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Kultur im Norden Und der Cellist trägt ein T-Shirt von Rammstein
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18:13 03.07.2017
Hatten viel Spaß und machten viel Spaß: Studenten der Musikhochschule unter Leitung ihres Dirigenten Bernd Ruf (l.). Quelle: Foto: Olaf Malzahn
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Lübeck

Man kommt da ja nicht raus. Man kann zwar jederzeit auschecken aus dem „Hotel California“, aber man kann es nicht verlassen. Man ist gefangen und hat es selbst so gewollt. Es ist eine kommode Hölle, dieses Amerika, das die Eagles vor mehr als 40 Jahren besungen haben. Und es stand am Anfang und am Ende der jährlichen Revue in der Lübecker Musikhochschule, die am Wochenende gleich dreimal vor ausverkauftem Haus zu sehen war.

Es ging um Rocksongs aus den Sechziger- und Siebzigerjahren dieses Mal, von eher sinfonischen Dichtungen wie Genesis’ „Firth of Fifth“ bis zu „Purple Haze“ von Jimi Hendrix. Eine Rockband stand dafür auf der Bühne, dazu ein Orchester und ein Chor, mehr als 60 junge Männer und Frauen insgesamt, Studenten aus allen Studiengängen der Hochschule. Und vor ihnen stand Bernd Ruf, der dort als Professor lehrt, der dirigierte und bei dem die Fäden des ganzen Projekts zusammenliefen.

„Purple Haze“, das ist ja heute klassische Moderne. Jimi Hendrix hat es vor einem halben Jahrhundert geschrieben, und es hat sich eingefügt in die Biografien von Menschen, die Woodstock und Proteste gegen den Vietnamkrieg nicht nur aus Geschichtsbüchern kennen. Es stammt aus einer Zeit, in der überall etwas aufbrach, aber kaum abzusehen war, zu welcher Macht die Rockmusik werden sollte, wirtschaftlich wie ideell. Und in der man nicht ahnen konnte, dass eines Tages ein ehemaliger US-Präsident wie Barack Obama einen Rapper wie Jay Z würdigen würde, als der wie jüngst geschehen in die Songwriters Hall of Fame aufgenommen wurde.

Das „Stairway to Heaven“ betitelte Programm in der Hochschule unternahm einen Streifzug durch diese Pop-Gründerjahre und ließ zu Wort kommen, was heute zum Rockadel zählt. Die Beatles und The Who waren zwar nicht vertreten, aber dafür die Rolling Stones mit „Sympathy for the Devil“ und „Paint it Black“ gleich zweimal, dazu die Doors und Queen, Joni Mitchell, Led Zeppelin, Metallica.

Erzählt wurde die Revue entlang der Geschichte einer unglücklichen Barmusikerin, die mitten im Stück einer Herzattacke erlag und in einer Art Zwischenjenseits auf einen seltsamen Club toter Rockdichter traf. Jimi Hendrix war da, Jim Morrison von den Doors, Brian Jones von den Stones, Kurt Cobain von Nirvana, Amy Winehouse, alle an diesem rätselhaften Todesvirus erkrankt, der Rockstars im Alter von 27 Jahren dahinrafft.

Auch eine junge Frau gehörte dazu, der Gott einen Mercedes Benz kaufen sollte, sofort und unbedingt, weil ihre Freunde alle Porsche fahren und das ja wohl nicht angehen könne. „Die sieht echt aus wie Janis Joplin“, sagte eine aus dem toten Dichterclub. Und das Erstaunliche war, dass sie nicht nur so aussah, sondern auch genauso sang.

Wie überhaupt großartige Stimmen zu hören waren und man aufmerkte, wenn nicht Jim Morrison in die psychologisch ausgeleuchtete Dunkelheit von „The End“ führte, sondern eine geschulte Frauenstimme.

Aber da standen ja auch keine Coverbands auf der Bühne, sondern Musiker – der Cellist im Rammstein-T-Shirt –, die den Songs ein eigenes Gepräge in teils opulenten Arrangements gaben. „Riders on the Storm“ mit Orchester zum Beispiel hört man nicht alle Tage.

Hinterlegt war die Musik mit Filmen und grafischen Animationen auf diversen Videowänden. Da kippte die Natur in Rot- und Violetttöne, da taten sich interstellare Räume auf und explodierten Farben, als wäre man im Londoner UfoClub der Sechzigerjahre, als Pink Floyd dort ihre Musik visuell erweiterten. Möglich gemacht wurde das durch eine Zusammenarbeit mit Studenten der Lübecker Fachhochschule, eine Premiere für beide Häuser.

Am Ende gab es stürmischen Applaus, minutenlang. Und im Zugabenteil gingen sogar Deep Purple und Heinz Rudolf Kunze eine gediegene Verbindung ein.

Donnerstag noch einmal in Timmendorfer Strand

Zum Ende des Sommersemesters gibt es in der Musikhochschule Lübeck (MHL) eine Revue. Die Beatles waren schon Thema, Disney-Filme, jetzt Rocksongs aus den 60er und 70er Jahren. Die Leitung des Gesamtprojekts hat Bernd Ruf, Dirigent, Klarinettist und Professor für Popularmusik an der MHL. Die visuellen Effekte stammten von 31 Studenten der Fachhochschule Lübeck unter Leitung ihres Dozenten Ralf-Ingo Koch.

Am Donnerstag, 6. Juli (20 Uhr) gibt es die Show konzertant noch einmal in Timmendorfer Strand (Timmendorfer Platz, Eintritt frei).

Peter Intelmann

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