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Kultur im Norden Von Mutti und einem Dalmatiner ohne Flecken
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18:26 09.11.2017
Dietmar Wischmeyer im Kolosseum. Quelle: Foto: Felix König
Lübeck

Der Herr in der dunklen Hose und der pinkfarbenen Jacke trägt einen orangefarbenen Plastikbehälter mit sich. Was darin ist? Nun, unter anderem das, was von Cevapcici und Tsatsiki übrig geblieben ist. Der Mann, ein passionierter Camper („bis auf Sanitär“), ist unterwegs zum Fäkalentsorgungspunkt. „Auf dem Rückweg bringe ich immer Kaffeewasser mit“, sagt er. Neben Lachen sind auch Laute leichten Ekels zu hören. Ähnliches wird es an diesem Abend noch häufiger geben. Denn Dietmar Wischmeyer, bekannt unter anderem aus der „Heute-Show“, macht sich einen Spaß daraus, Geschmacksgrenzen zu überschreiten.

Zunächst einmal aber überrascht er mit einer guten Nachricht: „Die Intelligenz auf dem Planeten nimmt zu.“ Dann der Nachsatz: „Leider nicht beim Menschen.“ An einem großen Tisch auf der rechten Bühnenseite sitzend oder von links am Gartenzaun brennt er ein Feuerwerk ab. Hoch oben auf einer Leinwand werden Bilder und kleine Filme gezeigt. Vor diesem Hintergrund entwirft Wischmeyer sein düsteres Bild von der Welt, die uns erwartet. „Was wird das für ein Gefühl sein, wenn dir der Pflegeroboter einen Blasenkatheter durch den Harnleiter schiebt? Ist Erotik nur noch eine Smartphone-App?“ Und die bange Vorhersage: „Heute bringt uns Lieferando den Fertigfraß aus obskuren Schmurgelküchen, morgen räumt Sterberando den toten Opa ab.“

Auch zurück geht der Blick: Wie sind Autofahrer klargekommen, als es noch keine Navis gab? Nun, es konnte unangenehm werden. Ach, er wolle wohl ins Erotik-Outlet, schließt ein Eingeborener scharf, der auf der Straße von einem Durchreisenden nach dem Weg gefragt worden war.

In fortgesetzt forschem Sprechtempo geht es weiter zu dem Althaus-Besitzer Wischmeyer und einem folgenreichen Fleck an der Decke oder zu einem Dalmatiner, der keine Flecken hat, weil er gar kein Dalmatiner ist, sondern ein Weimaraner. Kleine Exkursionen in die Politik gibt es natürlich auch. Wischmeyer spottet über die Sondierungen für eine Jamaika-Koalition, eine Kanzlerin namens Mutti, den bald arbeitslosen Sigmar Gabriel.

Wer schon immer wissen wollte, warum manche Männer sich ständig in den Schritt fassen, kann von Wischmeyer eine – etwas unappetitliche – Antwort bekommen. Außerdem weiß er die Antwort auf die Frage, ob das Internet die Menschen blöd macht: Nein, sie waren es vorher schon.

liz

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