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Viel Spaß am Bass

Viel Spaß am Bass

Beim Lübecker Meisterkurs für Kontrabassisten lernen an diesem Wochenende knapp 50 Musiker von den Meistern. Auch die Jüngsten lassen sich Tipps geben.

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Stefan Schäfer, Solo-Bassist im Philharmonischen Staatsorchester Hamburg, unterrichtet Jona (l.) und Jakob in der Lübecker Musikschule am Kinder-Bass. Und das scheint dem Dozenten und den beiden Sechsjährigen viel Spaß zu machen.

Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

Musik allein im Kämmerlein. Einmal pro Woche zum Lehrer gehen und dann bei entsprechender Begabung von den Eltern zu Wettbewerben kutschiert werden – das war gestern. Ein neuer Trend setzt sich durch. Angesagt ist es nun, zusammen mit anderen Gleichgesinnten auf größere Trainingseinheiten zu fahren, wie man sie aus dem Sport kennt. Nicht nur dem eigenen Lehrer zu vertrauen, erscheint vielen Musikern wichtig, sondern sich Anregungen zu holen und früh schon in Kontakt mit den Großen der Branche zu kommen. Erstmals gibt es deshalb an diesem Wochenende in Lübeck den „Hanse-Bass-Meisterkurs“, ins Leben gerufen von Lehrkräften aus Norddeutschland.

Eine pädagogische Arbeitsgemeinschaft soll es sein. „Unsere Schüler bekommen die Möglichkeit, Stars zu erleben“, erzählt Hanna Cypionka (28), selbst Kontrabassistin und Dozentin an der Lübecker Musikschule Rosengarten, in der der Meisterkurs in diesem Jahr angesiedelt ist. Mit im Boot sind unter anderen Stefan Schäfer (Solo-Bassist der Hamburger Philharmoniker), Ekkehard Beringer (Solo-Bassist der Elbphilharmonie) oder Jörg Linowitzki (Kontrabass-Professor an der Musikhochschule Lübeck). 47 Musiker haben sich angemeldet.

Die jüngsten sind fünf Jahre alt. Wer glaubt, dass der Gigant unter den Instrumenten erst für Halbwüchsige spielbar ist, irrt. Vor einigen Jahren war das noch anders. Man begann auf einem handlicheren Instrument innerhalb der Streicherfamilie und stieg dann irgendwann um. Heute gibt es den Kontrabass in Miniatur, beispielsweise als 1/4-, 1/8- oder 1/16-Instrument. Einen solch kleinen Bass hält der sechsjährige Jona Goos aus Glinde in seiner Linken. Das Instrument ist immer noch genau so groß wie er selbst und klingt wie ein Brummbär. Genau das gefällt Jona: „Die tiefen Töne klingen so schön“, sagt er und streicht mit langem Bogen über die Saiten. Gewitterstimmung kann er auch verbreiten, zusammen mit dem ebenfalls sechsjährigen Jakob Mörs aus Hamburg, der vor ihm Unterricht hatte. Beide Jungen stehen mit eifrig-konzentrierten Gesichtern vor ihren bauchigen Instrumenten und lassen es durch rasante Bogenstriche krachen und donnern.

Der frühe und spielerische Zugang zur Musik stellt Weichen. Unverkrampft, aber sehr exakt arbeitet Stefan Schäfer (53) mit den sehr jungen Schülern. An diesem Wochenende sieht er noch viele andere Schüler, darunter auch Studenten, die sich Tipps von jemandem holen möchten, der auf seinem Instrument Karriere gemacht hat. Warum verbringt der gefragte Mann sein Wochenende in Lübeck? „Die Tür geht auf. Ich weiß nicht, wer reinkommt. Diese Situation liebe ich. In kürzester Zeit muss ich entscheiden, was ich mit dem Schüler mache.“

Jakob ist zu Beginn seiner Stunde noch einsilbig und aufgeregt. Mehr als „ja“ und „nein“ bringt er nicht heraus, und auch die geforderte Differenzierung auf dem Instrument fällt ihm schwer. Im Laufe der Einheit steigert er sich. Der Strich wird weicher, und dynamische Unterschiede sind nun zu hören. Stefan Schäfer fordert viel von dem kleinen Musiker, ohne ihn zu überfordern, da die Ansprache kindgerecht und zugewandt ist. So schärft der Lehrer die Sinne des Nachwuchsmusikers – für die Haltung, die Beugung der Finger, den Ansatz, das Tempo und die Lautstärke. Noch weiß Jakob es nicht.

Aber er hat einen Riesensprung nach vorne gemacht.

 Cornelia Schoof

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