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18:28 21.10.2017
Kurator Stephan Koal im Werk „Halluzinations-Fusion“ von John Bock. Quelle: Fotos: Ove Arscholl (1), Kunsthalle Rostock (2)
Rostock

Es ist eine Szene, wie aus einem surrealen Traum: riesige rotierende Scheiben mit knallbonbon-bunten Kreisen, die vor den Augen zu einem halluzinogenen Bild verschwimmen. Das anfängliche Wohlgefühl des psychedelischen Schutzraums wird jäh durch eine Video-Sequenz erschüttert – eine Gestalt im weißen Kittel, die Augen schwarz verschmiert, hantiert mit undefinierbaren Werkzeugen. Die Bilder lullen ein, irritieren, verstören.

„Portfolio Berlin 03“

Die Ausstellung „Portfolio Berlin 03“ ist bis zum 21. Januar 2018 in der Kunsthalle Rostock (Hamburger Straße 40) zu sehen. Eröffnet wird sie heute um 19 Uhr.

Die Schau ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 8 Euro (ermäßigt 6 Euro).

Weitere Informationen online unter www.kunsthallerostock.de

Die Installation „HalluzinationsFusion“ des aus Hamburg stammenden Aktionskünstlers John Bock ist nur ein Beispiel für die individuellen Handschriften, die die neue Ausstellung „Portfolia Berlin 03“

in der Kunsthalle Rostock trägt. Gezeigt werden Positionen von sieben Künstlern, unter anderem aus aus Dänemark, Guatemala, Israel und Schweden, die in Berlin leben und arbeiten. Die Ausstellung ist der dritte Teil des als Serie angelegten Projekts, bei dem Kunsthallenchef Uwe Neumann und der Berliner Kurator Stephan Koal zeitgenössische künstlerische Positionen aus der Hauptstadt in die Hansestadt holen.

„Dabei haben uns schon immer medienübergreifende Künstler interessiert“, sagt Koal. Doch während die Vorgängerausstellungen der Malerei und Skulptur gewidmet waren, liegt der Schwerpunkt der dritten Ausgabe auf Video, Performance und Fotografie. Dass sich Uwe Neumann damit weit vom künstlerischen Mainstream – wenn man es denn so bezeichnen will – entfernt hat, ist dem Kunsthallenchef bewusst.

„Ich hoffe dennoch, dass sich unsere Begeisterung auch auf das Publikum überträgt“, sagt er. Zwei Jahre lang hat Kurator Stephan Koal an der Ausstellung gefeilt, die verschiedenen Positionen in das richtige Spannungsverhältnis gesetzt, Licht und Dunkelheit und Sehgewohnheiten der Besucher abgewogen.

„Für die Ausstellung haben wir mit der Architektur des Hauses gearbeitet“, sagt Neumann, dessen Mitarbeiter sämtliche Stellwände bewegt und die Wände zum Teil dunkel gestrichen haben, so dass eine Art labyrinthhafter Gang durch die Kunst entstanden ist. Auf schockierende und höchst emotionale Weise erzählt die Ausstellung Geschichten. Da wäre zum Beispiel die Arbeit „Vinta“ von Sven Johne. In Bildern und Texten erzählt der Rüganer fünf Geschichten des Scheiterns auf einer Ostseeinsel, verwebt dabei gekonnt Realität und Imagination. In der multimedialen Installation „Angeeignete Landschaften“ arbeitet sich Simone Gilges am Thema Mensch-Natur ab. Analoge Fotos hat sie mit Feuer und Chemikalien so malträtiert, dass surreale menschenleere Landschaftszenarien entstanden sind, die kritisch von befremdlich anmutenden Foto-Portraits beäugt werden.

Auch die Arbeiten des aus Guatemala stammenden Naufus Ramírez-Figueroa, in denen er Folklore, antike Mythologie und zeitgenössische Verschwörungstheorien vereint, lassen jede Menge Deutungsspielraum zu: Fast madenartig winden sich in der Skulpturenreihe „Babylonian Phantasy“ Styroporschlangen aus goldglänzenden Behältnissen. In seiner Performance „Print of Sleep“ werden menschliche Körper in kalter Krankenhausatmosphäre zu lebendigen Druckplatten.

In einem Video auf Großleinwand ist Künstlerin Klara Lidén zu sehen, die an Aufwärmübungen des St. Petersburger Staatsballets teilnimmt und sich so mit Professionalität, Weiblichkeit, Vollkommenheit und Unvollkommenheit auseinandersetzt. Ihr Video „Untitled (Trashcan)“ wird symbolträchtig in einer riesigen Pappbehausung gezeigt. Bild- und Tongewaltigen Abschluss bildet die Videoinstallation eines jüdisches Sühnerituals der Israelin Yael Bartana. Der Däne Christian Falsnaes demonstriert auf vier Bildschirmen verschiedene Rollen von Autorität, Besucher können als Teil seiner Performance „One“ auch selbst zum Bestandteil der Ausstellung werden.

Stefanie Büssing

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