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Unbedingt ungegenständlich

Lübeck Unbedingt ungegenständlich

„Gefährliches Spiel“ heißt die Ausstellung im K70 – ein Krimi im Kunstraum? Nein. Rainer Bendfeldt und Burkhard Dierks stellen ungegenständliche Bilder und Collagen aus. Der Titel verweist auf den schmalen Grat zwischen Dekoration und Kunst, auf dem sich Kunstwerke oftmals bewegen.

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Sind Verfechter abstrakter Kunst: Rainer Bendfeldt (l.) und Burkhard Dierks vor Bildern ihrer Ausstellung im K70.

Quelle: Foto: Dorothea Kurz-Kohnert

Lübeck. Wer die Collagen von Rainer Bendfeldt betrachtet, wird herausgefordert, muss sich auf das vermeintliche Chaos einlassen: Zeitungsausschnitte, Schnipsel aus Katalogen und Zeitschriften oder Comics vergrößert der Künstler und arrangiert das Gesammelte kaleidoskopartig auf einer Platte. Diese bemalt er zusätzlich mit Ölfarbe. Der 66-Jährige beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit freier Kunst.

Neben aktuellen, in diesem Sommer in Norwegen entstandenen abstrakten Ölbildern, gemalt auf altem Bettzeug aus Baumwolle, zeigt er auch ein „Alterswerk“. Es heißt „1884“. Bendfeldt schmunzelt:

„Damals war ich 33.“ Dieses Bild spielt auf George Orwells’ 1948 erschienene Vision vom totalen Überwachungsstaat an. Er sagt: „Kunst muss politisch sein.“ Diese Ansicht teilt er mit seinem jüngeren Kollegen Burkhard Dierks, 2015 Preisträger der Jahresschau Lübecker Künstler. Beide haben einen hohen Anspruch, von dekorativer Kunst halten sie nichts. Kunst muss ihrer Meinung nach irritieren und verstören. Diese Ansicht provoziert: Denn die Bilder von Burkhard Dierks sind ästhetisch, angenehm anzusehen. Der Künstler wählt pro Bild eine Farbe, die er mit dem Spatel verzieht: So entstehen unregelmäßige Verläufe und Flächen, auf denen der weiße Untergrund partiell sichtbar wird. Wie ein Trio hängen ein hellblaues, ein pinkfarbenes und ein silbergraues nebeneinander – spannend und auch schmückend. Dazu Dierks: „Ist ein Bild zu gefällig, vernichte ich es.“ Nichts sei schlimmer, als wenn jemand ein Gesicht oder etwas Gegenständliches in seinen Bildern entdecke. Auch Rainer Bendfeldt folgt Adolf Loos’ apodiktischem Gebot: Ornament ist ein Verbrechen. Beide sagen: „Wir kämpfen gegen die Dekoration.“ dku

Vernissage heute von 19 Uhr an, Kunstraum K70, Engelsgrube 70, Lübeck, Ausstellung läuft bis zum 20.10, geöffnet Do und Fr 17-19 Uhr, Sa 11-14 Uhr.

LN

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