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Lustvoller Streifzug durch die Pop- und Rockstile: Ein neues Album von Kraan-Gründer Hellmut Hattler.

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Der Bassist ist der Star: Hellmut Hattler (64) ist seit 45 Jahren im Rock- und Jazz-Geschäft.

Quelle: Music Matters

Lübeck. Dass ein Musiker mit 64 Jahren ein neues Album herausbringt, ist heutzutage nicht unbedingt etwas Besonderes. Dass es irgendwo in den Bereich Pop/Rock/Nu Jazz gehört, auch nicht. Dass der Mann seit 45 Jahren zu den innovativsten Typen der deutschen Musikszene zählt, macht das Album ebenfalls nicht einzigartig. Warum also sollte man sich Hellmut Hattlers neuestes Werk „Warhol Holidays“ anhören?

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Lustvoller Streifzug durch die Pop- und Rockstile: Ein neues Album von Kraan-Gründer Hellmut Hattler.

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Nun, zunächst einmal, weil es 13 Tracks mit wirklich guter Musik enthält. Aber auch das ist man von Hattler, dem Bass-Urgestein aus der Krautrock-Ära, gewohnt. „Warhol Holidays“ aber hat einen ganz besonderen Zauber. Das mag daran liegen, dass sich Hattler, wie er selber erzählt, eine Weile zurückgezogen hat, um Lebenserfahrungen und -einstellungen in Musik zu fassen. Der Mann, der sonst gern mit viel Elektronik experimentiert, hat sich bei der Komposition auf die Musik, nicht auf die Hilfsmittel, konzentriert. Und das hört man.

Hattler, der 1971 mit seiner Band Kraan die „Prog-Rock“-Bühne betrat, hat in seiner Karriere mit verschiedenen Musiker zahlreiche Stile ausprobiert und mit ihnen Erfolg gehabt. Für Kraan stimmt der Begriff „Kultband“ ausnahmsweise mal – und übrigens, es gibt Kraan immer noch. Einige wenige Konzerte stehen in der Urbesetzung mit Jan Fride (Drums) und Peter Wolbrandt (Gitarre) in diesem Jahr an.

Mit Joo Kraus formte Hattler die Acid-Jazz-Formation Tab Two, die erstaunliche Erfolge in den USA feierte. Und mit der Band Hattler hat er seit der Gründung im Jahr 2000 ebenfalls Erfolge zu verzeichnen – unter anderem erhielt er 2001 einen Jazz-Echo. Die Stammbesetzung der Band (mit Drummer Oli Rubow, Gitarrist Torsten de Winkel und Sängerin Fola Dada) ist auch bei „Warhol Holidays“

dabei, allerdings hat sich Hattler diesmal auch einige andere Musiker zur Verstärkung geholt.

Das Album beginnt mit einem Gute-Laune-Track: „Spell E.Z.“ ist ein typischer Hattler-Song, fröhlich, mit der wunderbaren Stimme Fola Dadas. „Sie ist meine Traumbesetzung“, sagt Hattler. Was folgt, ist ein – stets sehr Bass-betonter – Rundgang durch verschiedene Stilrichtungen: „Sand am Meer“ hört sich an wie ein alter Kraan-Song, „Anything At All“ wiederum kommt im Folk-Rock-Gewand daher, „Kraal Jam“ wie ein Stück der Fusion-Jazz-Urväter von Weather Report. Und natürlich kann immer getanzt werden: auf einem mitreißenden Rhythmus- und Bass-Teppich („Parallelgesellschaftstanzmusik“). Zum Abschluss der CD gibt es dann mit „Bikinian Rhapsody“ noch eine etwas melancholische Ladung Hattler-Bass.

„In Zeiten wie diesen – Stichwort: AfD, NSA, Anti-Demokraten auf dem Vormarsch – braucht es eine Positionsbestimmung“, sagt Hattler. Und Antworten auf die Fragen: „Was ist mein Kern? Was macht mich aus?“ Wenn man sich „Warhol Holidays“ anhört, möchte man meinen: Es ist seine ständige Suche nach neuer, guter Musik. Und der Spaß daran, wenn er sie gefunden hat.

„Ich feiere die Freiheit“

45 Jahre Musik abseits des Mainstreams – ist das noch Spaß oder schon Trotz?

Hellmut Hattler: Haha, gute Frage, aber über die Antwort muss ich erst ein bisschen nachdenken . . . Also Spaß ist es auf jeden Fall, denn ich bin ja in der Position, alles, was ich an Musik komponiere, texte, produziere und auf die Bühne bringe, genau so zu machen, wie ich das gern machen möchte. Es gab ja durchaus schon Phasen in meinem Musikerleben, in denen Verlage, Plattenfirmen, Agenturen und Manager aus dem Hintergrund Einfluss nahmen. Weniger im Falle der Band Kraan, aber ganz massiv bei Tab Two, wo es ja weltweit abging. Da muss ich schon zugeben, dass die Scheren im Kopf irgendwann zu klappern anfangen, und da hört der Spaß irgendwann auf, selbst wenn alles prima läuft.

Und jetzt?

Hattler: Seit dem Jahr 2000, also seit ich die Band Hattler gegründet habe, steuere ich Tempo und Richtung selber und bin damit deutlich glücklicher, wobei ich schon auch froh wäre, wenn ich ein bisschen mehr Geld damit verdienen könnte. Aber der Trotz spielt hier nun gar keine Rolle, ich feiere meine Freiheit, tun und lassen zu können, was ich will. Immer mehr Leute entdecken meine Musik für sich und sind froh, etwas gefunden zu haben, was sie woanders offenbar nicht zu finden scheinen. Das macht mich richtig glücklich.

Nervt es, wenn die Fans immer noch die alten Kraan-Titel hören wollen?

Hattler: Es gab Zeiten, wo es genervt hat. Aber inzwischen spiele ich mit dieser Band – also meinen Ex-Schulkameraden und Ex-Kommunarden – ja immer mal wieder sporadische Konzerte und stelle jedes mal aufs Neue erfreut fest, dass die Kompositionen auch heute noch unglaublich gut funktionieren und dass Kraan nicht nur eine eigenartige, sondern eine ziemlich einzigartige Kapelle ist.

Authentizität ist ja ein ziemlich strapazierter Begriff, aber für Kraan passt er genauso wie das Wort zeitlos.

„Warhol Holidays“ klingt in weiten Teilen fröhlich, gar nicht verkopft. Ist das Ihre Grundstimmung?

Hattler: Ich glaube, musikalisch habe ich ja meine einigermaßen unverwechselbare Sprache gefunden, eine Mischung aus Unbeschwertheit und Melancholie, und die zweite Ebene sind meine Texte, die die jeweilige Grundstimmung unterstreichen oder konterkarieren. Ich gebe mir mit den Texten immer sehr viel Mühe, finde aber, dass ein Song auch rein musikalisch funktionieren sollte. Also selbst dann, wenn man die darin gesungene Sprache nicht verstehen kann oder will.

Interview: Andreas Heß Andreas Heß

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