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Kultur im Norden Trommelfeuer im Handballtempel
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18:15 07.07.2017
Fast drei Stunden nahmen Martin Grubinger und sein Ensemble das Publikum mit auf eine Reise durch die Welt des Schlagzeugs. Quelle: Foto: A. Nickolaus

Kiel. Dort, wo sonst das treibende Trommeln und Klatschen der Handballfans den Puls der Halle bestimmt, gab am Donnerstagabend der Star einer anderen Disziplin den Takt vor:

Der Schlagzeuger Martin Grubinger war mit seinem Team, dem Percussive Planet Ensemble, in der Kieler Sparkassenarena angetreten, um dem Publikum des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) einzuheizen, und er war mit großer Mannschaft gekommen. 36 Musiker bespielten die gewaltige Bühne von der Größe eines Orchesters voller unterschiedlichster Schlaginstrumente: dreizehn Perkussionisten, 20 Bläser, dazu Piano, Keyboard, E-Bass und E-Gitarre.

Dass er nicht nur ein Ausnahme-Spieler ist – der derzeit vielleicht weltbeste Schlagzeuger –, sondern auch ein ehrgeiziger Antreiber und geschickter Taktiker, zeigte Martin Grubinger dann in einer fast dreistündigen ebenso sportlichen wie mitreißenden Performance. Grubingers „Percussionshow XXL“ ohne Pause bot musikalischen Leistungssport vom ersten bis zum letzten Ton und forderte nicht nur den Musikern, sondern auch dem Publikum Atem und Ausdauer ab.

Zum Eingrooven und als Bühnen-Premiere wurden die Musiker mit dem Toto-Song „Falling in between“ warm, in dem die Bläser-Sektion anstelle des Gesangs trat. Mit dem folgenden Salsa-Stück „Just Kidding“ von Michel Camilo gab Coach Grubinger seinen Spielern erstmals Raum, sich von der Mannschaft abzuheben und als Solisten zu brillieren – um das Orchester dann wieder in einem satten Sound zusammenzuführen. Und in jeder Sekunde ist der 38-jährige Spielmacher hochkonzentriert bei seinen Musikern, treibt an, macht Druck und geht wie ein Spitzensportler bis an die eigene Leistungsgrenze, wenn er ein Solo am Marimbaphon oder der Snare Drum hinlegt, bei dem die Klöppel und Trommelstöcke zu schwindelerregenden Wirbeln verschmelzen.

Mit einem Crossover von Jazz, Funk, Folk und Klassik führte Grubinger Orchester und Publikum von Höhepunkt zu Höhepunkt – beim bulgarischen Volkslied „Jovano Jovanka“, das sich wie ein Liebesspiel nach zarten leisen Anklängen in einen hitzigen Tanz bis zur Extase steigert. Vom mit Handpan und Sopransaxofon ätherisch- schön arrangierten „Agnus dei“ über ein gewaltiges Schlagwerk- Epos von Iannis Xenakis zum Ohrwurm „Birdland“ von Joe Zawinul, bei dem sich aus dem Zischeln, Klicken, Klacken und Rauschen eines nächtlichen Dschungels Rhythmus und Melodie herauslösen und für den Rest der Nacht im Ohr festsetzen. Berauschend! Regine Ley

LN

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