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Kultur im Norden Versuchung in vielerlei Gestalt
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18:25 26.05.2018
Donna Leon liebt Venedig – besucht aber auch gerne die Ostsee, wie hier den Strand der Insel Usedom. Quelle: Foto: Geert Maciewski

Darf man im Interesse des Guten (göttliches Gesetz) gegen bestehende Gesetze (des Staates) verstoßen? Guido Brunetti sucht Entspannung von Arbeit und Alltag in der Lektüre von „Antigone“ von Sophokles. Er findet sie, obgleich er nicht verhindern kann, dass der hier dramatisch zugespitzte klassische Konflikt zwischen Recht und richtig in sein Tagesgeschäft einzieht und auch ihn in Versuchung bringt.

Jedes Jahr ein Roman

Mit dem Debütroman „Venezianisches Finale“ 1992 war die Hauptfigur Commissario Brunetti entstanden, 1993 erschien das Buch in Deutschland. Pünktlich jedes Jahr aufs Neue erscheint ein neuer spannender Venedig-Roman. Diese werden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und dominieren die Bestsellerlisten.

Heimliche Versuchung, Diogenes Verlag Zürich, 336 Seiten, 24 Euro

Dabei fing alles eher ruhig an. Ruhig bedeutet nicht harmlos. Für Brunetti sind die Sorgen von Professoressa Crosera keineswegs harmlos, denkt er dabei doch sofort an seine eigenen Kinder. Die Kollegin seiner Frau Paola befürchtet, dass ihr Sohn Drogen nimmt – in der Schule. Aber er weiß auch, dass der Handel damit durch Polizeieinsatz kaum zu unterbinden ist, denn ins Netz geraten meist nur kleine Fische. Die großen schwimmen munter weiter und erobern neue Gründe. Dennoch verspricht er, sich an der Schule umzutun.

Kurz nach dem Treffen mit der Dozentin wird der Commissario nachts aus dem Bett geklingelt. Kollegin Griffoni braucht seine Hilfe. Sie wartet im Krankenhaus auf ihn, wo ein Mann eingeliefert wurde, der mit schweren Verletzungen nach einem Treppensturz auf einer Brücke im Koma liegt. Obwohl vieles auf einen Unfall hindeutet, schließen die beiden Polizisten nicht aus, dass der Mann gestoßen wurde. Wie der Zufall es will, erkennt Brunetti in dem Verunglückten Croseras Ehemann wieder, Tullio Gasparini. Der Gedanke an einen Zusammenhang mit dem Drogenhandel liegt nahe, doch wie ihn beweisen?

In „Heimliche Versuchung“ ist die Verlockung, etwas Gesetzloses zu tun oder zumindest haarscharf am Gesetz vorbei zu handeln, gleich für mehrere Menschen präsent. Dieses Thema beschäftigt Donna Leon, die ein Großteil ihres Lebens in Venedig verbrachte, wegen der unmäßigen Touristenströme nun aber vorwiegend in der Schweiz lebt, stets aufs Neue. So verwundert es nicht, dass sie auch dieses Mal wieder die eigenwillige Einstellung der Italiener zu Recht und Unrecht, zu Staatsapparat und Parlament kritisch beleuchtet, im Großen wie im Kleinen. Wenn auch – oder besser gerade weil – durch jede Zeile ihre Verbundenheit mit der Lagunenstadt durchschimmert.

Mehr denn je wirft Leon philosophische Fragen auf und lässt Brunetti ihr Sprachrohr für gesellschaftspolitische Kritik sein. Für Liebhaber der Brunetti-Romane sei noch angemerkt, dass alle Bekannten aus der Reihe auch dieses Mal wieder zum Zuge kommen und sogar einiges Neues von sich preisgeben, wie beispielsweise Claudia Griffoni. Nicht zuletzt lässt die 75-Jährige ihre Leser auch wieder am meist harmonischen Leben im Hause Brunetti teilhaben. Und das so unterhaltsam wie eh und je.

Frauke Kaberka

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