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Von Bernstorff einflussreicher als von Bothmer?

Grevesmühlen Von Bernstorff einflussreicher als von Bothmer?

Chronist Eckart Redersborg hat ein Buch über die mecklenburgische Grafen-Familie geschrieben, deren Ruf einst bis nach England und Dänemark reichte.

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Eckart Redersborg (71) präsentiert in seinem Büro das Manuskript zu seinem neuen Buch.

Quelle: Foto: Robert Niemeyer

Grevesmühlen. Wenn von wichtigen Schlossgütern und alten Adelsfamilien in der Region die Rede ist, fällt den meisten Menschen sicherlich zuerst Schloss Bothmer in Klütz ein.

Während Hans Caspar von Bothmer jedoch erst 1726 den Grundstein für den Prachtbau im Klützer Winkel legte, siedelte sich die Familie von Bernstorff bereits knappe 500 Jahre früher im heutigen Nordwestmecklenburg an. „Die von Bernstorffs gehören zu den ältesten Großgrundbesitzern in Mecklenburg-Vorpommern“, sagt Eckart Redersborg. Ihr Einfluss reichte bis nach Dänemark und England. Der 76-Jährige hat jetzt ein Buch geschrieben, in dem die Geschichte der Familie vom Mittelalter bis 1945 erzählt wird.

Diese Geschichte der von Bernstorffs, deren Familienname sich im Vergleich zum Dorfnamen übrigens mit einem zusätzlichen ‘f‘ schreibt, nahm ihren Anfang Ende des 12. Jahrhunderts. „Im Gefolge Heinrichs des Löwen befand sich ein Ritter Bernstorp“, erzählt Eckart Redersborg. Dieser Ritter erhielt von seinem Herren Grund und Boden an der Stelle, an der heute Bernstorf liegt. Erstmals erwähnt wird das Dorf 1237. Etwa 400 Jahre dauerte es jedoch noch, bis die von Bernstorffs zu einer „Familie von europäischem Rang“ aufgestiegen waren, sagt Redersborg.

Wie so oft zu der Zeit war eine Eheschließung Ausgangspunkt von Machtgewinn. Andreas Gottlieb von Bernstorff heiratete die Tochter des Kanzlers von Braunschweig-Lüneburg. Von Bernstorff war später der einflussreichste Minister des Kurfürstentums Hannover in England und dort der erste Leiter der deutschen Kanzlei. 1715, so Redersborg, wurde ihm die Reichsfreiherrenwürde verliehen.

Die Familie hatte zu dieser Zeit ihren Sitz in Wedendorf.

Zwei Enkel des neuen Freiherren wurden 1767 in den Grafenstand erhoben, der für alle weiteren Nachkommen galt. Einer von beiden, nämlich Johann Hartwig Ernst von Bernstorff, war sogar dänischer Staatsminister. Er errichtete nördlich von Kopenhagen das Schloss Bernstorff. Schloss Bernstorf in Nordwestmecklenburg wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut.

Bis zur Enteignung der Familie 1945 reichen die Beschreibungen in dem Buch von Eckart Redersborg. „Ich habe damit zwei Anliegen. Erstens möchte ich über das Wirken der Familie berichten.

Zweitens möchte ich zeigen, wie die Familie in der Region gewirkt hat“, sagt Redersborg. Beleuchtet wird deshalb auch die Entwicklung der Gemeinde Bernstorf.

Der Grevesmühlener hatte gar ein ganz persönliches Interesse an der Geschichte des Dorfes Bernstorf. Von 1957 bis 1961 arbeitete er im Schloss als Lehrer. Das Fach, das er damals am liebsten unterrichtete: selbstverständlich Heimatkunde. „Das war mein Einstieg in alles, was ich heute als Chronist mache“, sagt Redersborg. Zudem freue er sich, dass das alte Schloss wiederbelebt wird. Das Gebäude wird durch den Hamburger Investor Wolfgang Röhr saniert und zu einem Bio-Hospiz umgebaut. Röhr finanziert zudem die Verlegung des Buches. Redersborg: „Ich fühle mich dem Ort verbunden und möchte mit dem Buch einen Beitrag zum Erhalt des Schlosses leisten.“

Bernstorff — Bernstorf — Schloss Bernstorf
„Bernstorff — Bernstorf — Schloss Bernstorf“ lautet der Titel des Buches von Eckart Redersborg, das Anfang/Mitte November im NWM-Verlag erscheinen soll. Eckart Redersborg sucht dafür nach wie vor noch nach Informationen und vor allem Fotos.

Telefon: 038 81/29 61

Robert Niemeyer

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