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Kultur im Norden Kann denn Lüge Liebe sein?
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17:45 03.12.2018
Zwei Paare – viele Probleme: Sigrid Dettlof, Cornelia Schönwald, Ulli Haussmann und L.-Christian Glockzin (v.l.) glänzen im Beziehungsdrama „Die Lüge“ im Theater Combinale. Quelle: Foto: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Wenn das Publikum während der Vorstellung so hörbar mitgeht, schon in der Pause so angeregt diskutiert und am Ende so enthusiastisch applaudiert wie bei der Premiere von „Die Lüge“ im Theater Combinale, dann haben die Theatermacher so ziemlich alles richtig gemacht. Der starke Beifall galt sowohl den großartigen Leistungen der vier Schauspieler als auch der gelungenen Inszenierung von Gastregisseurin Nina Pichler, die für die raffiniert unterhaltsame Komödie rund um die Frage „Kann denn Lüge Liebe sein“ die perfekte Balance zwischen Konversation und Klamauk gefunden hat.

In der Eingangsszene sehen wir Alice und Paul, gespielt von Sigrid Dettlof und L.-Christian Glockzien, wie sie nervös über die Wohnzimmer-Bühne hasten (Ausstattung: Marcel Weinand). Jeden Augenblick erwarten sie ihre besten Freunde Laurence und Michel (Cornelia Schönwald und Ulli Haussmann) zum Abendessen. Doch Alice hat gute Gründe, dem Treffen mit gemischten Gefühlen entgegen zu sehen – welche genau, erfährt das Publikum erst später, wie noch so einiges mehr, was die Figuren und ihre Beziehungen in ständig neues Licht stellt.

Bis es an der Tür klingelt, scheint die Lage noch relativ klar: Alice hat Michel auf der Straße beim Kuss mit einer fremden Frau beobachtet und muss sich nun entscheiden, ob sie ihrer besten Freundin Laurence davon erzählt. Ihr Mann Paul ist strikt dagegen, wegen einer solchen „Bagatelle“ den Beziehungsfrieden aufs Spiel zu setzen: „Würden sich alle auf der Welt die Wahrheit sagen, gäbe es überhaupt kein einziges Paar mehr.“ Eine Aussage, mit der sich Paul auf gefährliches Glatteis begibt.

Nicht nur L.-Christian Glockzien als Paul dabei zuzusehen, wie er versucht, verbal zurück ans rettende Ufer zu rudern, ist ein großartiger Spaß. Auch wie Sigrid Dettlof als Alice hintergründig verbissen für die vermeintliche Wahrheit streitet, Ulli Haussmann als ertappter Fremdgänger Michel sein Heil in der Flucht nach vorne sucht und Cornelia Schönwald als Laurence jeden Zweifel lange souverän weglächelt, ist mehr als sehenswert. Das Stück scheint den Schauspielern wie auf dem Leib geschrieben, dabei ist der Text diesmal gar kein Combinale-Werk, sondern stammt von Florian Zeller, Jungstar der französischen Theaterszene. Raffiniert gebaut, mit ironisch-witzigen Dialogen und herrlicher Situationskomik inszeniert ist „Die Lüge“ eine echte Perle.

Termine und Karten unter www.combinale.de, Tel. 0451 / 78817 oder direkt im Theater Combinale, Hüxstr. 115 (Mo-Fr 10-14 Uhr).

Sabine Spatzek

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