Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 16 ° Regenschauer

Navigation:
Vier Frauen im Parkhaus und eine atemlose Nacht

Lübeck Vier Frauen im Parkhaus und eine atemlose Nacht

Hohes Tempo, viele Gags: „Tussipark“, die neue Komödie auf dem Lübecker Theaterschiff, feierte eine bejubelte Premiere.

Lübeck. Lübeck. „Tussi, die, ugs. abwert. Bezeichnung für eine weibliche Person“, so steht es im Deutschen Wörterbuch. Vier dieser Exemplare sind derzeit auf dem Theaterschiff in Lübeck zu besichtigen – am Donnerstag feierte die Komödie „Tussipark“ Premiere.

 

LN-Bild

Erinnerung an ihre erste Betriebsfeier: Jennifer (Leena Fahje) mit hohem Tussi-Faktor.

Quelle: U.k. Neelsen

Die Versuchsanordnung ist nicht neu: Vier fremde, sehr unterschiedliche Frauentypen treffen aufeinander, wollen anfangs nix miteinander zu tun haben, zicken rum, schütten sich voll und dann gegenseitig ihr Herz aus und merken am Ende, dass sie doch vieles verbindet. Wie die vier Weibsbilder das in „Tussipark“ machen, ist amüsant und kurzweilig. Ort der unfreiwilligen Begegnung ist in diesem Fall ein Parkhaus. Zunächst erscheint die schwangere Zweifachmutter Grit mit Einkaufswagen am Kassenautomaten, und während sie das verlorene Ticket sucht, kommen vom trauten Heim per Telefon Horrornachrichten. Beatrice Kaps-Zurmahr, bekannt als Andrea Neumann in der „Lindenstraße“, spielt sehr körperbetont mit Slapstick- Einlagen, sie erweist sich von Beginn an als Rampensau. Nummer Zwei ist Jennifer, gerade gefeuerte Möbelverkäuferin, die Karaoke liebt und mit Fremdwörtern auf Kriegsfuß steht – Leena Fahje stattet sie mit hohem Tussi-Faktor aus und hat keine Scheu, herrlich schräg zu singen und sich ungelenk zu bewegen. Die männerverschleißende Geschäftsfrau Pascaline stößt dazu – von Bianca Warnek mit viel Coolness gespielt, und als vierte im Bunde erscheint Wanda, die Braut, die ihrem Zukünftigen misstraut und gerade die Hochzeit geschmissen hat (Pia Klausch hält gut die Balance zwischen Enttäuschung, Wut und Erleichterung).

Und weil Frauen zusammensitzen, geht es um Männer. Genauer gesagt: die Mistkerle unter ihnen, und die finden sich auf Jennifers Internetseite „Tussipark“ – dort postet sie Fotos besonders mieser maskuliner Exemplare, die von anderen Frauen kommentiert werden. Reichlich Wodka und Glückspillen schaukeln die Stimmung hoch – am Morgen wachen die Vier kostümiert und in völligem Chaos auf und versuchen per Handy-Fotos, die Nacht zu rekonstruieren (der Film „Hangover“ lässt grüßen).

Christian Kühn hat das Stück geschrieben und temporeich mit hohem Pink-Anteil inszeniert, die Mädels sind meist ein bisschen drüber und die Witze manchmal ein bisschen weit unten („Männer sind wie Papiertaschentücher auf der Toilette – eins ist zu wenig“). Aber die Frauen machen sich auch über ihre eigenen Unzulänglichkeiten lustig („Wenn ich ohne BH jogge, habe ich Angst, kleine Hunde zu erschlagen“), Jennifer versucht sich in „Konservation“, und Grit kratzt sich im Schritt.

Die Juchzer-Dichte im Publikum ist hoch an diesem Abend, auch die wenigen mitgebrachten Männer haben offensichtlich ihren Spaß. Viele Hits von „Girls Just Wanna Have Fun“ bis „Schöner fremder Mann“

werden mitgeklatscht, und als die Frauen in Glitzerkleidern zum Finale „Atemlos durch die Nacht“ singen, sind die Zuschauer(innen) kaum noch zu halten. Dieses Stück taugt für Mädelsabende.

Am Ende entpuppen sich die vier vermeintlichen Tussis im Parkhaus natürlich als ganz normale Frauen mit ähnlichen Träumen, Ängsten und Sehnsüchten. Ein Mann ist übrigens auch noch dabei: Manfred Wolny als betrunkener Wachmann. Und die Moral von der Geschicht‘? Ohne Kerle geht es nicht.

Theaterschiff

Nächste Vorstellungen: Heute um 20 Uhr, 23. , 24. und 30. September um 17 und 20 Uhr. Das Stück läuft bis zum 19. November.

Tickets: Reihe eins bis elf: 28 Euro, Reihe 12 bis 17: 25 Euro. Reservierungen unter Telefon 0451 / 20 38 385.

Das Theaterschiff liegt direkt vor der Musik- und Kongresshalle. Es hat 156 Sitzplätze sowie ein Foyer mit Gastronomie.

• www.theaterschiffluebeck.de

Petra Haase

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden