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Vandalismus vor dem Mühlentor

Lübeck Vandalismus vor dem Mühlentor

Als die Bilderstürmer in die St. Jürgenkapelle kamen — Motive bleiben im Dunkeln.

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Die Gruppe mit dem Drachentöter St. Jürgen und der Jungfrau im St. Annen-Museum.

Quelle: Roeßler

Lübeck. Die Kuratoren der Ausstellung mit mittelalterlicher Sakralkunst im Lübecker Museumsquartier St. Annen präsentieren in einer LN-Serie einige bedeutende Exponate.

Dieses Mal: Jörg Rosenfeld über die St. Jürgen-Gruppe.

Eigentlich war alles klar. Die alten Bilder sollten nicht Opfer blinder Zerstörungswut werden. Mit den Bilderstürmern wollte man in Lübeck nichts zu tun haben. So war es 1531 mit der neuen evangelischen Kirchenordnung in Paragraph 52 festgelegt worden. Doch am 14. Oktober 1534 wurde die alte St. Jürgenkapelle vor dem Mühlentor angegriffen und verwüstet.

Den Bericht dazu liefert Ratsherr Vritz Grawert: „An jenem Mittwoch kamen mit Hans Sengestake viele andere so genannte Hauptleute und viel ungestümes, loses Volk zusammen, um die St. Jürgen-Kapelle zu verheeren. Sie zerbrachen die schöne Kreuzgruppe inmitten des Kirchenraums, die St. Jürgen- Gruppe mitsamt Drachen und Stadtmodell, das Sakramentshaus, den Hochaltar mit seinen Gemälden und Skulpturen und die anderen Altartafeln, die Orgel mit vergoldeten Skulpturen und die umher an den Wänden dargestellte Geschichte des St. Jürgen. Dies alles haben sie hinter verschlossenen Kirchentüren zerschlagen und zerbrochen. Die Hauptleute ließen alles wegbringen, und sie mögen wissen, wo das alles geblieben ist. Ein jedermann habe eigenhändig zugehackt, geritzt und gespalten, so dass alles jammervoll zerbrochen war; und ein jedermann hat wegschleppen können, was er brauchte.“ Obwohl Grawert den Anführer benennt, bleiben Hintermänner und Motive im Dunkeln.

Die Figuren des Ritter St. Jürgen und der Prinzessin hatte man in das St. Annen-Kloster, das heutige Museum, bringen können. Drache und Stadtmodell waren verloren. Nach Wiederherstellung der Kapelle 1540/42 kam die St. Jürgen-Gruppe zurück, doch nur, um auf dem Dachboden zu landen. Das Interesse an den Skulpturen erwachte erst wieder im 17. Jahrhundert. Für die Neuaufstellung wurde 1619 ein neuer Drache geschnitzt. So überstand die Gruppe auch den endgültigen Abriss der Kapelle zehn Jahre später. Ihren neuen Platz fand sie im 1646 errichteten Nachfolgebau an der Ratzeburger Allee — wieder auf dem Dachboden!

Ritter, Ross, Drache und Prinzessin können im Rahmen der Sonderausstellung „Lübeck 1500“ noch bis zum 10. Januar von allen Seiten bestaunt werden.

LN

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