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Triumph in der Elbphilharmonie

Triumph in der Elbphilharmonie

Der junge Pianist Christopher Park, eingesprungen als Ersatzmann, brillierte beim sechsten Konzert des SHMF in der Elbphilharmonie.

Hamburg. Der Anruf von Christoph Eschenbach erreichte Christopher Park unter der Dusche. Es gebe sicherlich nicht viele, die ihr Handy, wasserdicht verpackt in Plastik, dorthin mitnähmen. Park mache das, er höre Musik beim Duschen, verriet SHMF-Intendant Christian Kuhnt am Dienstagabend in der ausverkauften Elbphilharmonie. Und wenn dann Christoph Eschenbach, musikalischer Mentor des jungen Pianisten seit 2012, anrufe, nun, dann gehe Christopher Park natürlich auch ran. „Wenn es jetzt unter der Klavierbank feucht wird, liegt das daran, dass er nicht einmal Zeit zum Abtrocknen hatte“, scherzte Kuhnt.

Der amerikanische Tastenvirtuose Tzimon Barto hatte das „Gershwin & Ravel“-Konzert mit dem Schleswig-Holstein Festival Chor und dem Festival Orchester unter Leitung von Christoph Eschenbach aus persönlichen Gründen kurzfristig abgesagt. Park sprang ein – und wirkte, als hätte er mit dem Orchester alle Zeit der Welt zum Einspielen gehabt.

Mit Maurice Ravels melancholisch-morbidem Kaleidoskop „La Valse“ stiegen die jungen Orchestermusiker noch etwas zögerlich ein – fast als wagten sie angesichts des Ehrfurcht gebietenden Konzerthauses an der Elbe zunächst nicht, den großen Raum auszuschöpfen, den der Saal und Dirigent Eschenbach ihnen boten. Einmal ins Spiel gefunden, bildete das Orchester einen harmonischen Organismus und formte ein Klangbild, das perlte und schäumte wie Champagner.

Zu Gershwins „Concerto in F“ nahm Christopher Park am Flügel Platz und gab der 1925 entstandenen Komposition mit seinem leichthändigen und fast verhalten akzentuierten Spiel einen so eigenen, ausdruckvollen Charakter, dass das Klavier wie selbstverständlich als tonangebende Stimme die Führung des Orchesters übernahm. Um dann wieder zurückzutreten und fast im Hintergrund tänzelnd seine musikalischen Schleifen und Verzierungen um den Orchestersound zu legen. Atemlose Stille nach dem zweiten Satz, tosender Beifall nach dem dritten. Der 30-jährige „Ersatzmann“ gab eine Chopin-Zugabe:

„Das muss ich in so einer Akustik jetzt ausprobieren!“

Christoph Eschenbach hatte jede Sekunde unter Kontrolle und führte Chor und Orchester nach der Pause mit Ravels „Daphnis et Chloé“ zu einer berauschenden Spitzenleistung. Eschenbach präsentierte Ravel – auch in der abschließenden Zugabe, dem „Bolero“ – nicht mit großem Krawumm, sondern lieferte eine hochspannende Interpretation, in der die Musiker als Solisten heraustreten und sich präsentieren konnten. Sie wurden mit donnerndem Applaus belohnt.

Der Solist

Christopher Park, 1987 in Bamberg geboren, machte die ersten Anschläge auf dem Klavier mit sieben Jahren – als erster Musiker seit Generationen in seiner Familie, die koreanischen Wurzeln hat. Seitdem entwickelte der heute 30-jährige Park eine beachtliche Virtuosität. Der unter anderen von Lev Natochenny und Wilhelm Kempff ausgebildete Pianist wurde 2014 mit dem Leonard Bernstein Award ausgezeichnet und ist der Echo-„Rising Star“ für die Saison 2016/2017.

Regine Ley

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