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Kultur im Norden Aus Lübeck zur Berliner Volksbühne
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12:01 03.12.2018
„Es geht um den Moment“: Paula Kober Quelle: 54° / Felix Koenig
Lübeck

Sie hatte einen Studienplatz sicher, Psychologie an der FU Berlin. Sie hätte sich nur melden müssen. Aber sie war auf einer Radtour unterwegs, ohne Handy. Also verstrich lautlos in der Nacht die Frist, und Paula Kober (24) brauchte einen neuen Plan. Sie sprach bei einigen Schauspielschulen vor, wurde an der Universität der Künste in Berlin genommen und gehört jetzt zum Ensemble der renommierten Volksbühne in der Hauptstadt – vom Fleck weg engagiert.

Klaus Dörr heißt der Intendant, der das Haus nach dem unseligen Abgang von Chris Dercon vorerst führt. Er sah sie im Sommer in einer Diplom-Inszenierung in seinem Theater und war sehr begeistert. Er machte ihr ein Angebot und empfing sie mit dem Satz: „Herzlich willkommen als erste neu engagierte Schauspielerin der Volksbühne!“ Jetzt hat sie einen Zweijahresvertrag bis 2020 und ist dabei, wenn die Volksbühne einen neuen Anlauf nimmt hin zu den großen Würfen vergangener Tage.

Lesung bei den Bücherpiraten

Am Donnerstag, 29. November, um 19 Uhr liest Paula Kober im Haus der Bücherpiraten (Fleischhauerstraße 71) aus Cornelia Funkes Adventsgeschichte „Hinter verzauberten Fenstern“. Die Benefizveranstaltung ist Teil der Aktion „Jedem Kind ein Buch“. Mit ihr will der gemeinnützige Bücherpiraten-Verein Spenden sammeln für 850 Büchergutscheine zugunsten Lübecker Kinder, deren Familien von Sozialhilfe leben. Paula Kober war früher selbst bei den Bücherpiraten aktiv und hat bei den Jugendbuchtagen eine Lesung inszeniert. Am 14. Dezember liest an gleicher Stelle Dietmar Wunder, die deutsche Stimme des James-Bond-Darstellers Daniel Craig.

Zweieinhalb Jahrzehnte hatte Frank Castorf das Haus geleitet, bis er von Chris Dercon abgelöst wurde und ein Drama anhob, an dem die ganze Republik verwundert bis entsetzt teilnahm. Es gab Intrigen und Kündigungen, böse Worte und Hausbesetzungen, bis Dercon schließlich im April dieses Jahres wieder seinen Hut nahm.

Jetzt löse sich die Blockade, sagt Paula Kober. Die Dinge seien in Bewegung. „Da ist totale Lust, das ist wirklich Wahnsinn. Alle sitzen wie auf glühenden Kohlen.“ Auch das Räuberrad, so etwas wie das unter Castorf angeschaffte Wahrzeichen der Volksbühne draußen vorm Gebäude, ist wieder da. Es herrscht Aufbruchstimmung, und sie ist als eines von derzeit nur drei festen Ensemblemitgliedern Teil davon.

Geboren wurde Paula Kober in Lübeck. Nach einigen Umzügen mit der Familie kam sie mit 15 wieder zurück und machte 2013 am Katharineum Abitur. Als Jugendliche hatte sie Judo betrieben, sehr ehrgeizig und sehr talentiert. Sie war Süddeutsche Meisterin, verletzte sich aber bei den Deutschen Meisterschaften schwer und suchte nach etwas Neuem. An der Schule hatte sie Theater-AGs besucht, jetzt stieß sie zu Knut Winkmann und dem Jugendclub am Theater Lübeck und fand daran mehr als nur Gefallen. Dort wuchs langsam heran, was inzwischen zu ihrem Beruf geworden ist.

Am Theater schätze sie das Unmittelbare, sagt sie. „Entweder man war da, oder man war nicht da.“ Es gehe um den Moment. Es passierten Dinge, die keine Aufzeichnung auffangen könne. „Ich als Schauspielerin gebe den Zuschauern etwas, und das nur jetzt. Auch die Reaktion des Publikums ist einzigartig. Und alles zusammen jedes Mal wieder aufregend.“

Seltsam sei, dass sie beim Judo vor Wettkämpfen immer sehr nervös war. Das habe sich die ganze Zeit wie eine Art Lampenfieber nicht gelegt, und sie habe es gehasst. Beim Theater spüre sie immer noch Anspannung, mal mehr, mal weniger, aber das sei etwas völlig anderes. Wenn sie auf der Bühne stehe, sei das verflogen wie ein böses Gerücht. Theater meine: wach sein und alles aufnehmen. Es sei auch eine Art Leistungssport, ein Wettkampf, aber heute freue sie sich darauf.

Das merkt man ihr offenbar an. Im Juni dieses Jahres hat sie beim Bundeswettbewerb deutschsprachiger Schauspielstudierender in Graz für ihre Rolle in „Die Ermordung des Kaisers Elagabal“ einen Einzelpreis gewonnen. „Ich kann es immer noch nicht richtig glauben“, sagt sie. Sie habe kaum zugehört bei den Reden auf der Bühne, als plötzlich ihr Name fiel.

In Berlin wohnt sie in Schöneberg mit ihrem Freund, ebenfalls Schauspieler mit einem festen Engagement am Berliner Ensemble. Sie hat auch schon vor der Kamera gestanden, unter anderem in dem ZDF-Dreiteiler „Ku’damm 56“, und findet Film ebenfalls sehr interessant. An der Volksbühne ist sie derzeit in „Volksverräter!!“ nach Henrik Ibsen und „Das 1. Evangelium“ mit dem Regisseur Kay Voges zu sehen. Sie hat immer noch Kontakt zu Freunden in Lübeck, und wenn man sie fragt, wie das geht, von der Schauspielschule direkt an eine der großen Bühnen der Republik, dann sagt sie: „Mit ganz viel Glück. Und viel Arbeit.“

Peter Intelmann

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