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Kultur im Norden Unterwegs mit Knausgård
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18:10 10.07.2018
Lübeck

„An den Nachmittagen lief ich auf den Waldwegen“, schreibt er, „und auch wenn ich die Schönheit im grünen Leuchten des Waldes und der Wiesen vor dem grauen, regenverhangenen Himmel genoss, war dies nichts gegen meine Empfindungen, als ich zwischen den Bäumen zum ersten Mal die Rauken sah, diese Felsbrocken, die übriggeblieben an den Ufern Gotlands stehen, nachdem das Meer die weicheren Gesteinsarten in der Formation ausgewaschen hat.“ Das ist wie ein Sog, als Leser ist man mit dem Autor unterwegs.

Legt den letzten Teil der Jahreszeitenreihe vor: Karl Ove Knausgård.

Der Vielschreiber hat nach seinem „Min kamp“-Zyklus, mit dem er Aufmerksamkeit auf sich zog, nebenher ein Projekt über die Jahreszeiten verfasst. Mehr als tausend Seiten und, wie immer, sehr subjektiv. Dieser Dichter kann schreiben. Was seine Leser bannt, ist vor allem das Authentische dieser Literatur. Knausgård leidet an Depressionen, seine Frau, von der er sich getrennt hat, ebenso.

Dennoch bleibt er der Familienvater von drei Töchtern und einem Sohn. Er berichtet, wie er sein kompliziertes Lebensmodell zusammenhält. Für viele Leser ist das eine Vorlage für das eigene Leben.

Auf dem Cover von „Sommer“ sind Kornähren, Häuser und ein blauer Himmel zu sehen, das Aquarell stammt von Anselm Kiefer. Im Text beschwört Knausgård die Sommerwochen, verschiebt das Gefühl aber sofort auf die Ebene seiner ehelichen Beziehung. Er beschreibt eine gemeinsame Nacht mit seiner Frau, ohne dass er wusste, dass es die letzte sein würde. „Bis heute schmerzt es mich, daran zu denken, dass wir in jener Nacht zusammen waren, der schönsten, die ich jemals erlebt habe, und sie nicht auf gleiche Weise erlebt haben können, wie ich es damals geglaubt hatte. Das Wir, das ich so intensiv empfand, galt nur für mich.“

Das kommt sprachlich sanft daher, dahinter steckt aber die Radikalität des Depressiven, der mit der Gewalt der Trennung ringt. Aber Knausgård, der in seinen sechs „Mein-Kampf“-Büchern über seine Gefühlsexzesse Auskunft gab, ist nun gelassener. “ Da hat sich einer arrangiert. Er will genesen von den Folgen seiner Trennung und stark werden für den Umgang mit seinen Kindern. Roland Mischke

Karl Ove Knausgård: „Im Sommer“, Luchterhand, 256 Seiten, 22 Euro. Erhältlich sind auch die Bände „Im Frühling“, „Im Herbst“ und „Im Winter“ (zusammen 1300 Seiten 90 Euro).

LN

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