Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Vom Kinderchor auf die Opernbühne

Lübeck Vom Kinderchor auf die Opernbühne

Evmorfia Metaxaki gibt ihr Lübeck-Debüt in Mozarts „Idomeneo“.

Voriger Artikel
Chor-Reise durch die Jahrhunderte
Nächster Artikel
Umwandlung von Suhrkamp wohl gescheitert

Die Griechin Evmorfia Metaxaki ist das neue Mitglied im Opern-Ensemble des Lübecker Theater.

Quelle: Lutz Roeßler

Lübeck. Es war einmal ein kleines Mädchen in Athen, das aus einfachen Verhältnissen stammte, aber wunderschön singen konnte. Das Talent wurde erkannt, das Mädchen konnte sich am Konservatorium der griechischen Hauptstadt ausbilden lassen. Dann riet man ihr, sich zur Aufnahmeprüfung am Mozarteum in Salzburg anzumelden — und sie hatte Erfolg. Evmorfia Metaxaki absolvierte ihr Studium in Österreich und ist seit dieser Saison neues Mitglied des Ensembles am Theater Lübeck.

00010iak.jpg

Evmorfia Metaxaki stammt aus Athen und lebt seit zehn Jahren in Deutschland. Die Sopranistin ist verheiratet.

Zur Bildergalerie

„Ich war acht Jahre alt, als ich im Kinderchor angefangen habe zu singen — und seitdem habe ich nicht wieder aufgehört“, erzählt die Sopranistin. „Damals habe ich mir nicht vorstellen können, einmal eine professionelle Sängerin zu werden. Ich habe in Athen Sprachen studiert, während ich am Konservatorium war, hätte also immer die Möglichkeit gehabt, einen anderen Beruf als den der Sängerin zu ergreifen.“ Als Evmorfia Metaxaki die Aufnahmeprüfung in Salzburg bestanden hatte, beschloss sie, beim Gesang zu bleiben.

Seit zehn Jahren lebt die Sopranistin nun in Deutschland, in den letzten drei Jahren in Berlin. „Ich hatte kein festes Engagement in Berlin, aber ich konnte mir bei vielen Auftritten Repertoire erarbeiten“, sagt die Sängerin in perfektem Deutsch. „Das Leben als freischaffende Sängerin hat mir sehr viel Freude bereitet.“ Und wie hat es die Griechin nach Lübeck verschlagen? „Ich habe davon gehört, dass hier eine Sopranistin gesucht wird, und habe mich beworben und bin dann tatsächlich zum Vorsingen eingeladen worden. Als dann einige Tage später Operndirektorin Katharina Kost bei mir angerufen hat, war ich sehr überrascht, aber auch sehr erfreut. Es warten in dieser Saison sehr viele interessante Rollen auf mich.“

Dazu gehört die der Ilia in Mozarts „Idomeneo“, in der Evmorfia Metaxaki am Freitag ihr Debüt in Lübeck geben wird. „Die Ilia ist eine meiner Lieblingspartien, Mozart überhaupt liebe ich über alles.

Er ist genial und klingt doch so einfach. Wagner zum Beispiel ist auch genial, ab schwierig. Was bei Mozart so einfach klingt, ist aber sehr, sehr schwer zu singen. Aber ich quäle mich gern.“ Neben der großen Mozart-Oper wird Evmorfia Metaxaki noch in Verdis „Don Carlo“, Lortzings „Wildschütz“ sowie in Humperdincks „Hänsel und Gretel“ zu hören sein. „Die Entscheidung, ob ich in ,Armide‘ von Gluck oder in den beiden Einaktern von Zemlinsky singe, ist noch nicht gefallen“, sagt die Sängerin. „Am liebsten würde ich beides machen, aber das geht zeitlich leider nicht.“

Evmorfia Metaxaki singt neben Mozart und dem klassischen italienischen Belcanto auch gerne Barockmusik. „Händel liegt mir, dessen Musik höre ich sehr gern und singe ich mit Freude. Bei Bach ist das anders: Ich liebe vor allem seine Instrumentalmusik — Bach zu singen ist für mich kaum möglich.“

In ihrer Freizeit hört die Sopranistin aber nicht nur klassische Musik. Jazz ist eins ihrer Steckenpferde, Nina Simone nennt sie eine geniale Sängerin. Aber auch klassischer Rock etwa von Deep Purple oder den Doors steht bei Evmorfia Metaxaki im Plattenschrank in ihrer Wohnung in der Lübecker Altstadt. „Ich muss in der Nähe des Theaters wohnen, damit ich nach den Proben und den Vorstellungen schnell nach Hause gehen kann. Hier in der wunderbaren Lübecker Altstadt ist das zum Glück sehr gut möglich.“

Und was erwartet die Sängerin von dem Engagement am Theater Lübeck? „Ich hoffe, dass ich mich hier künstlerisch weiter entwickeln und mein Repertoire erweitern kann. Und es sieht so aus, als ob das klappen könnte.“ Und wo soll die Stimm-Reise einmal hingehen? „Große Verdi-Partien sind mein Traum, ,La Traviata‘ zum Beispiel. Aber da bin ich noch nicht.“

Götter und Menschen
Mozart schrieb seine Oper „Idomeneo“ 1781 für den Karneval am Münchener Hof. Das Drama spielt nach dem Trojanischen Krieg: Der kretische König Idomeneo gelobt Poseidon auf der Rückkehr von Troja in äußerster Seenot, den ersten Menschen zu opfern, dem er in der Heimat begegnet — es ist sein eigener Sohn Idamante.

Jürgen Feldhoff

Voriger Artikel
Nächster Artikel