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Viele Gemeinden finanzieren die Festival-Konzerte mit

Lübeck Viele Gemeinden finanzieren die Festival-Konzerte mit

Kaum jemand weiß es: Das SHMF verlangt von seinen Spielorten Zuschüsse. Ohne Spenden und Sponsoren gäbe es keine Flächenbespielung, sagen die Festival-Macher.

Pronstorf. Harald Behrens, seit dem 1. Juni Bürgermeister des Ostseeheilbades Dahme, hat eine Hypothek von seinem Vorgänger übernehmen müssen – das jährliche Konzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals auf einer Open- Air-Bühne am Nordstrand.

 

LN-Bild

Man kann sich bei uns nicht einkaufen.“ Burkhard Stein, Verwaltungsdirektor und stellvertretender Intendant des Festivals

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Es fing 2014 an mit den Blechbläsern der Orchesterakademie, die bei kühlem Wetter ein frisches Konzert vor etwa 400 Besuchern darboten; 680 Gäste besuchten das SHMF-Konzert mit Canadian Brass im Jahr darauf – es war windstill und sommerlich warm. In diesem Jahr trat an gleicher Stelle das GlasBlasSing-Quintett aus Berlin mit seiner Flaschenmusik auf, und es kamen vielleicht 200 Besucher.

„Höchstens 350 Karten sind verkauft worden“, weiß Behrens, etliche Ticketinhaber sind zuhause geblieben, denn es war an jenem Abend kalt und sehr nass auf den Stühlen vor der mobilen Bühne.

Behrens will sich nicht mit dem SHMF anlegen, „aber ich muss mir gut überlegen, ob solche Veranstaltungen noch eine Zukunft bei uns haben“. Denn seine Gemeinde profitiere zu wenig von den Konzerten.

Was kaum jemand im Publikum weiß: Das SHMF lässt sich seine Präsenz an den Konzertorten bezahlen. Man kennt das aus dem Sport, dort heißt es Antrittsgeld.

Dahme musste 10000 Euro aufwenden, um das GlasBlasSing- Quintett auftreten zu lassen, und die Infrastruktur wie Bühne, Beleuchtung und Stühle bereitstellen. Auf 13000 Euro Kosten schätzt Bürgermeister Behrens die Aufwendungen, an den Einnahmen sei die Gemeinde nicht beteiligt.

„Die Mitfinanzierung von Konzerten durch Spenden, Zuschüsse und Sponsorengelder ist von Anfang an ein Bestandteil des Profils des Festivals“, sagt dazu Burkhard Stein, Verwaltungsdirektor und stellvertretender Intendant des Schleswig-Holstein Musik Festivals. „Mehr als 50 Gemeinden beteiligen sich direkt an der Finanzierung der bei ihnen stattfindenden Konzerte. Ohne diese Hilfen sowie die anderen Spenden und Sponsorenleistungen wären wir nicht in der Lage, die Fläche Schleswig- Holsteins in der bisherigen Form zu bespielen.“ Insofern sei der „Fall Dahme“ nicht ungewöhnlich, sondern seit nunmehr 30 Jahren die Regel. Ein Sonderfall sei Lüneburg. In die niedersächsische Stadt dürfen im Rahmen des Festivals keine Gelder des Festivals fließen – Lüneburg beteiligt sich daher an den Kosten in größerem Maße, als es andere Gemeinden tun.

Auf eine Feststellung legt Burkhard Stein besonderen Wert: „Man kann sich bei uns nicht einkaufen“, sagt er. „Wenn eine potenzielle neue Spielstätte sich bei uns bewirbt, überprüfen wir sehr genau, wie sie in die Landkarte des Festivals passt und wie die Bedingungen vor Ort sind. Dazu gehört auch die Frage, ob es ausreichend freiwillige Helfer oder auch einen örtlichen Festival-Beirat gibt. Dafür haben wir natürlich keine Schablonen-Lösungen, das sind immer Einzelfall-Entscheidungen.“

Die Flächenbespielung des nördlichsten Bundeslandes aber sei sehr teuer: „Wir müssen häufig für die Infrastruktur sorgen, dazu kommen Transport, Unterbringung und die Honorare der Künstler. Erst wenn das alles kalkuliert ist, können wir uns für eine Spielstätte entscheiden. Und dann geht es auch um die Finanzen. Die Zuschüsse, die wir für ein Konzert benötigen, beginnen ungefähr bei 6000 bis 8000 Euro.“

Bürgermeister Behrens von der Dahmer Wählergemeinschaft will nun in sich gehen: „Wenn wir selbst eine Veranstaltung oder ein Konzert auf die Beine stellen würden, käme uns das billiger – und wir würden bestimmt ein anderes Programm als das SHMF bieten, eines, das eher auf unsere Gäste und Bewohner zugeschnitten ist.“ Das SHMF-Publikum komme überwiegend aus Lübeck, Kiel oder auch Plön – und verschwinde nach den Konzerten schleunigst wieder, ohne zum Beispiel die Gastronomie im Ort zu beehren.

Mozart hält fast alles aus

Der russische Geiger Aleksey Igudesman und der koreanische PianistHyung-ki Joo sind Könner. Was können sie? Großartig musizieren zum Beispiel – aber das können viele. Was das Duo (kurz Igudesman und Joo genannt) aber außerdem noch kann, ist blödeln, sich kabbeln und sogar albern sein. So zu erleben am Mittwoch im ersten Festival-Konzert, das in der Kulturwerft Gollan stattfand. Eine echte Premiere also.

Igudesman und Joo haben ihre Premiere längst hinter sich, der Ablauf ihrer Show ist routiniert und funktioniert reibungslos. Was die beiden Musiker so treiben, hat man in ähnlicher Form schon häufiger gesehen: Da verwandeln sich die ersten Takte einer Mozart-Sinfonie in die Titelmelodie von „James Bond“, aus Schubert wird Chopin und umgekehrt. Diese Verwandlungsspielchen sind technisch perfekt gemacht und stets mit teils launigen, teils aber auch nur hemmungslos albernen Sprüchen garniert. „Nur keinen Kalauer auslassen“ scheint eins der Mottos der beiden Musiker zu sein – sehr zur Freude des Publikums in der fast ausverkauften ehemaligen Werfthalle.

Herausragend war die Vorstellung eines „musikalischen Navigationsgerätes“. Joo spielte das Präludium E-Dur von Bach, Igudesman – als Polizist verkleidet – überwachte die Darbietung. „Sie befinden sich in E-Dur, wechseln Sie in zwei Takten nach A-Dur. Vorsicht, schwierige Passage voraus! Bitte langsam zurück über D-Dur nach E-Dur“ ließ sich der Musi-Navi vernehmen – das war wirklich witzig.

Die Freiübungen, zu denen das Duo das Publikum dann im Programmpunkt „Violaerobics“ animierte, waren eher grenzwertig. Spaß gemacht hat der Abend trotzdem – Mozart erträgt eben fast alles.

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The Philharmonics: Haydn plus südosteuropäische Nachbarn

„Joseph Haydn meets The Philharmonics“? Von wegen. Natürlich begegnete der Referenz-Komponist des SHMF 2016 den Zuhörern im Programm dieses ausgezeichneten Septetts, etwa indem die Musiker Haydns D-Dur-Sinfonie „Die Uhr“ mit der „Hora di Mars“ des Rumänen Grigoras Dinicu verbanden. Doch ansonsten reisten diese vier Wiener und der eine Berliner Philharmoniker und die beiden Jazz-Brüder Roman und Frantisek Jánoska quer durch Stile und Zeiten – in aller Virtuosität und mit einer ansteckenden Begeisterung.

Da folgte auf Chick Coreas Meisterwerk „Spain“ (mit Geige und Klarinette statt Saxophon und E-Piano) „nur so zum Abkühlen“ die Blumen-Arie aus „Carmen“ (mit Geige statt des Tenors), und in der „K.

u. K.-Rhapsodie“ durfte dann noch einmal Haydn Pate stehen – für ein ganzes Konglomerat aus südosteuropäischen und Sinti-Klängen, abgewürzt mit Strauss und Verdi. Ein begeisternder Abend vor vollem Haus. ark Foto: Nickolaus

Michael Berger und Jürgen Feldhoff

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