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Vom Ballsaal zum Konzerthaus

Lübeck Vom Ballsaal zum Konzerthaus

Das Lübecker Kolosseum ist der Kultur von Comedy bis Klassik, aber auch dem Gemeinwohl verpflichtet.

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Mit viel Herzblut dabei: Seit 2008 leitet Ole Nissen das Kolosseum.

Quelle: Ulf-Kersten Nissen

Lübeck. Lübeck. Die irischen Tänzer mussten Anfang Januar zusammenrücken. Die Londoner Tanzmusiker werden am 12. März die Bühne vermutlich gut ausfüllen. Ein bisschen Improvisationstalent gehört dazu, wenn der Veranstaltungsort wechselt. Denn „Magic of the Dance“ und das Londoner Pasadena Roof Orchestra waren ursprünglich für die Musik und Kongresshalle gebucht und mussten auf das Kolosseum ausweichen. Profitiert die kleinere Lübecker Bühne also vom Dach-Schaden an der großen Halle?

„Das kann man so nicht sagen“, antwortet Ole Nissen, seit 2008 Leiter des Kolosseums. „Wir können die MuK-Veranstaltungen nicht eins zu eins auf unsere Bühne bringen. Absprachen, welche Veranstaltung gut in welches Haus passt, gab es auch schon vorher.“ So würden in dieser Saison eher wenige Künstler von der MuK ins Kolosseum wechseln, das mit 150 Veranstaltungen pro Jahr ohnehin gut ausgelastet ist. Dabei ist das Spektrum groß: von Möwenschiet bis Mundstuhl, von Herrn Holm bis Hannes Wader, von der NDR-Bigband bis Matze Knop, von Quadro Nuevo bis Ohnsorg-Theater. „Mit Comedy verdienen wir unser Geld“, sagt Ole Nissen. Die 500 Plätze seien ausverkauft, wenn etwa Ingo Appelt („Ein ganz Netter“), Bastian Pastewka („Der ist eins zu eins Pastewka“) oder Carolin Kebekus („Sie ist eher schüchtern“) auf der Bühne stehen. Auch beim Ohnsorg-Theater sei das Haus voll, sagt Nissen, der zusammen mit einem Techniker den Laden schmeißt. „Es ist alles sehr familiär. Jeder arbeitet mit viel Herzblut, sonst würden wir nicht ohne Zuschüsse wirtschaften können.“

Eigentlich wurde das Colosseum, wie es damals hieß, 1875 als Ballsaal mit mehreren Tausend Plätzen eingeweiht. Es entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Konzertsäle Deutschlands. Mit wechselvoller Geschichte: 1937 Übereignung an die Gemeinnützige, während des Krieges Lager und Lazarett, bis 1951 Kino, 1959 Wiederherstellung als Konzertsaal, 1972 Abriss und Wiederaufbau.

Trägerin des Hauses ist nach wie vor die Gemeinnützige. Sie, die Possehl-Stiftung und die Lübecker Sparkassen-Stiftung haben viel Geld in den Wiederaufbau des Hauses gesteckt. So ist die Unterstützung gemeinnütziger Veranstaltungen Teil des Konzeptes und Herzenssache. Stiftungen, Musikschule, Thomas-Mann-Gesellschaft oder Schulen können die Räume zu günstigen Bedingungen nutzen.

Das Foyer bietet ein Forum für Lübecker Künstler: Ab 29. Januar sind Fotos von Tina Schönwald zu sehen: ungewöhnliche Blicke auf Schmuddelecken der Stadt.

• Internet:

www.kolosseum-online.de

Petra Haase

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