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Volksmusik, Humoresken und Seriöses

Lübeck Volksmusik, Humoresken und Seriöses

Das Landesjugendorchester Schleswig-Holstein gab sein Herbstkonzert in der Lübecker Musikhochschule.

Hans-Christian Schwarz, Solist im Gulda-Cellokonzert.

Quelle: Malzahn

Lübeck. Zweimal jährlich treffen sich junge musikalische Talente für ein Konzertprojekt. Diesmal standen die Instrumentalisten unter der Leitung von Leo Siberski (44), der nach den Stationen Berlin, Braunschweig und Bielefeld inzwischen Erster Kapellmeister am Theater Kiel ist und auf den sich die musikalischen Hoffnungsträger der Zukunft ganz und gar eingeschworen hatten.

Dabei war das Programm, das im Großen Saal der Lübecker Musikhochschule geboten wurde, anspruchsvoll und nicht ohne Tücken zu bewältigen, in der Zusammenstellung aber geschickt den Anforderungen des professionellen Konzertbetriebs angemessen. Zur Eröffnung erklang die Ouvertüre zur Johann-Strauß-Operette „Der Zigeunerbaron“, in der das Idiom ungarischer Volksmusik eingewoben ist.

Das bedeutet für die jungen Musiker immer wieder aus der rhythmischen Vorhersehbarkeit herauszubrechen und sich mit Flexibilität auf alle Verästelungen von Rubato-Schwankungen einzustellen.

Für das selten gespielte Konzert für Violoncello und Blasorchester des 2000 verstorbenen großen österreichischen Pianisten Friedrich Gulda war der 1. Solocellist des Philharmonischen Orchesters Lübeck, Hans-Christian Schwarz, verpflichtet worden, der mit sonorer Tongebung und technischer Zuverlässigkeit den schwierigen Solopart ausfüllte. Dabei trafen sich Humor und Understatement mit den Anforderungen des Werkes, das sich als Kompendium von Stilkopien vom Bigband-Sound über Mozart‘sche Bläserserenaden bis zur Bierzelt-Folklore entpuppte.

Mit Beethovens 6. Sinfonie, der „Pastorale“, ging es zum Schluss wieder seriöser zu, wobei hier Nervosität und Konzentrationsermüdungen spürbar wurden, um so mehr als Siberski wieder ungewohnt romantische Tempoflexibilität einforderte. In der inszenierten Zugabe, der Pizzicato-Polka von Johann und Josef Strauss, wirkten dann auch die Bläser (!) mit.

Das Publikum jauchzte vor Begeisterung.

Dieter Kroll

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