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Kultur im Norden Und ewig lockt der Seelenbombast
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19:13 18.10.2016
33 Songs in dreieinhalb Stunden: CureMastermind Robert Smith (57) bei der Schwarz-Arbeit. Quelle: Daniel Reinhardt/dpa

In den frühen 1980ern nahmen sich einige Teenager zu depressiven Alben wie „Pornography“ und „17 Seconds“ das Leben. Mit dem fröhlich- schrägen „Love Cats“

läuteten The Cure 1983 dann ihre chartkompatible Phase ein. Spätestens seit dem atmosphärischen Meisterwerk „Disintegration“ spielen die Altmeister des Darkwave nur noch in großen Stadien.

So auch am Montag in der nicht ganz ausverkauften Barclaycard Arena in Hamburg. 12 000 Fans waren gekommen, um das Quintett um den legendären Robert Smith nach sieben Jahren wieder live zu erleben.

Sie wurden nicht enttäuscht. Mit einer imposanten Setlist von 33 Titeln – davon 21 Singles – und einer bandüblichen Spielzeit von dreieinhalb Stunden präsentierten die Gruftgötter von einst einen beeindruckenden Querschnitt durch ihr Schaffen.

Nebel wabert auf der Bühne, eine psychedelische Spirale dreht sich zu „Open“ auf der LED-Leinwand. Nach wenigen Minuten steht Robert Smith wie selbstverständlich da. Die wirre Vogelnestfrisur ist inzwischen mit grauen Strähnen durchsetzt, der obligate Lippenstift dezent. Ein wallender schwarzer Umhang bedeckt den Mann, den die britische Musikpresse schon mal hämisch mit „Fat Bob“ titulierte.

Zum optimistischen „High“ flimmern Schäfchenwolken über die Leinwand. Düstere Grafiken begleiten das mystische „Charlotte Sometimes“ von 1981. Mit dem kraftvollen „Push“, dem fröhlichen „In between days“ und „A night like this“ folgen drei Songs en suite vom großartigen „The Head on the door“. Ein notorisch wiederkehrender Alptraum, bei dem Smith den abgetrennten Kopf eines Mannes auf der Kinderzimmertür sah, hatte einst den Titel inspiriert. Vieler Effekte bedarf es nicht an diesem atmosphärischen Abend, zu dem etliche Mittvierziger und -fünfziger noch mal die dunklen Klamotten von früher aus dem Kleiderschrank hervorgekramt haben.

Im Mittelpunkt steht wie immer Robert Smith. Der 57-Jährige mit dem unverwechselbaren Organ steht meist unbeweglich auf der Bühne, wenn er nicht gerade die Gitarre wechselt oder die Arme in typisch angewinkelter Pose gen Himmel reckt. Kommunikation mit dem Publikum findet kaum statt.

Wie zum Ausgleich wirbelt Bassist Simon Gallup wie ein Derwisch umher, springt auf die Monitore und federt rhythmisch in den Knien. Gallup ist neben dem Leadsänger das einzig verbliebene Urmitglied der Band, in der der für seine Launen bekannte Robert Smith traditionell ein strenges Regiment führte. Der wiederum jammert, wispert und wehklagt mit „Lullaby“, dem größten US-Hit „Love Song“ , dem orgiastischen „The Walk“ und dem unvermeidlichen „Friday I’m in love“ Hit auf Hit ins Mikrofon. Selten gespielte Highlights wie das funkige „Hot! Hot! Hot!“ und das martialische „Shake dog shake“

ergänzen den schier unerschöpflichen Reigen der atmosphärisch dichten Stücke. Seit „4:13 Dream“ von 2008, einer eher unspektakulären Sammlung einiger Singles, ist kein neues Album erschienen. Smith hat sich seit Jahren auf Sondereditionen aus dem Cure-Backkatalog kapriziert, die er mit sorgfältig ausgesuchten Bonustracks bestückt.

Für die Fans geht das in Ordnung. Seelenbombast am Fließband auch im Konzert: Mit dem tanzbaren „Why can’t I be you“ geht der Abend nach dreieinhalb Stunden zu Ende.

Alexander Bösch

LN

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