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Vom Glück, ein Weltstar zu sein

Lübeck Vom Glück, ein Weltstar zu sein

Film-Biografie „Daniel Hope – Der Klang des Lebens“ über den Ausnahmegeiger.

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Daniel Hope bei einem Konzert mit dem Züricher Kammerorchester.

Quelle: Fotos: Mindjazz

Lübeck. Den Teddy würde er mitnehmen – für seinen Sohn Tony. Und vielleicht dazu noch die Waffe. „Denn damit kann man weit kommen“, scherzt Daniel Hope. Zu Beginn des Film-Porträts erleben Zuschauer den Geigen-Virtuosen im Lübecker Buddenbrookhaus. In der Ausstellung können Besucher nachempfinden, wie es Flüchtlingen geht. Sie sollen auswählen, welche Dinge sie in ihren Koffer packen würden, wenn sie fliehen müssten. Eine solche Entscheidung möchte er nicht treffen müssen, sagt Hope. Dabei war er selbst einmal Flüchtling. Ende der 1970er Jahre flohen seine Eltern mit ihm vor dem südafrikanischen Apartheid-System nach Europa. Hopes Großeltern – Berliner Bürger mit jüdischen Wurzeln – entkamen dem Nazi-Regime und fanden in Südafrika eine neue Heimat.

Die Geschichte seiner Familie hat Daniel Hope geprägt. Und so begleitet der Dokumentarfilm „Daniel Hope – Der Klang des Lebens“ von Nahuel Lopez ihn auch auf dem Weg zu seinen Wurzeln. In Berlin geht es um die Familiengrabstelle, die Hope für seine Angehörigen wiedergewinnen möchte. Sein Ururgroßvater Julius Valentin hatte dort seine letzte Ruhestätte gefunden. Später hatte die Familie auf Ansprüche verzichtet.

Wer Daniel Hope einmal im Konzert erlebt hat oder ihm vielleicht sogar persönlich begegnet ist, kennt seine gewinnende Art. Auch in dem Film begegnet einem ein Ausnahme-Musiker und Ausnahme-Mensch, von dem man den Eindruck haben kann, ihm wäre alles zugefallen.

Mit diesem Eindruck jedoch versucht der Film aufzuräumen. Zwar klingt seine Biographie auch ein wenig nach Märchen. Für seine musikalische Karriere aber sind nicht allein Glück und Zufall verantwortlich. Sondern, wie könnte es anders sein, harte Arbeit.

Die Dokumentation wechselt immer wieder die Schauplätze, die wichtige Stationen seines Lebens sind: Berlin, London, Zürich, Gstaad, Los Angeles (wo Hope das frühere Wohnhaus Thomas Manns besucht), Hollywood, Lübeck. Hopes Eltern kommen ausführlich zu Wort, außerdem Weggefährten und Lehrer wie Zakhar Bron.

Daniel Hope, 1973 in Durban/Südafrika geboren, ist noch ein kleines Kind, als seine Eltern 1977 mit ihm nach Europa auswandern. Unter dem Apartheid-Regime wurde ihr Telefon abgehört, die Post geöffnet. Der Vater, Verleger und Schriftsteller, kann nicht arbeiten: „Ich brauchte Luft“, sagt er. Über Umwege kommt die Familie nach London. Damit sie ein Auskommen findet, sucht die Mutter einen Job. Ihr wird angeboten, Sekretärin bei dem Geigen-Virtuosen Yehudi Menuhin zu werden. „Das Bewerbungsgespräch dauerte fünf Minuten“, erzählt sie. Als musikalische Qualifikation genügte Menuhin, dass sie den Unterschied zwischen Bach und Beethoven kannte.

Man kann sich im Film davon überzeugen, dass Daniel Hope schon als Kind hinreißend war. Und ein sehr ehrgeiziges. Der Junge mit den rotblonden Locken geht bei Menuhin ein und aus, lernt dessen Freunde kennen. „Er konnte wie ein Schwamm alles aufsaugen, was mein Vater sagte“, erzählt Zamira Menuhin, Tochter des Geigen-Stars.

Daniel Hope setzt durch, dass er Geige lernen darf. „Mit vier war mir klar: Ich will Geiger werden“, sagt der Musiker über sich selbst. Der Film erzählt viel von seiner Ausdauer und seiner Zähigkeit. Als Kind übt er heimlich Mendelssohns Violinkonzert e-Moll.

Die Eltern werden deshalb zum Schuldirektor bestellt.

Der Film zeigt den Weltstar auch aus der Nähe. Man sieht, wie er sich vor einem Auftritt noch schnell ein wenig Schweiß vom Gesicht wischt, sich ein Hemd anzieht, die Fliege bindet. Alles wirkt so, als müsste er sich bei nichts anstrengen. Er ist als Musiker zu erleben, als Solist, mit dem Züricher Kammerorchester, dessen Leiter er seit 2016 ist. Beim Lübeck Musikfest, dem Hope-Festival innerhalb des Schleswig-Holstein Musik Festivals, wird Prokofjeffs „Peter und der Wolf“ geprobt. Musik – das ist für ihn mehr, als nur schön zu spielen. Beim Lübeck Musikfest bestreitet der Geiger mehrere Auftritte pro Tag, eilt von Konzert zu Konzert. Er wirkt glücklich und gelöst dabei. „Super, das ist toll“, sagt er in die Kamera, während er schon auf dem Weg zum nächsten Konzert ist.

Über die Schattenseiten einer Karriere wie der seinen spricht er nicht. Seine Eltern aber tun es. „Musik wird immer an erster Stelle stehen“, sagt die Mutter. Für seine Umgebung, seine Frau, den Sohn, die Freunde, sei es sehr schwierig. „Es ist kein einfaches Leben.“ Der Vater drückt es noch drastischer aus. Solist zu sein, hat für ihn etwas Verrücktes und Wahnsinniges.

Film ab Oktober im Kino

Nahuel Lopez, Regisseur des ersten Filmporträts über den Geiger Daniel Hope, kam 1978 in Hamburg zur Welt. Der Filmemacher, Fernsehjournalist und Autor hat sowohl deutsche als auch chilenische Wurzeln. Lopez’ Vater musste Chile aus politischen Gründen verlassen.

Daniel Hope ist für Lopez „der wohl aufregendste und bekannteste Geiger weltweit“. Die Film-Idee entstand, nachdem Hope das Album „Escape to Paradise“ mit Werken deutsch-jüdischer Exilmusiker Hollywoods eingespielt hatte. Ihn reizte es, einen Film zu drehen, der sich mit den Themen Exil und Musik beschäftigt.

„Daniel Hope – Der Klang des Lebens“ kommt am 19. Oktober in die Kinos.

Liliane Jolitz

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