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Kultur im Norden Und jetzt folgt der Turmbau zu Babel
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20:20 09.06.2017
Kassel

In Kassel wird heute von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seinem griechischen Amtskollegen Prokopis Pavlopoulos die 14. Documenta eröffnet. Das wohl auffälligste Kunstwerk stammt von Marta Minujín: der „Parthenon der Bücher“, eine Nachbildung des antiken Tempels auf der Akropolis, umkleidet mit tausenden einst oder gegenwärtig verbotenen Büchern.

„Ich schenke den Parthenon dem deutschen Staat“: Marta Minujín vor ihrem Kunstwerk. Quelle: Foto: Dpa

Die 1943 in Buenos Aires geborene Installations- und Performance-Künstlerin war Teilnehmerin der Biennalen von Venedig und São Paulo. Im Interview spricht sie über ihre Pläne am Ende der Kasseler 100-Tage-Schau.

Wie sind Sie zufrieden mit dem Fortschritt Ihres Kunstwerks?

Ich hätte gern mehr Bücher! Mindestens 20 000 oder 25 000 mehr, dann könnten wir auch die andere Seite des Tempels fertigstellen. Ich bitte die Besucher der Documenta: Wenn 1000 Leute zehn Bücher mitbringen, hätten wir 10 000 mehr.

Was passiert am Ende der Documenta mit dem Tempel? Einstürzen wie in Buenos Aires soll er ja nicht.

Ich schenke den Parthenon dem deutschen Staat. Die Bücher sollen an Menschen verteilt werden, die kein Geld haben, um zu lesen. An den letzten vier Tagen der Documenta werden die Säulen abgehängt, eine nach der anderen, als eine Kunstaktion.

Waren Sie schockiert, dass so viele Bücher verboten sind?

Überall in der Welt werden Bücher verboten. Und so viele. Es hört nicht auf. Manche Menschen denken, Bücher sind Gift. Dagegen kämpfe ich. Die Menschen sollen den Parthenon sehen und anfangen zu denken: Was geschieht in dieser Welt?

Was planen Sie als Nächstes?

Etwas Ähnliches, aber noch größer. Ich denke darüber nach, den Turm zu Babel aus verbotenen Büchern nachzubauen. Vielleicht in Brasilien.

Haben Sie sich schon umgesehen? Wie finden Sie die Documenta?

Sehr interessant. Aber ich glaube, ich mag die Haltung mehr als die Kunstwerke.

Interview: Sandra Trauner

LN

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