Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden „Vielleicht habe ich die Liebe längst gefunden“
Nachrichten Kultur Kultur im Norden „Vielleicht habe ich die Liebe längst gefunden“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:12 29.12.2017
Sie ist ihrem Stil immer treu geblieben – Mireille Mathieu startet mit 71 Jahren wieder eine Welttournee. Quelle: Fotos: Keystone, Hfr
Lübeck

Wir treffen Mireille Mathieu, 71, in ihrem Pariser Lieblingshotel, dem klassisch vornehmen „Le Bristol“. Klein und zart wirkend sitzt sie in schwarzer Hose und schwarzem Pullover auf dem Sofa, je nach Laune wechselt sie in ihren Antworten vom Deutschen ins Französische und zurück.

Mireille Mathieu wurde in den Sechzigern als „Spatz von Avignon“ populär. Im Interview spricht sie über ihr aktuelles Album und ihre Tournee.

Madame Mathieu, wer wird Fußballweltmeister 2018?

Frankreich! (lacht) Zumindest hoffe ich das sehr. Wir haben ein außergewöhnlich gutes Team in diesem Jahr.

Sie interessieren sich also für Fußball?

Aber ja, sehr sogar. Ich singe jedes Mal vor dem Fernseher die Hymne mit und schaue mir so viele Spiele an wie möglich.

Ihr aktuelles Album heißt „Made In France“. Was mögen Sie abgesehen von Les Bleus sonst noch besonders gern?

Eigentlich alles. Die Mode, das hervorragende Essen, die Menschen. Frankreich ist ein schönes Land. Natürlich gibt es Sachen, die mich stören, zum Beispiel, dass manche Menschen so arm sind, dass sie nicht genug zu essen haben. Das ist nicht gerecht, doch Armut gibt es ja überall auf der Welt. Alles in allem bin ich stolz auf mein Land.

Sie sind selbst in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, wurden als ältestes von 14 Kindern in einer Hütte ohne jeglichen Komfort groß. Ist Luxus heute für Sie normal?

Ich habe mich daran gewöhnt, es angenehm zu haben. Und wenn ich reise, bin ich oft in sehr guten Hotels. Trotzdem bin ich nicht abgestumpft oder gar gleichgültig. Ich weiß noch, wie ich vor vielen, vielen Jahren und noch zu Zeiten der DDR im Friedrichsstadtpalast in Ost-Berlin zu Gast war. Vor meinem Konzert traf ich vor der Halle auf einen jungen, sehr kranken und armen Mann, der mich unbedingt singen sehen wollte. Mein Manager nahm ihn mit in die Halle, wir alle dachten, er würde bald sterben. Doch er ist nicht gestorben. Er lebt immer noch. Oder neulich erst, als ich mit meiner Schwester aus einer Bäckerei kam, saß dort ein junger Bettler. Wir gingen noch einmal zurück in die Bäckerei und kauften ihm ein Sandwich.

Sie gehen also selbst zum Bäcker?

Ja, hin und wieder. Mein Bruder, der in der Nähe von Avignon wohnt, ist Bäcker und Konditor. Zu ihm gehe ich immer, wenn ich in der Provence bei meiner Familie bin. Er backt wunderbare Spezialitäten, zum Beispiel Brot mit Käse und mit Feigen. Es gibt auch Bauern, die ihr eigenes Olivenöl zu ihm bringen. Damit backt er dann Brot – nur für sie. Gerade jetzt um Weihnachten herum machen das viele.

Wie haben Sie Weihnachten verbracht?

So wie in jedem Jahr. In der Provence, zusammen mit meinen Geschwistern. Wir waren in der Kirche, zur Messe hatten wir Blumen mitgebracht, da sich die Gemeinde keinen eigenen Blumenschmuck leisten kann. Ich habe einige Weihnachtslieder gesungen, Klassiker wie „Stille Nacht“, natürlich auf Französisch. Anschließend haben wir alle im Haus meiner Mutter zu Abend gegessen.

Ihre Mutter Marcelle-Sophie ist im Frühjahr 2016 im Alter von 94 Jahren gestorben. Feiern Sie so, als wäre sie noch da?

Ja, wir machen alles so, wie Maman es immer gemacht hat. Wir haben eine Krippe, und an Heiligabend gibt es dreizehn Nachspeisen. Die Tradition lebt weiter. Wir Kinder waren dabei, als Maman starb. Es ist immer noch sehr, sehr schwer ohne sie. Doch das Leben geht weiter.

Haben Sie alle dreizehn Nachspeisen probiert?

Jeder isst, was er möchte. Man muss nicht alle dreizehn essen (lacht). Das hat symbolischen Wert. Die Geburt Jesu wird mit den Nachspeisen zelebriert.

Sind Sie gläubig?

Ja, das bin ich.

Im Zusammenhang mit Ihnen fällt sehr oft das Wort „Disziplin“. Zu Recht?

Ja. Vor allem auf Tournee bin ich sehr diszipliniert. Das muss auch so sein. Ich brauche meine neun bis zehn Stunden Schlaf, ich mache täglich Stimmübungen, vor einer Show gibt es den immer gleichen Ablauf. Ich gehe zur Maskenbildnerin, dann machen wir einen Soundcheck, ich halte mich streng an meinen Rhythmus.

Sie singen in allen erdenklichen Sprachen über die Liebe, doch haben Sie selbst die Liebe nie gefunden.

Woher wollen Sie das wissen?

So heißt es.

Wer weiß schon, ob ich nicht doch verliebt bin oder die Liebe meines Lebens längst gefunden habe? Ich verrate es nur nicht.

Obwohl Sie seit ewigen Zeiten eine Berühmtheit sind, weiß man bemerkenswert wenig über Sie.

So mag ich es. Ich behalte meine kleinen und großen Geheimnisse gerne für mich.

Zu Ihren liebsten Liedern gehört auch „Non, Je Ne Regrette Rien“. Bereuen Sie nichts?

Ja, dieses große Lied ist mein Credo. Ich würde alles noch einmal so machen, auch wenn es immer Höhen und Tiefen gibt im Leben und nicht alles gelingt. Aber das ist auch nicht realistisch.

Werden Sie Ihr Leben lang weitersingen?

Ja. Ich singe so lange, wie der liebe Gott es will.

Interview: Steffen Rüth

Ritter der Ehrenlegion und Gesicht der „Marianne“

Mireille Mathieu wurde 1946 in ärmlichen Verhältnissen in Avignon geboren. Ihren ersten Gesangsauftritt hatte sie im Alter von vier Jahren in einer Mitternachtsmesse. Sie verließ die Schule ohne Abschluss, da sie ab 1960 als Hilfsarbeiterin in einer Konservenfabrik arbeitete. Im Juni 1964 gewann sie in Avignon einen Gesangswettbewerb, es folgten landesweite Wettbewerbe und eine steile Karriere. Mit 190 Millionen verkauften Tonträgern ist sie die erfolgreichste französischsprachige Sängerin. 1999 ernannte man sie zum Ritter der Ehrenlegion und 2011 zum Offizier.

Mireille ist ein nationales Kulturerbe Frankreichs und lieh 1978 der französischen Nationalfigur „Marianne“ ihr Gesicht.

In Hamburg ist Mireille Mathieu am 22. April um 19 Uhr in der Elbphilharmonie zu erleben.

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Schweizer Christian Tagliavini rückt eine vergangene Epoche in die Gegenwart.

29.12.2017
Kultur im Norden SZENETIPP: WAS IST LOS IM JANUAR - Reggae, Rockabilly und Glam Rock

Wer sich von den ruhigen und besinnlichen Tagen und der Silvesterparty erholt hat, kann sich ab dem 4. Januar dann wieder ganz gemütlich in die Normalität begeben.

29.12.2017

The best jazz is timeless! Weltklassejazz erwartet die Besucher bei dem Konzert von Chris Barber und seiner „Big Chris Barber Band” am 11. Januar auf der Bühne im Konzertsaal der MuK. Chris Barber und seine Band zählten bereits in den 50er Jahren zu den bekanntesten Dixielandgruppen Europas.

29.12.2017