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Kultur im Norden Unbeschwerte Beats
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19:05 20.09.2017
Macklemore auf neuen Wegen: Mit seinem neuen Album „Gemini“ feiert der Rapper das unbeschwerte Leben. Quelle: Foto: Pitpony.photography / Cc-By-Sa-3.0

Hohe Klavierakkorde, wuchtige Bläser, ein Chor, Trommelwirbel. Als der erste Beat sich auf Macklemores neuem Album „Gemini“ durch den Lautsprecher drückt, setzt der Rapper aus Seattle zu einer wuchtigen lyrischen Begrüßung an. Mit breiter Brust und erhobenen Hauptes eröffnet Macklemore die morgen erscheinende Platte „Gemini“ – seit 2005 die erste ohne Produzent Ryan Lewis.

Seattle. Er macht einen Spaziergang zum Laden an der Ecke, ein bisschen Party im Club, genießt einen verträumten Tag vor dem Fernseher: Macklemore ist auf seinem neuen Album „Gemini“ gemütlich drauf. Im Alleingang ohne Ryan Lewis textet er glasklaren, unbeschwerten Rap.

„Öffnet ihnen die Türen, wir spielen heute Abend“, rappt er im Song „Ain’t Gonna Die Tonight“ und ruft dazu auf, die Lichter im Stadion anzuschalten. Die Mischung aus jazzigen Samples, tiefen Bässen und glasklarem Rap macht vor allem deshalb so viel Spaß, weil es einfach gute Musik ist. Auf seinem letzten Album mit dem bezeichnenden Titel „This Unruly Mess I’ve Made“ („Dieses unbändige Chaos, das ich angerichtet habe“) hatte er mit Ryan Lewis 2016 noch ernste Töne angeschlagen, etwa zur schwarzen Protestbewegung „Black Lives Matter“ oder dem Tod eines Freundes durch eine Überdosis Medikamente.

https://www.youtube.com/watch?v=fUffrvUjwCY

Der „Gemini“-Sound ist deutlich unbeschwerter. „Es ist Musik, mit der ich mich ins Auto setzen und zuhören will. Ich wollte, dass sie Spaß macht“, sagte Macklemore, der bürgerlich Ben Haggerty heißt, dem „Rolling Stone“-Magazin.

Leichtherzig kommt zum Beispiel das mit Klaviergeklimper versetzte „Marmelade“ daher, bei dem man sich den Rapper aus Seattle tatsächlich auf einer entspanten Spazierfahrt durch seine Heimatstadt vorstellen kann. Nüchtern. Und das ist für den 34-Jährigen, den die Geburt seiner Tochter Sloane vor zwei Jahren aus einem langjährigen und exzessiven Drogenrausch geholt hat, keine Selbstverständlichkeit. „Ich will nüchtern sein, aber liebe es, high zu sein“, singt Macklemore. „Ich will ein Buch lesen, aber gucke weiter auf diesen Fernseher.“ Das mögen im Alltag eines jungen Mannes in den USA alles berechtigte Fragen sein, aber es ist eben auch Jammern auf hohem Niveau.

In nachdenklichen Titeln wie „Miracle“ oder „Good Old Days“, erinnert sich Macklemore zusammen mit Sängerin Kesha an die „guten, alten Tage“. Anders als im Zusammenspiel mit Ryan Lewis sei er bei dem neuen Album aber spontaner ans Werk gegangen, ganz nach dem Motto: Der erste Gedanke ist der beste Gedanke.

„Einfach in der Gesangskabine sein und ein Gefühl zu spüren und damit loszulegen“, erklärt Macklemore.

Keine Frage, dass Musiker ihre Plattform hin und wieder auch nutzen sollten, um ernstere Themen des Lebens anzusprechen. Aber bei all den Konflikten und in politisch unsicheren Zeiten tut es auch gut, Rap einfach um des Raps Willen zu hören.

Neun Jahre werkelte Herr Haggerty Seite an Seite mit Ryan Lewis, und offenbar war es jetzt an der Zeit, mal etwas Abstand zu nehmen. „Wir sind beste Freunde. Wir haben jeden einzelnen Tag zusammengearbeitet, Musikvideos, im Studio, dieser ganze Kram“, sagte Macklemore dem „Billboard“-Magazin. Jetzt wollten sie wohl einfach mal ihr eigenes Ding machen.

Wer die Jungs lieber im Doppelpack hört, kann beruhigt sein. „Es ist keine Liebe verloren gegangen“, sagt Macklemore. „Ryan und ich werden auch in Zukunft zusammen Musik machen.“

16 neue Songs des weißen Rappers

Gemini heißt das neue Macklemore-Album mit 16 Songs, die der derzeit wohl bekannteste weiße Rapper nach Eminem diesmal ohne seinen Freund und kongenialen Partner Ryan Lewis produziert hat.

Mit an Bord sind stattdessen Musiker wie Skylar Grey, Lil Yachty und Sängerin Kesha. Erhältlich ist das Album ab morgen als CD und Download unter anderem über Amazon, Apple Music.

Eine Kostprobe aus „Gemini“ ist zu hören unter LN-

online.de/kultur

 Johannes Schmitt-Tegge

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