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Ultimatum für den Intendanten

Rostock Ultimatum für den Intendanten

Der Aufsichtsrat des Volkstheaters Rostock sieht kommende Spielzeit in Gefahr.

Rostock. . Die Krise um das Rostocker Volkstheater spitzt sich zu. Der Aufsichtsrat des Theaters hat Ende vergangener Woche einen Brief an Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) geschrieben, in dem die Lage des Hauses in düsteren Farben beschrieben wird. In der ersten Hälfte der Spielzeit 2016/17 seien keine großen Schauspielpremieren geplant. Zu den bislang vorgesehenen Stücken fehlten die Aufführungsrechte.

 

LN-Bild

Intendant Sewan Latchinian.

Der künftige Stellenplan sei ungeklärt. Die Buchung notwendiger Regieteams sowie von Solisten wird als extrem schwierig, teilweise als unmöglich eingeschätzt. Der Aufsichtsrat sieht wirtschaftliche Risiken. Das seien Versäumnisse des Intendanten Sewan Latchinian, der nach rund vier Wochen Krankschreibung heute in seinem Büro zurückerwartet wird.

Ihm stellte der Aufsichtsrat zwei Ultimaten. Latchinian wird aufgefordert, bis Montag eine Antwort zum Gesellschafterbeschlusses von Ende Januar vorzulegen. Dieser Beschluss besagt, dass das Vier- Sparten-Haus auf zwei Sparten reduziert werden soll. Latchinian soll bis zum 2. Mai eine „detaillierte wirtschaftliche Untersetzung der Planung 2016/17“

vorlegen und bis 15. April informieren, wie es um die Rechte an den Stücken der kommenden Spielzeit bestellt ist.

Der kaufmännischen Geschäftsführers Stefan Rosinski hatte im Januar einen Vorschlag zur künftigen Struktur vorgelegt: Er sieht eine Neuordnung der Sparten mit Schwerpunkt Orchester und Musiktheater und der Verkleinerung des Schauspiels vor.

Das Volkstheater kämpft seit Jahren mit Personalturbulenzen und Finanzlücken, es gibt Dauerstreit mit dem Kultusministerium, die Besucherresonanz ist in diesem Klima zurückgegangen. Verschärft wurde die Krise durch mehrwöchige Krankheiten von Latchinian und Rosinski. Das Land erwartet bis zum 5. September einen Bericht zur Umsetzung des Strukturumbaus. Liege dieser nicht vor, drohe die Kürzung der Landesmittel um eine Million Euro.

Der Präsident der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger, Jörg Löwer, sagte, das Volkstheater Rostock werde in der bundesweiten Theaterlandschaft als der größte Chaosherd angesehen. Es gehe der Politik nicht mehr um Kunst, Theater oder die Stadtgesellschaft. „Es geht nur noch ums Sparen. Was am Ende hinten rauskommt und was der Stadt für ein Nutzen entstehen könnte — das ist völlig egal.“

Von Joachim Mangle

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