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Vier Feiertage für Nils Landgren

Niendorf Vier Feiertage für Nils Landgren

Jazz Baltica 2016: Zum „Warm up“ spielt der künstlerische Leiter gemeinsam mit der Bigband des Ostseegymnasiums am Donnerstag in Timmendorf.

Dr. Christian Kuhnt (links) und Nils Landgren am Strand.

Quelle: Axel Nickolaus

Niendorf/Ostsee. Dass Nils Landgren, der künstlerische Leiter des wichtigsten norddeutschen Jazzfestivals, ein Herz für den Nachwuchs hat, demonstriert er morgen wieder.

Einen Tag vor Beginn von Jazz Baltica in Niendorf tritt er gemeinsam mit der Bigband des Ostseegymnasiums Timmendorfer Strand auf der Bühne am Timmendorfer Platz auf. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei. Es ist bereits das dritte Mal, dass der Posaunist die jungen Amateure bei der Aufwärmübung für die Auftritte der großen Namen unterstützt.

Nils Landgren gehört natürlich selbst zu den Größten von Jazz Baltica. In diesem Jahr, dem fünften, in dem das Festivals in der Halle der Evers-Werft und auf dem Gelände des Niendorfer Hafens stattfindet, ist er noch häufiger zu sehen und zu hören als zuletzt. „Celebrating Nils“ ist das Programm überschrieben – denn der Schwede mit der roten Posaune ist soeben 60 Jahre alt geworden, das muss begangen werden, auch wenn sein Naturell noch dem eines Jungen entspricht.

„Das wichtigste Festival in meinem Leben ist Jazz Baltica“, versichert Landgren, der fünf Jahre lang das große Berliner Jazzfest geleitet hat. Für ihn als Musiker sei es das größte Geschenk, dass er hier experimentieren und ganz er selbst sein könne, schreibt er in seinem Grußwort zum diesjährigen Programm. Seine internationale Karriere als Jazzmusiker hat 1994 bei Jazz Baltica begonnen, 2012 hat er die Leitung des Festivals übernommen.

Die erste Nachtschicht am Freitagabend wird Landgren mit seiner Band „Funk Unit“ bestreiten, und es darf getanzt werden zum unwiderstehlichen Drive des Sextetts (Beginn: 22 Uhr). Außerdem wird der Posaunist am Festival-Sonntag als Gast des Berliner Quartetts Mo‘ Blow auf der Bühne stehen. Diese Band zünde ein groovendes Feuerwerk an, verspricht Landgren.

Dazwischen wird er immer wieder bei den Jazz-Baltica-Gesprächen auftauchen, die der ehemalige Jazz-Redakteur des Saarländischen Rundfunks, Peter Kleiß, nebenan im Café führen wird. Nur bei einem zentralen Termin wird Landgren die Bühne meiden – beim Eröffnungskonzert am Freitagabend mit dem traditionell aus europäischen Spitzenmusikern zusammengestellten Jazz-Baltica-Ensemble. Er selbst wollte es so, die Band wird diesmal ausschließlich aus Musikerinnen bestehen (siehe oben rechts).

Auf diese All-Star-Band folgt ein deutsches Familien-Duo: Der Stuttgarter Wolfgang Dauner, ein international erfolgreicher Pianist, der im vergangenen Dezember 80 Jahre alt geworden ist, tritt mit seinem Sohn, dem Schlagzeuger Florian Dauner auf. Dieser ist auch einem breiteren Publikum durch seine Zusammenarbeit mit den Fantastischen Vier oder der „The Voice of Germany“-Band bekannt. Mit Joachim Kühn (72) kommt ein weiterer deutscher Klavier-Altmeister nach Niendorf, allerdings zu einer für einen Jazzmusiker ungewohnten Zeit: Sein Trio mit Chris Jennings, Bass, und Eric Schaefer, Schlagzeug, wird für Sonntag um 13 Uhr angekündigt.

Weitere prominente Musiker sind in diesem Jahr die deutsch-iranische Sängerin Cymin Samawatie, der Schlagzeuger Christian Lillinger mit seiner neuen Band „Amok Amor“, die dänische Schlagzeugerin Lisbeth Diers oder der Vibraphonist Christopher Dell, der am Freitag gegen Mitternacht auftritt und bereits morgen in Husum ein Vorkonzert bestreitet.

Das Familienkonzert am Sonntagvormittage bietet eine Prominente auf, die zunächst nur wenig mit Jazz zu tun hat: Hella von Sinnen. Die Komikerin ist als Erzählerin des Musik-Märchens „Peter und der Wolf“ von Sergej Prokofjew vorgesehen. Die Bariton-Saxofonistin Tini Thomsen, die im vergangenen Jahr den Preis der Investitionsbank Schleswig-Holstein erhalten hatte, hat den Kinder-Klassiker für Jazzbands neu arrangiert. Auch in diesem Jahr wird wieder eine junge Frau den mit 3000 Euro dotierten IB.SH-Jazz Award bekommen – die Bassistin, Komponistin und Sängerin Lisa-Rebecca Wulff.

Insgesamt sind von Freitag bis Sonntag 22 Konzerte geplant. Im vergangenen Jahr kamen rund 13000 Besucher nach Niendorf. 

All-Star-Frauen

Ann-Sofi Söderqvist , 1956 in Stockholm geboren, leitet in diesem Jahr die Jazz Baltica All Star Band, die das Festival am Freitagabend um 18 Uhr offiziell eröffnet. Die Formation besteht nach dem Willen von Nils Landgren nur aus Musikerinnen („Ich bin ein guter Feminist“, sagt der künstlerische Leiter augenzwinkernd). In der 19-köpfigen Bigband, deren Mitglieder überwiegend aus Skandinavien stammen, finden sich namhafte Musikerinnen wie die Sängerin Lena Swanberg, die Saxofonistin Tini Thomsen, die Gitarristin Sandra Hempel oder die Bassistin Eva Kruse.

Leiterin Ann-Sofi Söderqvist, die auch die Kompositionen der Band beisteuert, ist eine prominente Trompeterin und Chefin des ASJO (Ann-Sofi Söderqvist Jazz Orchestra).

 Michael Berger

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