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Von Katzen und Mäusen: Holocaust im Comic

Frankfurt/Main Von Katzen und Mäusen: Holocaust im Comic

Kann man den Horror der Konzentrationslager in einem Comic erzählen? Eine Frankfurter Ausstellung dokumentiert unterschiedliche Ansätze – und will damit zugleich Jugendlichen einen anderen Zugang zur Aufarbeitung ermöglichen.

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Jakob Hoffmann, Kurator der Ausstellung "Holocaust im Comic", steht im Bildungszentrum Anne Frank in Frankfurt vor Auszügen aus der 2013 in Deutschland veröffentlichten Graphic Novel "Das Erbe" der israelischen Zeichnerin Rutu Modan.

Quelle: dpa

Frankfurt/Main. Die Juden sind die Mäuse, und die SS-Schergen die Katzen: Mit seinem Comic „Maus“ hat der New Yorker Autor Art Spiegelman, Sohn eines Holocaust-Überlebenden, 1989 weltweit für Furore gesorgt. Fast 30 Jahre später gilt es als weitgehend unbestritten, dass sich auch der Comic mit so heiklen Themen wie dem Völkermord an den Juden beschäftigen darf.

LN-Bild

Thematisieren den Holocaust: „Der Boxer“ von Reinhard Kleist (oben) und „Maus“ von Art Spiegelman.

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Wie sich deutsche Zeichner an das Thema heranwagen, das will eine Ausstellung in der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank zeigen. Zehn Comic-Bücher werden vorgestellt, darunter Reinhard Kleist („Der Boxer“), Walter Moers oder Moritz Stetter („Bonhoeffer“).

Kleist hat in seiner Graphic Novel in grellem Schwarz- Weiß die unglaubliche Lebensgeschichte von Harry („Hertzko“) Haft dargestellt, der als Jude in den Konzentrationslagern nur überlebte, weil er der SS als Schauboxer diente. Dabei musste er Mitgefangene zu Tode prügeln. Der 2012 veröffentlichte Comic ist inzwischen in zahlreiche Sprachen übersetzt worden.

Stetter erzählt in „Bonhoeffer“ die Geschichte des protestantischen Theologen, der wenige Wochen vor Kriegsende 1945 im KZ Flossenbürg hingerichtet wurde. Ein Video dokumentiert, wie Stetter bei seinen Comics arbeitet. Die Schau, die sich auf Teile einer seit 2002 durch Deutschland tourenden Wanderausstellung stützt, ist außerdem durch Original-Skizzen und Zeichnungen von Kleist und Stetter bereichert worden. „Wir wollen auch den Comic als Kunstform darstellen“, sagt Kurator Jakob Hoffmann.

Seine Zielgruppe sind vor allem Jugendliche und Schulklassen. Der Comic könne gerade dort bei der Aufarbeitung von Nazi-Zeit und Holocaust nützlich sein, sagt Hoffmann. Doch dieses Instrument werde in den Schulen noch kaum genutzt.

Die Künstler wählen sehr unterschiedliche Zugänge zum Thema, wie die von der Jüdischen Gemeinde unterstützte Schau deutlich macht. Die Ausstellung ist nicht groß, sie hat aber ein umfangreiches Begleitprogramm zu der sich derzeit verändernden Erinnerungskultur in Deutschland. Denn spätestens seit Timur Vermes' Bestseller „Er ist wieder da“ ist Hitler zum Pop-Phänomen geworden.

Außerdem sind während der Ausstellung Lesungen und Auftritte von Comic- Künstlern wie der jungen US-Cartoonistin Sarah Glidden geplant. Sie hat über Israel gearbeitet und jüngst das viel beachtete Buch „Im Schatten des Krieges“ – einen Comic über den Krieg in Syrien – veröffentlicht.

Ausstellung: „Holocaust im Comic“, Bildungsstätte Anne Frank, Hansaallee 150, Frankfurt am Main. Die Ausstellung ist bis zum 9.

März zu sehen. Dienstag bis Freitag von 12.30 bis 17 Uhr, sonntags von 12 bis 18 Uhr; der Eintritt ist frei.

 Thomas Maier

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