Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden Vom Stadtfest in die Konzerthalle: Die Band „Jeden Tag Silvester“
Nachrichten Kultur Kultur im Norden Vom Stadtfest in die Konzerthalle: Die Band „Jeden Tag Silvester“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:43 15.09.2014
Die MuK im Rücken: Bertram Ulrich, Tom Rieken, Till Krohn und Niclas Jawinsky (v.l.) stehen vor ihrem größten Auftritt. Quelle: Lintschnig
Lübeck

Frischer, melancholischer Popwind soll am kommenden Sonnabend aus Bad Oldesloe nach Lübeck wehen: Die Band „Jeden Tag Silvester“ gibt um 20 Uhr ihr Album-Release-Konzert in der Musik- und Kongresshalle (MuK). Die meisten der zwölf deutschsprachigen Lieder des Albums, das ebenfalls „Jeden Tag Silvester“ heißt, haben die vier Jungs selbst geschrieben — in einem Holzhaus in Schweden, ohne Handyklingeln und vor dem Kamin. „Das war konzentriertes, schönes Musikmachen“, sagt Frontmann Bertram Ulrich.

Einige Songs entstanden mit Musikern wie Johannes Oerding, mit dem sie befreundet sind. „Wir saßen zusammen und haben viel von ihm gelernt. ,Giganten‘, unsere erste Singleauskopplung, trägt auch dessen Handschrift“, sagt er den LN. Der Song beschreibt mit poppig-rockigen New-Wave-Beats die Bejahung des Lebens. „Er vermittelt ein positives Gefühl“, sagt Bassist Till Krohn, „und auch dafür wollen wir stehen.“

Das Album haben sie im Peer Studio in Hamburg, das die Band ihr „eigenes kleines Wohnzimmer“ nennt, aufgenommen, und die Vier betonen, es selbst finanziert zu haben. „Uns ist einfach als Musiker wichtig, Herr unserer Dinge zu bleiben. Mit unseren Ersparnissen haben wir uns diesen Traum erfüllt.“

Sie schätzen die Eigenständigkeit und wollen ihre Inhalte transportieren und nicht, wie andere Bands, unter terminlichem Druck produzieren müssen. „Wenn es irgendwann mal keinen Spaß mehr macht, ist es vorbei. Wir haben unsere Jobs und sind nicht darauf angewiesen, mit unserer Musik durch die Decke zu gehen. Vielleicht sind wir deswegen authentischer“, sagt Ulrich.

Er habe Maschinenbau studiert und arbeite auch leidenschaftlich gern als Techniker und in der Entwicklung. Die Vier sehen ihre Zukunft unverkrampft: „Die Musikszene hat sich verändert. Ein Plattenvertrag heißt heute nicht mehr Goldregen. Wir sind nicht naiv“, sagt Till Krohn.

Vorbild Xavier Naidoo

Die Tage im Studio brachten eine feinfühlige, melancholische, aber auch mitreißende CD mit Ohrwurmqualität hervor. Die Verkaufszahlen werden entscheiden, ob die Songs im Gedächtnis bleiben. „Unser Sound ist an Coldplay und The Killers angelehnt, aber textlich geht es in die Xavier Naidoo-Richtung“, beschreibt Ulrich den Charakter der Musik. „Ich würde gerne so texten und singen können wie dieser Typ.“

Der Sänger ist auch der Romantiker. „Ich kehre oft in mich, reflektiere, denke nach und beobachte meine Umwelt. Ich bin einfach ein verkopfter Typ, der seine Gedanken und Beobachtungen herunterschreibt“, sagt Leadsänger Bertram Ulrich.

Die Bandmitglieder lernten sich 2008 auf dem Stadtfest in Bad Oldesloe kennen. Als Coverband spielten sie von da an Stücke von Jimi Hendrix, Lenny Kravitz und Jan Delay. Eines der Schreckenserlebnisse aus dieser Zeit stammt aus Lübeck: „Wir haben damals beim Hafenfest auf dem Traditionssegler Sirius gespielt. Es hat aus Eimern geregnet. Nur einer stand im Regen und hat uns ausgelacht“, erzählt Ulrich und gruselt sich noch heute. Dies sei eben die Ochsentour, die jede Band durchmache.

Mehr und mehr textete und komponierte die Band selbst. Fortan nannten sie sich „Format“. In dieser Zeit erzählten sie gerne, dass sie aus Hamburg stammten. „Heute haben wir den Reifegrad erreicht, dazu zu stehen, aus der Stormarner Provinz zu kommen“, sagt Ulrich. Denn hier traf man sich auf dem Bad Oldesloer Marktplatz, hier probten sie in feuchten Kellern, hier hatten sie alle ihre ersten Schülerbands. „Der Name Format war aber langweilig, blieb nicht hängen“, sagt Gitarrist Niclas Jawinsky. Deswegen die Umbenennung in „Jeden Tag Silvester“.

Zitternd zum 20. September

Für die Band macht der Name Sinn, denn für sie ist — wie es auch im gleichnamigen Song heißt — jeden Tag Silvester, es gibt jeder Tag einen Grund sich und das Leben zu reflektieren. „Der Name provoziert, bringt den Blick in Richtung Partyband, jeden Tag feiern. Wir meinen aber damit, dass das Nachdenken rund um den Jahreswechsel bei uns jeden Tag passiert“, sagt Drummer Tom Rieken.

Als Vorband von bekannten Bands und Musikern wie Silbermond und Johannes Oerding sind sie volle Hallen gewöhnt, aber der MuK-Auftritt ist etwas Besonderes. „Der 20. September ist ein Datum auf das wir hinzittern“, sagt Sänger Bertram Ulrich. „Es ist ein riesen Meilenstein für uns. Jede Karte wird nur für uns verkauft, und wir hoffen, dass wir einen unvergesslichen Abend bereiten können.“

Video: „Jeden Tag Silvester“ im LN-Interview
Im Interview mit LN-Mitarbeiterin Janine Richter (M.) saßen Niclas Jawinsky (v. l.), Till Krohn, Bertram Ulrich und Tom Rieken vor der MuK auf einer Bierbank und standen Rede und Antwort. Sie sprachen über ihre Fans, die Arbeit an ihrem Album und warum der Auftritt in der Lübecker MuK so wichtig für sie ist.

Janine Richter

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!