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Vier Frauen und ein Hochzeitsfall

Lübeck Vier Frauen und ein Hochzeitsfall

„Höchste Zeit!“: Rasante Komödie auf dem Theaterschiff über Bindungsangst und Bindegewebe.

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Die künftige Braut Gabi (Annic-Barbara Fenske, l.) heult sich bei ihrer Freundin (Tanja Bahmani) aus.

Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen, Dpa

Lübeck. Fernsehturm, Brandenburger Tor, Reichstag — der Blick fällt auf die Berliner Skyline. Die neue LED-Wand als Hintergrund ist ein Hingucker. Auf der Bühne eine kleine Bar, Ledercouch. Willkommen in der Hochzeitssuite eines Grandhotels.

Gabi will heiraten, und ihre drei Brautjungfern können unterschiedlicher nicht sein: dralle Hausfrau, biestige Grand Dame und überforderte Mutter. Soweit die Versuchsanordnung in der Komödie „Höchste Zeit“, die auf dem Lübecker Theaterschiff eine umjubelte Premiere hatte.

Die vier Damen feierten bereits in der Wechseljahrekomödie „Heiße Zeiten“ auf dem Theaterschiff Erfolge, nun schickt sie der Hamburger Autor (und Musicaldarsteller) Tilman von Blomberg in den Hochzeitsrausch. Braut Gabi (herrlich neurotisch: Annic-Barbara Fenske) übergibt sich bereits am Hochzeitsmorgen nach einer durchzechten Nacht, ihr Zukünftiger ist verschwunden, und mit wem hatte sie eigentlich letzte Nacht sensationellen Sex? Die Hamburger Dame (Tabea Scholz in schönem Mix aus Blasiertheit und Verletzlichkeit) steht kurz vor ihrer Scheidung, die sie als „vorzeitige Haftentlassung“ betrachtet, und findet die Ehe ohnehin überschätzt.

Die Romantikerin (himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt: Annette Mayer) möchte selbst endlich gern von ihrem Freund gefragt werden, und die Hausfrau (Rampensau Tanja Mahamit) will einfach nur den ungewohnten Luxus genießen. Zumal ihr Schwarm Howard Carpendale in der Nachbarsuite wohnt („Tür an Tür mit Howie“).

Der rasante Schlagabtausch der vier Damen (Regie: Karsten Engelhardt) dreht sich um Bindungsangst und Bindegewebe, Hyaluron und Hitzewallungen — und natürlich und vor allem um Männer. Die Frauen loten die Untiefen der Zwei- oder Einsamkeit aus, driften gern mal in seichte Gewässer ab, umschiffen die Inseln Klamaukistans.

Und dazwischen ein Glas Champagner.

Das Publikum, überwiegend Vertreter des klassischen Bindungsbürgertums (langjährig verheiratet), beweist viel Humor. Männer und Frauen lachen gleichermaßen über die Zumutungen des Alters wie über die zunehmende Schwerkraft des Fleisches oder abnehmende Libido. Gabi: „Dagegen gibt es ja die Pille für Frauen.“ — „Wie soll die wirken? Macht die blind?“ Großes Gejohle bei den Frauen.

Schwung bringen schmissige Gesangseinlagen. Am Ende lässt Tanja Bahmani mit ihrer Bluesröhre das Theaterschiff erbeben, und das Premierenpublikum will mehr.

Ein fluffiger Abend für Freundinnen und Paare. Darauf ein Piccolöchen.

Nächste Vorstellungen von „Höchste Zeit!“: heute 17 und 20 Uhr, in der kommenden Woche Mo. bis So. 20 Uhr, Sa. auch 17 Uhr; Ticket-Telefon: 0451/2038385

Petra Haase

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