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Vergebliche Suche nach dem Ur-Arier

Vergebliche Suche nach dem Ur-Arier

Heinrich Himmler, Chef der SS und der deutschen Polizei, interessierte sich brennend für esoterische Themen.

Heinrich Himmler, Chef der SS und der deutschen Polizei, interessierte sich brennend für esoterische Themen. Damit stieß er bei Adolf Hitler auf wenig Verständnis, aber innerhalb seines SS-Imperiums hatte Himmler nahezu freie Hand, um seinen Obsessionen nachzugehen. Die alten Germanen und die Ur-Arier hatten es ihm besonders angetan, die von ihm gegründete Organisation „Ahnenerbe“

sollte alles erforschen, was mit diesen Ur-Übermenschen zusammenhing.

1938 schickte Himmler eine Expedition nach Tibet, um dort die Reste der Ur- Arier aufzustöbern, die – aus Himmlers Sicht – als Nachkommen der sagenhaften Bewohner von Atlantis nur in den höchsten Lagen dieser Welt die zerstörerische Sintflut hatten überleben können. Der Religionswissenschaftler Peter Meier-Hüsing hat ein Buch über die Expedition geschrieben, um die sich immer noch Legenden und sogar Verschwörungstheorien ranken.

Geleitet wurde der SS-Ausflug auf das Dach der Welt von dem Zoologen Ernst Schäfer. Nach längerem Aufenthalt in Nordindien und Sikkim gelang es den Deutschen, nach Tibet einzureisen, in der Hauptstadt Lhasa wurden sie freundlich empfangen. Und errangen schnell großen Ruhm als fleißige Zecher, die ausgesprochen gerne dem einheimischen Bier zusprachen. In Tibet vermaßen die Expeditionsmitglieder die Schädel von Einheimischen, protokollierten Augen- und Haarfarben, Zwischenergebnisse dieser pseudowissenschaftlichen Spökenkiekerei gingen per Kurzwelle zurück nach Deutschland und zu Heinrich Himmler.

Gefunden haben die Nazi- Forscher, das weist Meier-Hüsing nach, außer einer bis dahin unbekannten Art von Bergziegen in Tibet nichts von Belang, schon überhaupt keine Ur- Arier. Für Furore sorgte eine Buddha-Statue aus Meteor-Eisen mit einem Hakenkreuz auf der Brust, die die Expedition aus Tibet mitgebracht haben soll. Aus dem Material eines Meteoriten besteht die Skulptur tatsächlich, aber es steht noch nicht einmal fest, ob sie tatsächlich von Ernst Schäfer und seinen Kameraden nach Deutschland verbracht wurde. Neueste Analysen haben ergeben, dass die Figur mit größter Wahrscheinlichkeit im 20. Jahrhundert entstanden ist – nichts Neues aus Tibet also.

„Nazis in Tibet“ von Peter Meier-Hüsing. Theiss Verlag, 288 Seiten. 24,95 Euro.

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