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Kultur im Norden Völlig losgelöst
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18:21 14.10.2017
Von Maximilian Buddenbohm journal.redaktion@LN-Luebeck.de

Alle reden von der Lage in Spanien, wo viele Katalanen gerne einen eigenen Staat hätten. Über den Konflikt weiß ich nicht genug, um ihn beurteilen zu können, aber mit dem Separatismus kenne ich mich doch aus. Weil ich auch einmal einen Staat gegründet habe. Da war ich noch ein Kind, was erklärt, warum das Königreich Travemünde in den Geschichtsbüchern nicht vorkommt. Als ich mich damals zum König ernannt habe – weil ich es konnte! – haben sich ein paar Freunde als Untertanen gefunden, das lief am Anfang nicht schlecht. Ich hatte Spaß daran, mir attraktive Kronen zu basteln und meine Ländereien einzuteilen. Es gab aber auch bald Probleme. Die Freunde, die mein Königreich anerkannt hatten, wollten alle wohlklingende Titel haben und jeder wollte etwas Besonderes sein. Es kostete viel mehr Zeit als gedacht, die Ansprüche zu befriedigen, teils musste sogar nachgeschlagen werden, ob nun ein Kurfürst oder ein Erzherzog mehr wert war, das war überraschend kompliziert. Statt am Meer entlangzureiten, saßen wir in der Bücherei, es musste alles seine Ordnung haben. Und es kam bald Unruhe auf, mehr Action wurde verlangt, das Volk war unzufrieden. Also habe ich den Touristen den Krieg erklärt und in wohldurchdachten, heldenhaft geführten Feldzügen eine Strandburg nach der anderen erobert. Und am nächsten Tag gleich noch einmal. Nach etwa einer Woche wurde das alles dann langweilig, weswegen wir uns ganz freiwillig wieder in die Bundesrepublik Deutschland eingegliedert haben, die das nicht einmal zur Kenntnis nahm.

Ich kann daher aus eigener Erfahrung zum Separatismus feststellen: So ein neuer Staat macht viel mehr Arbeit als man denkt und eskaliert verblüffend schnell in ungewollte Richtungen. Aber auf mich hört ja eh keiner.

LN

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