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Kultur im Norden Vom Leben in der Lüge
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19:12 25.09.2017

Hier wird manches unterm Deckel gehalten: die Liebschaft vom alten Werle, seine Unterstützung für den alten Ekdal, seinem ehemaligen Kompagnon, der irgendwann wegen Betrugs im Knast landete. Und was war eigentlich mit Gina, der Frau vom jungen Hjalmar Ekdal? War die nicht einst bei Werle angestellt und auch mal seine Geliebte? Nebulöse Geschichten, die das Personal vom Balkon heruntertratscht, eingehüllt in den Rauch der E-Zigaretten und eine norwegische Weise, die Nurit Hirschfeld wundervoll wehmütig von den Lippen tropft.

Nurit Hirschfeld, Agnes Richter und Felix Zimmer (v.l.).

In Katrin Lindners Inszenierung von Henrik Ibsens 1884 entstandenem Drama wird Hedvig, Hjalmars Tochter, zum Dreh- und Angelpunkt im Karussell der Heimlichkeiten. Die großartige Nurit Hirschfeld lässt dieses Papa-Kind herzzerreißend heimatlos über die Bühne geistern, ein rettungslos verlorenes Kind. Daneben agieren die Erwachsenen um die dunklen Flecken in ihren Lebensläufen herum, jeder ist auf seine Weise blind. Gina, die die Herkunft ihres Kindes lieber im Unklaren lässt.

Hjalmar, der zu träge ist, seinen Gönner zu hinterfragen. Dabei sind die Lebenslügen und Geheimnisse der Kitt, der die Gemeinschaft zusammenhält und das Leben für manchen erst lebbar macht.

Bis einer hineinplatzt nach jahrzehntelanger Abwesenheit – Werles Sohn Gregers, Hjalmars Kumpel, auch er blind in seiner unangebrachten Wahrheitsliebe. Oliver E. Schönfeld stellt ihn mit sicherem Gefühl für den falschen Moment in die Situationen.

Es liegt eine große Mattigkeit über der Geschichte, in der so viel geflüstert, gemauschelt und geschlichen wird. Katrin Lindner setzt dem mit ihrem spielfreudigen, genau geführten Ensemble eine große Klarheit entgegen – und so lotet der Abend feinfühlig wie verstörend das Dilemma zwischen wahrem und falschem Leben aus.

Theater Kiel, weitere Aufführungen am 29. September sowie 11., 13., 26., 28. 29. Oktober. Karten unter Tel. 0431/901901

LN

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