“ mit 7,6 Millionen Zuschauern ein besonderes Lob gewiss war.

Der große Sieger war am Ende Lars Kraumes „Der Staat gegen Fritz Bauer“ mit gleich sechs Lolas, darunter die in der Königsdisziplin um den besten Film. Feinfühlig setzt der Regisseur dem hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, Initiator der Frankfurter Auschwitz-Prozesse und unbeirrbarer Aufklärer der NS-Vergangenheit, ein Denkmal. Dazu gab es fünf weitere Lolas in den Kategorien Regie, Drehbuch, Kostüme, Szenenbild und Nebendarsteller (für Roland Zehrfeld).

Zugleich wirkte das Historiendrama merkwürdig zeitgemäß an einem Abend, in dem zahlreiche Redner vor einem Rechtsruck in Deutschland und ganz Europa warnten. Laudator Milan Peschel ließ sich gar in SA-Uniform auf der Bühne blicken: In diesem Aufzug könne man sich in Mecklenburg-Vorpommern oder der Sächsischen Schweiz doch inzwischen problemlos blicken lassen, unkte Peschel. Kurz darauf stand er in Unterwäsche da. Und Elyas M'Barek bemerkte, dass jeder Wähler bedenken solle, dass „Fack ju Göhte“ ohne Menschen mit ausländischen Wurzeln nicht möglich gewesen wäre. Die Lola in Bronze ging an „Vier Könige“ über vier Teenager in der Jugendpsychiatrie, die Auszeichnung in Silber holte sich das Drama „Herbert“ über einen schwerkranken Boxer, gespielt von Peter Kurth mit vollem Körpereinsatz:

Auch für ihn gab es eine Lola als besten männlichen Hauptdarsteller und besonders viel Applaus.

Laura Tonke brachte das einzigartige Kunststück fertig, sich sowohl in der Kategorie der Hauptdarstellerinnen („Hedi Schneider steckt fest“) als auch in jener der Nebendarstellerinnen („Mängelexemplar“) auszeichnen zu lassen. In beiden Filmen ist sie als Frau mit Panikattacken zu sehen, was sie in ihrer Dankesrede geschickt aufnahm: „Es ist schwierig, jetzt hier nicht zu weinen ...Ich habe alles unter Kontrolle.“

Der bewegendste Augenblick? Produzentin Regina Ziegler („Weissensee“, „Der Mann mit dem Fagott“) mit Tränen in den Augen, die ihrem im Vorjahr verstorbenen Mann Wolf Gremm ihre Ehren-Lola fürs Lebenswerk widmete. Den undotierten Bernd- Eichinger-Preis nahm der Babelsberger Produzent Stefan Arndt entgegen.

Nach knapp dreieinhalbstündiger und damit viel zu langer Preisgala stand fest: Die Deutsche Filmakademie hat bei der alljährlichen (Selbst-)Feier dazugelernt und mit Jan Josef Liefers einen Moderator, der 1800 Gäste bei Laune zu halten vermag – auch mit Unterstützung der steppenden Sunnyi Melles und sangeslustiger Kollegen. Bis spät in die Nacht sollte die Filmpreis-Party im Palais am Funkturm weitergehen: Noch in der Nacht gegen zwei Uhr morgens war Schauspieler Lars Eidinger als DJ gebucht.

Die Gewinner des 66. Deutschen Filmpreises

Bester Spielfilm in Gold (500000 Euro): „Der Staat gegen Fritz Bauer“ von Lars Kraume.

Bester Spielfilm in Silber (425000 Euro): „Herbert“ von Thomas Stuber.

Bester Spielfilm in Bronze

(375 000 Euro): „4 Könige“

von Theresa von Eltz.

Bester Kinderfilm (250 000 Euro): „Heidi“ von Alain Gsponer.

Bester Dokumentarfilm

(200 000 Euro): „Above and

Below“ von Nicolas Steiner.

Beste weibliche Hauptrolle

(10000 Euro): Laura Tonke

(„Hedi Schneider steckt fest“).

Beste männliche Hauptrolle (10000 Euro): Peter Kurth („Herbert“).

Beste weibliche Nebenrolle

(10 000 Euro): Laura Tonke

(„Mängelexemplar“).

Beste männliche Nebenrolle

(10 000 Euro): Ronald Zehrfeld

(„Der Staat gegen Fritz Bauer“).

Beste Regie

(10 000 Euro): Lars Kraume („Der Staat gegen Fritz Bauer“).

Ehrenpreis (undotiert): Filmproduzentin Regina Ziegler.

Claudia Palma und Stefan Stosch

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden